"Corporate Governance wird im Bereich der Sozialwirtschaft immer wichtiger"

"Corporate Governance wird immer wichtiger"

Drei Fragen von KPMG an Dr. Wolfgang Teske, Kaufmännischer Vorstand, Diakonisches Werk Evangelischer Kirchen in Mitteldeutschland

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KPMG: Wie beurteilen Sie die aktuellen Entwicklungen im Bereich der Corporate Governance für Non-Profit-Organisationen. Welche Aspekte stehen aus Ihrer Sicht gegenwärtig im Vordergrund?

Dr. Wolfgang Teske: Corporate Governance, also die Grundsätze guter Unternehmensführung, wird im Bereich der Sozialwirtschaft immer wichtiger – und damit auch für viele Non-Profit-Organisationen. Denn angesichts der leeren Kassen der Öffentlichen Hand und der angespannten Lage der sozialen Sicherungssysteme stehen sie vor großen Herausforderungen. Es wird immer schwerer, die notwendigen Mittel zu akquirieren, um die primären Ziele einer Non-Profit-Organisation auch weiterhin erfüllen zu können. In einer solchen Situation können Managementfehler das Aus für die Organisation bedeuten. Deshalb ist es wichtig, dass Non-Profit-Organisationen von qualifizierten Personen geleitet werden, die sich den Zielen der Organisation verpflichtet fühlen und einen ethisch fundierten Managementansatz verfolgen. In diesem Zusammenhang sind die von zahlreichen Verbänden entwickelten Corporate-Governance-Kodizes bedeutsam, da sie eine gute Grundlage für eine wertorientierte Unternehmensführung bieten. Diese Regelwerke, die inzwischen alle nahezu zehn Jahre alt sind, müssen jedoch weiterentwickelt werden, um auch in Zukunft noch Leitbildfunktion zu haben.  

KPMG: Ein wesentliches Element von Corporate Governance ist eine professionelle Unternehmensüberwachung durch die Aufsichtsgremien. In welcher Weise wird diese Professionalisierung gegenwärtig im Bereich der Non-Profit-Organisationen vorangetrieben?

Dr. Wolfgang Teske: Ein wesentliches Element der Professionalisierung von Aufsichtsgremien in Non-Profit-Organisationen besteht in deren Qualifizierung. Nicht jeder, der in ein solches Gremium berufen wird, verfügt zwangsläufig über die dafür notwendigen Fähigkeiten. Es ist insbesondere die Aufgabe der jeweiligen Verbände, denen viele Non-Profit-Organisationen angehören, ihren Mitgliedern die notwendige Qualifizierung zu ermöglichen. Zwar sind Angebote vielfach vorhanden, aber werden nicht immer angenommen. Hier bedarf es erheblicher Anstrengungen, um insbesondere neuen Mitgliedern von Aufsichtsgremien das notwendige Handwerkszeug zu vermitteln und ihnen klar zu machen, dass die Annahme von Fort- und Weiterbildungsangeboten kein Zeichen von Schwäche ist, sondern der erste Schritt zu mehr Professionalität. 

KPMG: Inwieweit werden die demographischen Veränderungen in unserem Land mittelfristig auch Konsequenzen für die Gewinnung von Mitarbeitern, Führungskräften und Mitgliedern von Aufsichtsgremien im Non-Profit-Bereich haben? Welche Auswirkungen könnte das auf die Weiterentwicklung der Corporate Governance haben?

Dr. Wolfgang Teske: Die demographische Entwicklung hat erhebliche Auswirkungen auf den Dritten Sektor. Es wird immer schwieriger, Menschen für den Bereich zu gewinnen, die die zahlreichen Aufgaben der Non-Profit-Organisationen auch in Zukunft noch erfüllen. Eine gute Unternehmensführung setzt sich mit dieser Entwicklung schon heute auseinander, auch wenn sie noch nicht unmittelbar betroffen ist. Wie kann ich junge Menschen beispielsweise für den sozialen Bereich begeistern und damit als zukünftige Mitarbeiter gewinnen? Die Suche nach geeigneten Führungskräften wird ebenfalls nicht einfacher, und zwar insbesondere dann, wenn man daran festhält, dass sich die Führungskräfte mit den Zielen der Non-Profit-Organisation identifizieren und ihre Tätigkeit nicht allein als Gelderwerb betrachten. Hier kann es hilfreich sein, Mitarbeiter weiter zu qualifizieren, damit sie in Zukunft Führungsaufgaben übernehmen können. Auf keinen Fall darf es passieren, dass Organisationen im Dritten Sektor auf eine wertorientierte Unternehmensführung künftig verzichten. Damit würde eines der wesentlichen Merkmale dieses Bereichs aufgegeben.

Dr. Wolfgang Teske

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