Autonomes Fahren: Plötzlich ist die linke Spur dicht

Autonomes Fahren: Plötzlich ist die linke Spur dicht

Das Google-Auto hatte bereits auf dem Genfer Autosalon für Furore gesorgt, jetzt drücken auch angestammte Autobauer wie BMW und Daimler auf die Tube. Dr. Wolfgang Schma, Direktor bei KPMG, spricht in einem Workshop auf dem 17. Industrie Forum über das Connected Car und rät den Zulieferern, dass sie jetzt unbedingt mitziehen müssen.

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Autospur mit Lichtern

Der Redebedarf war groß im März: In Genf war das selbstfahrende Auto von Google das Thema. Gehört hat die Konkurrenz bereits davon, doch gesehen hat sie es noch nicht. Dennoch: Der Vorstoß des IT-Riesen sorgt seit Beginn des Jahres für ein kleines Wettrennen zwischen den Autobauern. Google-Chef Eric Schmidt hatte bereits auf der NOAH-Konferenz in Berlin angekündigt, dass jedes deutsche Auto autonom fahren werde.

Besonders BMW will durch die neuen Möglichkeiten punkten, hatte bereits 2014 die Kooperation mit Baidu bekanntgegeben. Wie das Fachmagazin „Automobilproduktion“ berichtet, soll bereits Ende 2015  das erste Auto auf den Straßen Chinas rollen. Kurios: Baidu ist – wie einst Google – durch das Angebot als Suchmaschine bekannt und groß geworden und weitet mit der BMW-Kooperation nun also das Geschäftsfeld aus.

Der Hauptunterschied zwischen dem Google-Auto und dem von BMW besteht darin, dass die Kalifornier auf den Fahrer verzichten werden, wohingegen das Modell dem Fahrzeugführer assistiert. Wie die „Computerwoche“ berichtet, sei China das richtige Umfeld für derartige Experimente, weil in der Volksrepublik rechtliche Schranken deutlich schneller fallen.

Zulieferer müssen mitziehen

Dr. Wolfgang Schmal sieht hier die Zulieferer in der Pflicht, wenn sie nicht den Marktanschluss verlieren wollen. „Die Zulieferer haben es noch nicht geschafft, deutlich zu erklären, wie das Geschäftsmodell der neuen Zeit aussehen soll“, so der Fachmann.

Laut Schmal ist auch Google ein Zulieferer der Autoindustrie, der jedoch Wertschöpfungspotentiale an sich binde und damit das Zielkostenvolumen verringere. „Die Frage ist doch, welcher Kunde bereit sein wird, einen Aufpreis für etwas zu zahlen, das er privat nutzen kann, selbst wenn die entsprechenden Lizenzkosten beim Zulieferer beträchtlich sind“, gibt der Experte zu bedenken.

Wie es gehen könnte, zeigt Daimler in Kooperation mit Zulieferer Bosch. Beide testen bereits Verfahren, die die Fahrzeuge der Stuttgarter selbstständig einparken lassen. Damit sollen laut „Autogazette“ zunächst Parkhäuser revolutioniert werden. Der Fahrer überlässt dem Computer die Parkplatz-Suche. Mit an Bord ist dann auch Daimler-Tochter Car2Go, die die Erfahrung aus dem Geschäft mit dem Wachstumsmarkt Car-Sharing mitbringt.

Doch damit nicht genug: Die E-Klasse von Mercedes soll zudem ab März 2016 mit Lenkassistenz ausgeliefert werden – das Lenkrad bewegt sich selbstständig in den Händen des Fahrers.

„Auch die Zulieferer sind gefordert, ihre Strategien und ihre Geschäftsmodelle kritisch zu reflektieren angesichts der Umbrüche, die die Vernetzung mit sich bringt“,  betont Schmal weiter.

Alles was Recht ist

Im Zuge des selbstfahrenden Autos wird bereits auch kontrovers diskutiert, wie die neuen Regelungen aussehen werden. Versicherungsrechtler Fabian Stancke, Professor für Bank- und Versicherungsrecht an die Brunswick European Law School, erklärt in der „Wirtschaftswoche“ beispielsweise, dass die Führerscheinpflicht und die Promillegrenze fallen könnten – und dass Kinder diese Autos  allein nutzen könnten. Wichtig sei nur, dass die Menschen in der Lage sind, das Fahrzeug auf das anzusteuernde Ziel zu programmieren. Wie das Blatt weiter berichtet, ist in Deutschland immer noch das Wiener Übereinkommen über den Straßenverkehr von 1968 bindend – autonomes Fahren ist in dieser Regelung noch nicht vorgesehen.

Doch es ergeben sich noch weitere Fragestellungen: Forensik-Experte Alexander Geschonneck gab bereits im Februar dieses Jahres zu bedenken, dass das digitalisierte Fahrzeug gesondert gesichert werden muss – besonders vor Hackern.

 

Ansprechpartner für Business Development for large Corporates in the Automotive and Energy Sector bei KPMG

Dr. Wolfgang Schmal

wschmal@kpmg.com

 
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