Szenarien von Übermorgen: Zuflucht Familie

Szenarien von Übermorgen: Zuflucht Familie

Wie werden wir morgen arbeiten? In einem gemeinsamen Projekt von KPMG mit SOS Kinderdörfer Global Partner, Foresight Solutions und dem TÜV Rheinland kreierten Zukunftsforscher vier provokante Szenarien der Arbeitswelt im Jahr 2035. Im Rahmen dieser vierteiligen Artikelserie nehmen wir Sie mit auf vier aufregende Reisen in die Zukunft. Beginnen wir mit einer utopisch anmutenden Destination: der Star Wars-Gesellschaft.

Senior Manager - Innovation & Strategic Growth Initiatives

KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft

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Zuflucht Familie

In der Weltall-Saga von George Lucas laufen die Jedi-Ritter in traditionellen Mönchsgewändern aus grauer Vorzeit über die Leinwand – am Gürtel aber tragen sie eine hochenergetische Klinge, besser bekannt als Lichtschwert. Diese Einheit der Gegensätze prägt das erste Szenario der Arbeitswelt der Zukunft.

Überlastung 4.0

In diesem Szenario sind wir 2035 zur traditionellen Werteorientierung zurückgekehrt. In den Familien herrscht die klassische Rollenverteilung zwischen VersorgerIn und Haushaltsvorstand. Die Scheidungsrate ist gesunken. Die Ehe gilt wieder als Erfolgsmodell. Am häufigsten ist die Kleinfamilie: Mutter, Vater, Kind. Eingebettet ist diese in eine Gesellschaft, die klassische Werte wie eben Familie, Sicherheit, Rollenhomogenität und Wertebewusstsein hochhält. Und das aus gutem Grund. Denn das, was wir heute noch euphemistisch „Industrie 4.0“ nennen, ist bis 2035 zu einem Tornado ausgewachsen. Die sich extrem beschleunigende Technisierung und Digitalisierung hat eine Dynamik entwickelt, die Führungskräften und Mitarbeitern eine immense Verantwortung aufbürdet. Die Innovationszyklen sind noch stärker verkürzt, der psychische Druck ist überwältigend. Kein Wunder, dass Führungskräfte und Mitarbeiter die Familie als Zufluchtsort und Ruhepol suchen und pflegen. Leider reicht das nicht.

(Illustration: Christoph J. Kellner)

Fit für die Zukunft

Die Familie kann vieles, aber sie kann nicht alles abpuffern. Denn bei verkürzten Innovationszyklen und der rasch abnehmenden Halbwertszeit des Wissens von Führungskräften und Mitarbeitern kann nur eine neuartige Personal- und Führungskräfteentwicklung helfen. Mit den heutigen Methoden und Mitteln scheint das eher aussichtslos. Doch Abhilfe naht.

Brain-Machine-Interfaces

Die Arbeitswelt der Zukunft erfordert eine betriebliche Weiterbildung der Zukunft. Eine Weiterbildung mit neuen Lernmethoden und Technologien wie zum Beispiel dem Brain-Machine-Interface, das bereits heute erprobt wird: Maus und Tastatur werden überflüssig, wenn der Mensch direkt von Gehirn zu PC oder Datenbank sprechen kann. In einer derart beschleunigten Arbeitswelt werden auch neue Evaluationsmethoden benötigt, die genau nachweisen, was zum Beispiel von einem Training tatsächlich am Arbeitsplatz ankommt. Möglicherweise wird dieser Lerntransfer auch deshalb deutlich höher ausfallen als heute, weil der Mensch der Zukunft „gedopt“ ist.

Neuro-Enhancement

Die Leistungsfähigkeit des menschlichen Verstandes zu steigern, ist eine uralte Idee. Neu ist, dass wir diesem Traum näher kommen. Forscher untersuchen derzeit, wie man unser Gehirn pharmazeutisch, neurobiologisch, magnetisch oder mit Lichtstimulation leistungsfähiger machen kann. Erste Forschungsergebnisse zeigen, wie wir mit geeigneten Mitteln Aufnahmebereitschaft, Konzentrationsvermögen, Kreativität, Lösungskompetenz und Erinnerungsvermögen steigern können. Damit wird der Mensch der Zukunft geistig fit gemacht – und seelisch?

Resilienz

Was wir heute als Arbeits- und Leistungsstress empfinden, wird im Szenario der Star Wars-Gesellschaft in 2035 – dank der diskutierten Entwicklungen – wie ein Freizeitpark anmuten. Deshalb wird die betriebliche Weiterbildung in diesem Szenario Mitarbeiter und Führungskräfte nicht nur kognitiv, sondern auch seelisch auf den Stress 4.0 vorbereiten. Das Stichwort für diese Kompetenzbildung existiert bereits: Resilienz. Schon heute werden Trainings dafür angeboten. Darin geht es unter anderem um völlig neue Fähigkeiten wie zum Beispiel die Offline-Kompetenz. Wer sich seine Leistungsfähigkeit erhalten möchte, tut schon heute gut daran, ab 19 Uhr nicht mehr in die Mailbox zu schauen. Die Betonung liegt dabei auf „schon heute“: Das ist es, was solche Szenarien uns lehren möchten: Wer morgen eine gute Zukunft haben möchte, sollte schon heute damit beginnen.

Zukunftskompetenz

So gibt es bereits heute Hilfsmittel wie zum Beispiel Apps, die einen dabei unterstützen, mit der Online-Zeit bewusster umzugehen, um sich so eine Zuflucht vor dem penetranten Zugriff der Online-Medien zu schaffen wie es in Zukunft – zumindest in diesem Szenario – die Familie sein wird. Am Polytechnikum in Singapur wurde beispielsweise eine „Anti-App“ entwickelt, die das Handy eines Benutzers weitgehend ausschaltet, sobald er oder sie in die Nähe von einem oder zwei Freunden kommt. Auf diese Weise sollen Handy-Benutzer wieder lernen, „echte“ Gespräche mit „realen“ Menschen zu führen. Benutzer solcher und ähnlicher Apps beweisen nicht nur gesunde Selbsterhaltung, sondern Zukunftskompetenz: Denn ein Szenario kann mit etwas Recherche jeder aufstellen. Worauf es beim künftigen Erfolg jedoch ankommt, ist viel stärker der sogenannte Szenario-Transfer. Das ist die Antwort auf die Frage: Wenn uns die Zukunft solche Entwicklungen bringen sollte – wie bereite ich mich, meinen Freundeskreis, unser Unternehmen, unsere Familie, unsere betriebliche Weiterbildung und unsere Teams bereits heute darauf vor? Welche Technologien sollten wir permanent auf dem Innovationsradar haben? Welche Maßnahmen können wir in Form von Schubladenplänen bereits vorplanen?

Schwache Signale

Viele Entwicklungen des Szenarios „Star Wars-Gesellschaft“ sind heute bereits als schwache Signale zu spüren. Sie sind gleichsam seismische Vorboten des Erdbebens in der Zukunft, das sie ankündigen. Wer diese schwachen Signale erfassen und deuten kann, ist im Vorteil: Er oder sie geht bestens vorbereitet in die Zukunft. Entwickelt sich die Zukunft tatsächlich so wie sie das Szenario vorhersagt, verlieren zukunftskompetente Manager keine Zeit mehr mit Analyse, Bedarfsermittlung, Konzeptionierung und Planung. Sie sind allen anderen die berühmte Nasenspitze voraus. In diesem Sinne stellt dieses Szenario und auch andere Szenarien keine ferne Utopie nach Art von George Lucas dar: „Eines fernen Tages in einer weit, weit entfernten Galaxie“. Vielmehr ist es als dringender Aufruf zu verstehen, möglichst zeitnahe Vorbereitungen für diese überhaupt nicht mehr ferne Zukunft zu treffen. Das ist Zukunftskompetenz.

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