Wenn alte Chefs nur noch verwalten

Wenn alte Chefs nur noch verwalten

Deutsche Unternehmen stehen wohl vor einem großen Problem – die Chefetage wird immer älter und investiert immer weniger in die Zukunft des Geschäfts. KPMG-Experte Harald v. Heynitz rät, frühzeitig ein Führungsteam zu etablieren, in dem sich auch jüngere Menschen mit unterschiedlichen Kompetenzen befinden.

Ansprechpartner

Partner, Head of Industrial Manufacturing, Audit

KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft

Kontakt

Verwandte Inhalte

älterer Businessman

Wie eine Studie der staatlichen Förderbank KfW zeigt, sind bereits heute mehr als 1,3 Millionen Firmeninhaber 55 Jahre oder älter. Wie es aus der Studie heißt, sinkt mit steigendem Alter die Investitionsbereitschaft. Die KfW warnt davor, dass der künftige Geschäftserfolg durch die fehlenden Investitionen massiv gefährdet werde. „Weil ältere Chefs wesentlich seltener investieren, droht vielen kleinen und mittleren Unternehmen ein Verlust an Wettbewerbsfähigkeit“, sagte KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner „Spiegel Online“.

„Um der mit steigendem Alter sinkenden Investitionsbereitschaft zu begegnen sollte sich ein Gesellschafter-Geschäftsführer mit einem Führungsteam umgeben. In diesem Team sollten zum einen Markt-, IT-, Produktions- und Innovationskompetenz vertreten sein und zum anderen jüngere Mitarbeiter“, sagt v. Heynitz. Es nur logisch, dass jüngere Mitarbeiter mitunter viel vertrauter mit Innovationen oder neuen Marktanforderungen sind, als es zum Beispiel viele ältere Firmeninhaber sind, so v. Heynitz weiter. „Das gilt aber nicht für alle Chefs. Es gibt natürlich auch diejenigen, die auch im Alter immer noch dazulernen wollen und sich neue Dinge für das Wohl ihres Geschäfts überlegen“, erklärt v. Heynitz.

Morgen ist ein anderer Tag

Wie es aus der KfW-Studie weiter heißt, lag das Durchschnittsalter der Chefetagen im Mittelstand im Jahr 2002 noch bei 45 Jahren. Heute sind es 51 Jahre. Von den Firmeninhabern, die bereits älter als 60 sind, ist laut der KfW nur noch jeder Dritte bereit, Geld in die Zukunft des Unternehmens zu stecken. „Eine zentrale Ursache für die abflauende Investitionsbereitschaft älterer Unternehmer ist deren kurzer Planungshorizont, die Risikobereitschaft sinkt. Rückt ein Inhaber näher an das Rentenalter heran, besitzen viele Vorhaben eine aus seiner Sicht zu lange Amortisationsdauer. Das gilt umso mehr für alle längerfristig finanzmittelbindenden – dafür aber auch wettbewerbsstärkenden – Zukunftsinvestitionen“

„Gerade die jüngeren Mitarbeiter können und sollen den Inhaber auch vom Nutzen längerfristiger Investitionen überzeugen. Ein weiterer Vorteil eines solchen Teams ist, dass der Inhaber einen möglichen Nachfolger in diesem Team identifizieren kann, der in der Lage ist, sein Lebenswerk fortzuführen“, so v. Heynitz weiter. Von Heynitz berät vorranging DAX-Konzerne. Aus seiner Erfahrung weiß er, dass in derart großen Strukturen rund 50 bis 150 Mitarbeiter beschäftigt sind, die beobachtet werden und später den Chefposten übernehmen könnten.

Arbeitsplätze in Gefahr

Die Investitionsmüdigkeit der Chefs könnte irgendwann auch Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt in Deutschland haben – nämlich dann, wenn sie durch die fehlende Investitionsbereitschaft nicht mehr wettbewerbsfähig sind. „So können wir unseren bisherigen Wohlstand nicht halten“, warnt Zeuner. Muss die alternde Chefriege für die Notwendigkeit von Investitionen zu sensibilisieren, rät Zeuner unter anderem zu Modellen, die die Altinhaber durch künftige Renditen weiter an den Umsätzen des Unternehmens beteiligen.

Redaktion: Moritz Ballerstädt

KPMG International erbringt keine Dienstleistungen für Kunden. Keine Mitgliedsfirma ist befugt, KPMG International oder eine andere Mitgliedsfirma gegenüber Dritten zu verpflichten oder vertraglich zu binden, ebenso wie KPMG International nicht autorisiert ist, andere Mitgliedsfirmen zu verpflichten oder vertraglich zu binden.

So kontaktieren Sie uns

 

Angebotsanfrage (RFP)

 

Absenden

KPMG's neue digitale Plattform

KPMG's neue digitale Plattform