Saubere Energie aus Atomkraft?

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Atomkraft

23Kein anderer Rohstoff im Energiebereich hat eine so hohe Ausbeute pro Masseeinheit und Flächenleistungsdichte wie die Atomkraft. So gesehen, ist diese sehr energieeffizient – „sauber“ in Bezug auf ihre Abfälle ist sie jedoch nicht. Aus diesem Grund investiert zum Beispiel Bill Gates in innovative Ideen wie den Laufwellen-Reaktor, welcher den Abfall „normaler“ Kernreaktoren verbrennt und in Energie verwandelt. Besonders in Asien erlebt aber auch der konventionelle Reaktorbau eine wahre Renaissance, trotz Fukushima. Deutschland hat der Atomtechnologie hingegen abgeschworen – unerwartet schnell nach Jahrzehnten eines erbitterten Glaubenskriegs. Kenner der Materie waren darüber überrascht. Vor dem Hintergrund der neuen KPMG-Studie „Energy – Quo Vadis?“ haben wir Experten befragt, wie sie die aktuelle Lage und Zukunft der Energiebranche sehen. Für Anke Hüneburg, Geschäftsführerin des Fachverband Energietechnik im Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie e.V. (ZVEI), wird der Energiesektor zukünftig von Dezentralität und dem Streben nach Energieeffizienz geprägt sein. Der Atomausstieg hingegen kam auch für sie überraschend.

Welche Entwicklungen in der europäischen Energiebranche der vergangenen zehn Jahre haben Sie vorhergesehen? Und welche nicht?

Anke Hünenburg: Einen Trend in Richtung mehr erneuerbare Energien habe ich erwartet. Doch ich war überrascht, wie rasant diese Entwicklung war. Überrascht hat mich auch, dass wir nach Fukushima in Deutschland so schnell endgültig aus der Atomkraft ausgestiegen sind, nachdem uns diese Diskussion um Ausstieg oder Wiedereinstieg so viele Jahre beschäftigt hat.

Wie schätzen Sie die Transformation im Energiesektor ein?

Hünenburg: Nicht nur in Deutschland und Europa, sondern weltweit stehen wir in einem Prozess der Energiewende, hin zu mehr Dezentralität und Energieeffizienz. Für Deutschland sehe ich da eine riesige Chance, Vorreiter zu sein, Technologien zu entwickeln und zu erproben, die dann auch im Export erfolgreich sind.

Was sind die wichtigsten Treiber dieser Veränderungen?

Hünenburg: Haupttreiber sind aus meiner Sicht der Klimaschutz, also die Treibhausgasreduktion, und eine stärkere Unabhängigkeit von Energie- und Rohstoffimporten.

Bewerten Sie den Umbruch in der Energiebranche als historisch?

Hünenburg: Es ist defintiv ein Systemwandel. In unserem bisherigen, historisch gewachsenen System, wird elektrischer Strom zentral erzeugt und nach unten verteilt. Mit der stärkeren Dezentralität kehrt sich das genau um. Natürlich wird es auch auf absehbare Zeit noch zentrale Kraftwerke geben, doch der Trend zu mehr dezentraler Erzeugung und Versorgung, zu mehr erneuerbaren Energien ist eindeutig. Und ich halte das für unumkehrbar.

Wie sollte sich die Branche aufstellen, um mit diesem Wandel umzugehen? Welche Geschäftsmodelle halten Sie für erfolgversprechend?

Hünenburg: Für die Energiewirtschaft sind diese Veränderungen eine riesige Herausforderung, weil mit dem Bedeutungsverlust der zentralen Versorgung auch die bisherigen Geschäftsmodelle nicht mehr funktionieren. Doch wenn die Energiewirtschaft dezentrale Lösungen anbietet und ihre Kunden in diesem Bereich unterstützt, kann sie auch die Chancen der Energiewende nutzen. Mit der zunehmenden Dezentralität braucht es viel mehr Intelligenz im System. Hier liegen viele Chancen für die Geschäftsmodelle der Zukunft.

Was erwarten Sie von der Politik?

Hünenburg: Gift ist ein politischer Zick-Zack-Kurs, beispielsweise rückwirkende Änderungen bei der Förderung erneuerbarer Energien, wie wir das in einigen europäischen Ländern gesehen haben. Wir wissen  zwar, dass die Politik meist in Legislaturperioden denkt, doch für Zukunftsinvestitionen brauchen wir Verlässlichkeit. Das jetzige Energiekonzept der Bundesregierung sollte den Rahmen für die kommenden Jahre setzen, über Wahlperioden hinaus. Dass die Politik im Detail nachsteuert, ist vernünftig, doch die Leitplanken der Energiewende sollten unverändert bleiben.

Und wo stehen Sie, wo steht der ZVEI nach der überübernächsten Wahlperiode, im Jahr 2035?

Hünenburg: Energieeffizienz wird für unsere Unternehmen ein Erfolgsfaktor sein, davon bin ich fest überzeugt.

Über Anke Hünenburg:

Dipl.-Ing. Anke Hüneburg ist Leiterin im Bereich Energie und Geschäftsführerin des Fachverbands Energietechnik im ZVEI – Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie e.V. Vor 2010 war sie Abteilungsleiterin Netzwirtschaft beim BDEW und hatte verschiedene Führungspositionen in der Elektrizitätswirtschaft inne.

 

Disclaimer: Die Ansichten und Meinungen in Gastbeiträgen sind die des Interviewten und entsprechen nicht unbedingt den Ansichten und Meinungen der KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft. 

Neue KPMG-Studie „Energy – Quo Vadis?“

Neue Energieformen, komplexe Regularien, zunehmender Investitionsbedarf – der Energiesektor steht weltweit vor enormen Herausforderungen.

 
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