Preisverfall in den Rohstoffmärkten strategisch nutzen

Preisverfall in den Rohstoffmärkten strategisch nutzen

In vielen Rohstoffmärkten sind die Preisniveaus aktuell so niedrig wie seit Jahren nicht mehr. Das gilt für die meisten Rohstoffarten, zum Beispiel für Soft Commodities wie Arabica Coffee und Zucker, aber auch für Basismetalle wie Kupfer und Nickel oder das Edelmetall Silber, sowie für die in der Presse besonders im Fokus stehenden Ölsorten Brent und WTI mit den zugehörigen petrochemischen Produkten.

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Obwohl sich einige Rohstoffe von ihren absoluten Tiefstständen kurz nach dem Jahreswechsel bereits wieder erholt haben, bieten sich hier im Vergleich zu den vergangenen Jahren immer noch günstige Niveaus sowohl in den Spotmärkten als auch in den zugehörigen Terminmarktpreisen. Für eine Vielzahl der deutschen Unternehmen bedeutet dies trotz der Euro-Schwäche bei guter Auftragslage günstige Einkaufspreise und damit sinkende Ausgaben auf der Rohstoffseite. Nach dem gerade überstandenen Schock der negativen Bewertungsergebnisse der Derivate bzw. einem möglichen Abwertungsbedarf bei den Vorräten und auftretender Rückstellungsbedarfe zum Jahresabschluss vieler Unternehmen richtet sich der Blick in den letzten Monaten langsam wieder nach vorn.

 

Die niedrigen Preisniveaus bieten aktuell die Chance, sich niedrige Kosten langfristig zu sichern. Dazu können Derivate abgeschlossen werden, die als Sicherungsinstrumente für die niedrigen Kosten in der Zukunft sorgen. Dabei werden möglicherweise höhere Einkaufspreise in kommenden Geschäftsjahren durch positive Ergebnisse aus den Derivatepositionen kompensiert. In Summe ergibt sich dann der gesicherte günstige Beschaffungspreis. Dieser Kostenvorteil kann in der Folge zur Verbesserung der Wettbewerbssituation und damit zur Steigerung von Marktanteilen eingesetzt werden oder bei unveränderter Marketing- und Pricing-Strategie für die eigenen Produkte zu einer verbesserten Ertragslage führen. So lassen sich strategische Unternehmensziele durch den Einsatz von Derivaten auch langfristig unterstützen.

 

Dagegen besteht allerdings auch das Risiko, bei weiter fallenden Preisen im Vergleich zu Wettbewerbern auf höheren Kosten sitzen zu bleiben. Die optimale Vorgehensweise lässt sich nur durch eine nachhaltige Analyse unter Berücksichtigung der Vertriebsstrategie sowie markt- und unternehmensspezifischer Rahmenbedingungen in den Hauptabsatzmärkten beantworten. In der Ausgangssituation sollten dabei die Chancen zur Erreichung der mittel- bis langfristigen Unternehmensziele die möglicherweise kurzfristig auftretenden Risiken überwiegen, das heißt insbesondere im Fall weiter sinkender Preisniveaus sollte der negative Effekt einer im Vergleich zum Wettbewerb höheren Kostenbasis ohne Weiteres tragbar sein. Zum Beispiel könnte der Kostenvorteil nur auf bestimmten Märkten eingesetzt werden, um einen Mitbewerber vom Markt zu drängen. Oder ein wichtiger Signalpreis kann über einen längeren Zeitraum hinweg gehalten werden, als es den Mitbewerbern möglich ist und dadurch ein überproportional höherer Marktanteil generiert werden.

 

Die seitens KPMG in den vergangenen Jahren durchgeführten Projekte im Rohstoffbereich zeigen, dass sich Unternehmen immer dann durch besonders zeitnahe und fundierte Entscheidungen einen Wettbewerbsvorteil verschaffen können, wenn folgende Voraussetzungen gegeben sind:

 

Das Unternehmen verfügt aufgrund seiner Marktposition über gute Voraussetzungen, um eine korrekte Markteinschätzung vornehmen zu können. Es ist lange Jahre in dem Markt tätig und beschäftigt erfahrene und kompetente Mitarbeiter im Analysebereich.

Das Unternehmen besitzt eine gewisse Marktmacht, um Preisentwicklungen früher vorhersehen zu können als andere Marktteilnehmer, insbesondere die Mitbewerber.

Die zugehörigen Entscheidungsprozesse sind organisatorisch klar und transparent vorgegeben. Wenn vom Erkennen der Chance bis zur Entscheidungsfindung zu viel Zeit vergeht, kann die Chance, am Markt langfristige strategische Positionen einzugehen, schnell vertan sein.

Das Unternehmen besitzt Strukturen, um im Fall negativer Entwicklungen Verluste rechtzeitig einzugrenzen, zum Beispiel um im Vorfeld bereits einen Stop-Loss zu definieren und durchzusetzen.

 

Es stellt sich den Finanzvorständen in solchen Entscheidungssituationen die konkrete Frage, wie die niedrigen Preise durch welche Derivate bzw. Derivatekombinationen abgesichert werden sollen und welche Implikationen sich daraus ergeben können. Dazu müssen auch die prozessualen und organisatorischen Voraussetzungen gegeben sein, um die Entscheidung für eine langfristige Positionierung zeitnah umsetzen zu können. Hierbei kommt dem Treasury eine zentrale Rolle zu. Prozesse, Kontrollen, IT und Reporting müssen ebenso wie die Bewertungs- und Accounting-Logiken vorbereitet und etabliert sein, um eine effiziente Handhabung der Hedge-Geschäfte, aber auch das zugehörige Risikomanagement leisten zu können. Nur so kann das Treasury im aktuellen Marktumfeld seinen Auftrag als interner Dienstleister für diesen Zweck optimal erfüllen.

 

Quelle: KPMG Corporate Treasury News, Ausgabe 42, April 2015

 

Autor: Bardia Nadjmabadi, Senior Manager, bnadjmabadi@kpmg.com

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