Mit Vorsicht, Verschwiegenheit und Vertrauen

Mit Vorsicht, Verschwiegenheit und Vertrauen

Das Wachstum von Family Offices ist ungebremst. Anstatt das Geld zu Banken zu geben, lassen wohlhabende Privatpersonen ihr Vermögen von exklusiven Büros steuern. Eine neue Studie hat jetzt das Leistungsspektrum, Anlageverhalten und die Anlagestrategie von Family Offices analysiert.

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Vorsicht, Verschwiegenheit, Vertrauen

Das Bier hat ihn reich gemacht: Edward Guinness, der erste Earl von Iveagh, ist 1886 der wohlhabendste Mann Irlands. Sein Vermögen will er bestmöglich erhalten und vermehren. Deshalb gründete er eines der ersten Family Offices der Welt, das Investmenthaus Iveagh – heute eines von rund 4.000 Service-Anbietern dieser Art in Europa. Ihre Aufgabe: das Vermögen wohlhabender Privatpersonen verwalten.

Kapitalerhalt für Unternehmerfamilien

Aktuell erleben Family Offices eine Neugründungswelle. Ihr Anlageziel ist meist der Kapitalerhalt. Das zeigte auch die Finanzmarktkrise 2008, durch die die Family Offices mit ihrer Anlagestrategie deutlich besser gekommen sind als bankeigene Vermögensverwaltungen. So lassen viele wohlhabende Familien ihr Vermögen von den exklusiven Büros steuern. Denn gerade im Umfeld extrem niedriger Zinsen, ist es schwierig neue Renditequellen zu erschließen.

Die Befragung von 92 deutschsprachigen Family Offices wurde vom Bayerischen Finanz Zentrum (BFZ) e.V. gemeinsam mit der Complementa Investment-Controlling AG durchgeführt. Die KPMG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft ist Partner der Studie. „Die steigende Anzahl der mitwirkenden Family Offices an der nunmehr 4. Family Office Studie zeigt: In Zeiten sich ständig verändernden Bedingungen auf den Finanz- und Kapitalmärkten suchen auch die Akteure in diesem eher sensiblen Bereich des Finanzmarktes Benchmarks. Diese Studie liefert dies in anschaulicher Weise,“ sagt Christoph Kneip, Bereichsvorstand für Familienunternehmen bei KPMG.

Anlageklasse Aktien

„Viele Family Offices wollen laut der Untersuchung die Anlageklasse Aktien ausbauen. Investitionen in nicht börsennotierte Unternehmen werden vermehrt als Anlagelösung gewählt“, erklärte Kay Klöpping, Partner von KPMG, bei der Vorstellung der BFZ_Complementa Studie in München. Dies stimme auch mit den Ergebnissen einer Studie von KPMG überein, die spezifisch die Investition in Familienunternehmen zum Gegenstand hatte.

Gut 30 Prozent der Befragten der BFZ_Complementa Studie sind Single Family Offices und knapp 70 Prozent Multi Family Offices. Single Family Offices bedienen nur eine Familie, Multi Family Offices kümmern sich um mehrere Familien. 27 Prozent der befragten Multi Family Offices betreuen Vermögen über einer Milliarde Euro. Laut Befragung haben die Dynastien ihre Vermögen in verschiedenen Branchen erwirtschaftet: In der Industrie mit rund 55 Prozent, gefolgt vom Handel mit 36 Prozent und dem Finanzbereich mit 34 Prozent. Fast die Hälfte der Vermögensinhaber hat das Vermögen zumindest in Teilen geerbt.

Die Kunden, die ihr Vermögen von europäischen Family Offices managen lassen, sind laut der Studie weltweit zu Hause. Bei der Standortwahl für die Vermögensverwaltung steht bei den befragten Family Offices die Schweiz an der Spitze, gefolgt von Deutschland.

Im Sinne des Patriarchen

Family Offices sind ganz zu Diensten ihrer Kunden, denn sie agieren rein aus der Perspektive der Vermögensinhaber und erfüllen ausschließlich deren Anlagewünsche. Sie sind oft durch den unternehmerischen Hintergrund eines Patriarchen geprägt. Trotzdem haben die Vermögensverwalter dabei viele Freiheiten, denn sie unterliegen nicht denselben regulatorischen Vorschriften wie Pensionskassen und Stiftungen. Es gibt sehr spezielle Family Offices, die bis zu 80 Prozent ihres Vermögens nur in Immobilien angelegt haben oder bis zu 80 Prozent in Aktien. Geprägt durch die Entwicklungen der letzten Jahre sind eine Vielzahl von Family Offices eher risikoneutral aufgestellt. Risikoreiche Assets können sie schnell verkaufen.

Mit Weitblick investieren

Prof. Dr. Bernd Grottel, Partner, KPMG, erläutert: „Family Offices verstehen sich als Treuhänder der Familien. Sie tragen zum Vermögenserhalt über Generationen bei. So überrascht nicht, dass nur 4 Prozent der Single Family Offices sich als risikofreudig bezeichnen. Damit Familien mit ihren Family Offices auch die gesteckten Ziele erreichen, müssen rechtliche und steuerliche Fragen immer berücksichtigt werden.“

Deshalb ist das Vertrauen in den Verwalter der wichtigste Aspekt des Family Office Geschäfts. Denn eine langfristige Anlagestrategie soll das Geld auch für die nächsten Generationen sichern. Das hatte auch Edward Guinness im Sinn, als er Iveagh gründete.

Bei Interesse an der BFZ_Complementa Studie wenden Sie sich an Prof. Dr. Bernd Grottel.

 

Redaktion: Melanie von Marschalck

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