Wenn Frauen über Digitalisierung und Raumfahrt sprechen

Wenn Frauen über Digitalisierung und Raumfahrt sprechen

Vergangene Woche trafen sich erfolgreiche Unternehmerinnen und Managerinnen aus der ganzen Welt in Berlin zur Global Female Leaders-Konferenz. Ihr Ziel: Sich über die wirtschaftlichen Herausforderungen und Themen und Trends auszutauschen. Angelika Huber-Straßer, KPMG-Bereichsvorstand Corporates, diskutierte vor Ort mit. Im Interview erklärt sie, wie und warum Frauen den zukünftigen Wandel mitgestalten sollten.

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Frau Huber-Straßer, Sie haben auf der Global Female Leaders-Konferenz die Diskussionsrunde „The role of female leaders in restoring credibility“ moderiert. Was bewegte die Teilnehmerinnen dieser Diskussion besonders?

Huber-Straßer: Ganz eindeutig die Erkenntnis, dass die Herausforderungen unserer Zeit wie Globalisierung und Digitalisierung nur mit gemischten Teams gelöst werden können. Dies erfordert einen Bewusstseinswandel bei Frauen und Männern. Und auch die Erkenntnis, dass wir mehr Frauen in Führungspositionen brauchen. Und die bekommen wir nur dann, wenn Männer und Frauen kollaborieren. Am Ende des Tages müssen die Männer erkennen, welche Fähigkeiten Frauen mitbringen und dass Mixed Teams innovativer und schlicht erfolgreicher sind.

Über Mixed Teams reden wir aber schon sehr lange. Trotzdem verändert sich nicht so viel, oder?

Huber-Straßer: Das ist eine Frage der Perspektive – global sehen wir viele Veränderungen. Diese Konferenz ist der beste Beleg. Hier kommen starke Frauen zusammen, die Führungspositionen in der Türkei, in Indien, Brasilien und China erfolgreich besetzen. In Deutschland haben wir da noch Nachholbedarf, insbesondere bei den Top-Führungspositionen. Interessant finde ich auch den Ansatz des 30% Clubs aus UK.

In dieser Initiative haben sich die CEO der großen börsennotierten Unternehmen des Landes zusammengeschlossen und freiwillig verpflichtet, ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis in den Spitzenpositionen ihrer Unternehmen zu fördern. Und das mit Erfolg. Denn der Wandel wird nicht von unten oder von den Frauen getrieben, sondern von den CEOs der großen Konzerne. Letztlich entsteht so ein produktiver Wettbewerb zwischen den Unternehmen.

Helena Morrissey, Finanzmanagerin und Gründerin des 30% Clubs, hat daher auch mit einem Schmunzeln berichtet, dass kein CEO in Großbritannien der Letzte sein möchte, der keine Frau im Aufsichtsrat hat – und darüber hinaus, denn: „the board is a start not the end“.

Frau und Technik – in Deutschland ist diese Kombination nicht immer positiv belegt? Wie erfolgreich werden Frauen den digitalen Wandel mitgestalten?

Huber-Straßer: Das ist eine interessante Frage. Wir sehen derzeit, dass insbesondere im Silicon Valley Frauen weniger häufig Führungspositionen bekleiden als in anderen Teilen der USA. Lediglich 11 Prozent der Führungsposten und nur rund 20 Prozent der Softwareentwicklerstellen sind dort mit Frauen besetzt. In der Forbes Liste der 100 führenden Technology-Investoren befinden sich nur vier Frauen.

Zusätzlich wird Frauen der Start in eine Unternehmung erschwert. Männliche Gründer haben dagegen kaum Probleme – sie bekommen bei gleichem Business Case und Pitch 60 Prozent eher eine Finanzierung von Angel Investoren. Hier gibt es noch viel zu tun, wenn wir die Welt von Morgen aktiv mitgestalten wollen. Insbesondere müssen wir bei den jungen Mädchen die Begeisterung für Technik stärken.

Ein Ratschlag von Ozlem Denizman – einer erfolgreichen, jungen Managerin aus der Türkei – war, dass erfolgreiche Frauen mehr „nein“ sagen sollten als „ja“ oder „vielleicht“. Wie ist das bei Ihnen selbst? Sie sind eine erfolgreiche Frau. Würden Sie sagen, Sie sind jemand der viel „nein“ sagt?

Huber-Straßer: Ich müsste mehr „nein“ sagen. Dahingehend habe ich noch Entwicklungspotenzial. Ich glaube schon, dass Frauen zu viele Aufgaben – oder in den Augen der Kollegen unwichtige Aufgaben – eher annehmen. Oder sie konzentrieren sich auf Projekte aus dem sozialen Bereich, entwickeln eine Empathie dazu und konzentrieren sich dadurch weniger auf die wichtigen strategischen Aufgaben, die sie in ihrer Karriere befördern würden.

Abschließend noch eine allgemeine Frage zur Veranstaltung „Global Female Leader Summit“: Würden Sie sagen, eine Konferenz wie diese ist wichtig für den besagten Bewusstseins- und Kulturwandel?

Huber-Straßer: Ja, absolut. Der Gewinn ist neue Frauen kennen zu lernen, die sehr inspirierend sind – auch neue Ideen, andere Unternehmen und andere Länder. Das macht diese Veranstaltung so spannend. Ich finde es auch schön, mit Frauen über Business-Themen diskutieren zu können, weil neue Aspekte zur Sprache kommen.

Weil die Art der Diskussion eine andere ist?

Huber-Straßer: Ja, weil sowohl die Art der Diskussion und die Themen eine andere Gewichtung erfahren – und weil es nicht um Fußball oder die PS-Zahl meines Autos geht.

Glodal Female Leaders 2016

The Global Female Leaders Summit brings together high-achieving leaders from all over the world. It gives focus to new ways of thinking.

 
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