Währungsmanagement - FX-Effekte trotz Währungsmanagement: wie kann das sein?

FX-Effekte trotz Währungsmanagement: wie kann das sein?

Die Verwerfungen am Devisenmarkt (u.a. Abwertung des Rubel, Aufwertung des Schweizer Franken) sowie die schwelende „Grexit“-Diskussion haben die Aufmerksamkeit der Unternehmensleitung auf das Währungsmanagement deutlich erhöht. Auch wenn das Währungsmanagement heute für viele Corporate Treasury-Abteilungen ein seit Langem etablierter Aufgabenbereich mit entsprechenden Regelwerken, Prozessen und Methoden ist, so stellt sich immer wieder die Frage, warum trotz eines Währungsmanagements teilweise signifikante Währungseffekte auftreten?

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Der Fokus der Tätigkeiten der Treasurer liegt heute deutlich auf der Steuerung des Transaktionsrisikos. So ist etwa in vielen Risikomanagement-Richtlinien eine Betrachtung des Translationsrisikos als „nicht Gegenstand der Steuerungsaktivitäten des Treasury“ definiert und somit klar ausgegrenzt. Auch das ökonomische Risiko wird häufig als Gegenstand der übergeordneten Unternehmensstrategie angesehen und seitens des Treasury nicht betrachtet. Diese „künstlichen“ Beschränkungen des Wirkungsraums des Treasury führen dazu, dass in Unternehmen wesentliche Elemente des Währungsmanagements nicht gesteuert und überwacht werden – inklusive der sich hieraus ergebenden Effekte.

Zielsetzung des Treasury muss es daher sein, eine integrierte End-to-end-Betrachtung des Währungsmanagements im Konzern anzustreben.

Im Folgenden sollen anhand einer beispielhaften Entscheidungssituation die Merkmale eines integrierten Ansatzes im Bereich Währungsmanagement aufgezeigt werden: Hierbei wird der Zukauf einer Sparte gewählt, die am Markt eigenständig auftreten soll und innerhalb der Unternehmensgruppe voll konsolidiert wird.

Zunächst sind seitens des Treasury in einer strategischen Analyse die folgenden Fragen zu beantworten:

  • In welchen Währungsräumen agieren die neue Sparte sowie deren wesentliche Wettbewerber (u.a. Kosten, Umsatz)?
  • In welchen konkreten Währungsrelationen bestehen Risikopositionen?
  • Welche Elemente des Steuerungsmodells des Konzerns bzw. der Sparte beruhen auf währungssensitiven Treibern (u.a. KPIs, Bilanzkennzahlen, Finanzierungsziele, Ziel-Rating)?

Auf Basis der Analyseergebnisse kann beispielsweise eine Anwendung der allgemeinen Währungsmanagementstrategie des Konzerns auch für die neue Sparte bestätigt werden (z.B. Risikoreduktion vorwiegend durch „Natural Hedge“). Und es kann damit vermieden werden, dass unbeabsichtigt eine hinsichtlich des ökonomischen Risikos kontra-effektive Steuerung des Wechselkursrisikos im kurzfristigen Bereich erfolgt. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn das Hedging zu einer im Vergleich zum Wettbewerb ungünstigen Fixierung von Margen führt (also durch das Hedging von Transaktionsrisiken zusätzliche ökonomische Risiken entstehen).

 

Ferner sollte hinsichtlich des Translationsrisikos berücksichtigt werden, welche funktionale Währung in der Sparte festgelegt ist. Auswirkungen aus Umrechnungseffekten im Rahmen der Konsolidierung auf Bilanz- und Finanzkennzahlen (insbesondere auch Rating und Financial Debt Covenants) lassen sich dann eindeutig ableiten. Auf dieser Basis kann das Treasury dann analysieren, ob gegebenenfalls eine aktive Absicherung des Translationsrisikos für einzelne Bilanzperioden vorteilhaft erscheint (zum Beispiel durch Einsatz von Average Rate Forward-Kontrakten). Das Ergebnis ist gegenüber der Unternehmensleitung transparent zu machen und die entsprechenden Handlungsmöglichkeiten und Risiken aufzuzeigen.

 

Im Rahmen der Steuerung des Transaktionsrisikos ergibt sich die Anforderung, die Transaktionsrisiken aus dem laufenden Geschäftsbetrieb der Sparte in die bereits bestehende Währungsstrategie des Konzerns einzubinden. Basis hierfür ist eine exakte, regelmäßige Erhebung und Validierung der Transaktionsrisiken der Sparte. Daneben ist zu hinterfragen, ob die Rahmenbedingungen der Sparte zutreffend sind, um die Steuerungsstrategie des Konzerns für Transaktionsrisiken auf die Risikopositionen der Sparte anzuwenden (u.a. funktionale Währung, relevante Währungsrelationen, Risikohorizont, Preisüberwälzungsmöglichkeiten). Es ist eine trügerische Sicherheit, in der sich viele Treasurer wähnen, in der eine auf einer unvollständigen Informationsbasis ausgerichtete Währungsstrategie zu unliebsamen Überraschungen führen kann.

 

Aus dem Beispiel wird ersichtlich, dass sich aus der Entscheidungssituation heraus weitere, teils signifikante Fragestellungen hinsichtlich der Steuerung des Währungsrisikos ergeben. Dieser sollte sich das Treasury annehmen, da die Themen miteinander in Beziehung stehen. So führen beispielsweise Hedging-Aktivitäten für Translationsrisiken in der Regel zu zusätzlichen Risikopositionen im Bereich der Transaktionsrisiken. Umgekehrt beeinflusst die Steuerung der Transaktionsrisiken die im Bereich der Translationsrisiken zu steuernden Kennzahlen (zum Beispiel Sicherung von geplanten Transaktionen). Ein integriertes Risikoberichtswesen, das entsprechende Aspekte aus den genannten Themenstellungen adressiert und damit Transparenz schafft, führt die Risikobereiche im Währungsmanagement zusammen.

 

In Summe bietet das Währungsmanagement dem Treasury die (eigentlich verpflichtend aufzugreifende) Chance, sich mit kompetenten Analysen in strategische Entscheidungen einzubinden und damit die Bedeutung und auch die Wertschöpfung des Treasury unter Beweis zu stellen.

 

Mehr zu diesem Thema erfahren Sie auch in unserem Webinar am 30. April mit dem Titel „Währungsmanagement – Erfolgsfaktoren für eine effiziente Risikosteuerung“.

 

Autor: Stephan Plein, Senior Manager, splein@kpmg.com

Quelle: KPMG Corporate Treasury News, Ausgabe 41, März 2015

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