BEPS: Neue Berichtspflicht erfordert Strategie

BEPS: Neue Berichtspflicht erfordert Strategie

Die OECD geht bei der Bekämpfung von Gewinnkürzungen und grenzüberschreitenden Gewinnverlagerungen zu Lasten einzelner Staaten mit großen Schritten voran (englisch „Base Erosion and Profit Shifting“ – kurz: BEPS). Ein Bestandteil des neuen Programms ist die Einführung eines sogenannten Country-by-Country Reportings (CbCR) in den beteiligten OECD- und G20-Staaten. Die Finanzminister wollen so erreichen, dass multinationale Konzerne künftig melden, wie viel Steuern sie in welchem Staat gezahlt haben.

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Es geht um Transparenz: Mit dem neuen Reporting sollen international tätige Unternehmen dazu verpflichtet werden, die globale Verteilung ihres Umsatzes, Gewinns und der Steuerlast dem Finanzamt gegenüber offenzulegen. Die Verpflichtung schließt weitere Angaben, wie zum Beispiel die Anzahl der Arbeitnehmer sowie bestimmte Vermögenswerte und die Geschäftstätigkeit jeder einzelnen Konzerneinheit mit ein.

Das gläserne Unternehmen: Ab 2016 soll es losgehen

Die weltweit beteiligten Finanzbehörden bekommen durch die neuen Offenlegungspflichten Zugang zu deutlich mehr Informationen. Nach den Vorstellungen der OECD sollen die Berichtspflichten für ab 01. Januar 2016 beginnende Wirtschaftsjahre durch die nationalen Gesetzgeber umgesetzt werden. Demnach wäre der erste Bericht spätestens bis zum 31. Dezember 2017 einzureichen.

Damit stellt sich die Frage, was die Behörden mit der neuen Datenlage anfangen werden. Auch wenn die OECD bekundet, die Informationen nicht dazu nutzen zu wollen, die Gewinne für steuerliche Zwecke einmal global neu umzuverteilen, ist die Versuchung aus Sicht der vermeintlich benachteiligten Staaten groß.

Mehr Transparenz oder mehr Streit?

Es besteht die berechtigte Sorge, dass bei erhöhter Transparenz Meinungsverschiedenheiten darüber aufkommen werden, ob alle Länder einen fairen Anteil vom globalen Steuerkuchen abbekommen. Insbesondere ist zu befürchten, dass die lokalen Finanzbehörden das aggregierte Zahlenmaterial zur Bildung von Kennziffern nutzen, um darauf Argumentationen für eine Korrektur der Einkünfte zu stützen. Das könnten beispielsweise die effektive Cash-Steuerrate oder der Umsatz je Arbeitnehmer sein.

Dies verdeutlicht, dass das Reporting Raum für Fehlinterpretationen bieten wird. Damit steigt auch die Gefahr einer Doppelbesteuerung derselben Gewinne in verschiedenen Ländern. Um die Begehrlichkeiten der beteiligten Finanzbehörden im Zaum zu halten, sollen flankierend besondere Streitbeilegungsmechanismen zwischen den Staaten vereinbart werden. Die Praxis solcher Einigungsverfahren hat in der Vergangenheit jedoch gezeigt, dass das Procedere mühsam und langwierig ist und nur bedingt durch die Steuerpflichtigen beeinflusst werden kann.

Unternehmen müssen sich auf die neuen CbCR-Regeln vorbereiten

Die betroffenen Unternehmen sollten sich frühzeitig auf die neuen Herausforderungen einstellen. Im ersten Schritt sollten vorhandene Daten bzw. Datenquellen identifiziert und der dazugehörige Datensammlungsprozess bestimmt werden. Dies kann im Einzelfall komplex und zeitaufwändig sein. Es ist daher ratsam, gleich zu Beginn des Projekts andere Abteilungen, wie Accounting und IT einzubeziehen. Weiterhin hat es sich als effizient erwiesen, den Prozess durch den Einsatz von individuell zugeschnittenen Datenanalyseverfahren und/oder Analyse- und Auswertungstools zu unterstützen.

In einem weiteren Schritt ist die Auswertung und Risikoanalyse des Berichtsergebnisses zu empfehlen. Hierbei geht es darum, besondere Risikofelder zu identifizieren. Durch eine adäquate Dokumentation dieser Felder, kann das Risiko von Doppelbesteuerungen minimiert werden. Besonders wichtig wird es sein, auf eine widerspruchsfreie Darstellung im Vergleich zu anderen Materialien zu achten – beispielsweise mit Blick auf die Verrechnungspreisdokumentation, die aus dem „Master File“ und „Local File“ besteht.

Weichen für die Zukunft stellen

In allen Schritten spielt die materielle Auslegung der Begrifflichkeiten und bestehender Wahlrechte bei der Erstellung des Reports eine gewichtige Rolle. Diese können dazu genutzt werden, um auf das Reportbild Einfluss zu nehmen. Insbesondere mit Blick auf den ersten Report für 2016 müssen sich Unternehmen genau überlegen, wie sie bestehende Wahlrechte oder Interpretationsspielräume nutzen wollen. Denn hier werden Weichen gestellt, da die OECD für die Folgejahre eine konsistente Handhabung fordert.

Die Unternehmen, die anhand von Vergangenheitsdaten den Report frühzeitig simulieren und eine inhaltliche Analyse durchführen, sind im Vorteil – sie können eventuelle Engpässe im aufwändigen Datensammlungsprozess rechtzeitig aufdecken und adäquat auf bestehende Risikofelder reagieren.

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