Chinesen finden Sicherheit wichtiger als Statussymbole

Chinesen finden Sicherheit wichtiger als Statussymbole

Vor der Automesse in Shanghai erklärt China-Experte Mirko Hilsheimer, wohin sich der chinesische Automarkt entwickelt, warum deutsche Autobauer nicht mehr ohne Fernost auskommen und warum die Chinesen ihren eigenen Marken nicht trauen.

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Herr Hilsheimer, warum ist der chinesische Markt für deutsche Autobauer heute interessanter denn je?

Hilsheimer: Das ist eine ganz einfache Rechnung. Volkswagen verkauft heute jedes dritte Auto in China, Daimler setzt jedes vierte ab. Zudem bietet der Markt auch in Zukunft starkes Wachstumspotential in den Regionen außerhalb der sogenannten Tier 1 Städte. Hinzu kommt, dass die lokalen Marken einfach nicht auf die Beine kommen.

Car Sharing soll den Wunsch der Chinesen nach Mobilität unterstützen, was halten Sie von diesem Trend?

Hilsheimer: Das Thema Car Sharing steht in China noch ganz am Anfang und stellt für den chinesischen Kunden ein völlig neues Konzept dar. Bisher steht der Besitz eines eigenen Wagens klar im Vordergrund. Status ist hier ein nicht zu vernachlässigender Faktor. Was wir in China sehen, ist ein etwas anderes Sharing Konzept als wir es aus den europäischen Märkten kennen. Das Fahrzeug wird im Rahmen von Microrentals über wenige Stunden bis Tage ausgeliehen. Hierzu gibt es bereits einige Piloten verschiedener Hersteller in den Ballungszentren. Wir sprechen hier von einem B2B-Sharing, da meist Firmen in großen Bürogebäuden die Kunden sind, die Ihren Mitarbeitern diesen Service bieten. Das hier bekannte B2C-Sharing wird in China noch einige Zeit brauchen.

Was ist dann die Alternative zum Car Sharing?

Hilsheimer: Ganz oben steht sicherlich der Kauf eines Autos. Die Chinesen fragen hier lieber in der Familie, ob jemand ihnen das Geld für ein Auto leihen kann statt sich auf Sharing, Leasing oder Finanzierungsangebote zu berufen.

Haben europäische Investoren also einen Vorteil, da sie auch diese Mobilitätsprodukte kennen?

Hilsheimer: Ja und nein. Natürlich haben europäische Autobauer durch das Know-how viele Vorteile und verfügen zudem über die nötige Erfahrung. Sicher ist allerdings auch, dass chinesische Investoren mit allem, womit man Geld verdienen kann, eben dies versuchen werden. Als ausländischer Investor ist es absolut kritisch, einen starken Partner im Land zu finden und die lokalen kulturellen Unterschiede zu berücksichtigen.

Wie ist die Lage der deutschen Autobauer in China derzeit?

Hilsheimer: Die deutschen Autobauer haben eine sehr starke Position in China, vor allem im Premiumsegment. Sie müssen sich jedoch mit den bereits hohen und weiter steigenden Kundenanforderungen in China auseinandersetzen. Die großen Autobauer haben nicht umsonst Entwicklungszentren in China etabliert. Heute reicht es nicht mehr, ein Modell für Europa zu entwickeln und das dann einfach nach China zu exportieren. Vielmehr fließen die chinesischen Kundenanforderungen bereits in die Konzeptphase des Entwicklungsprozesses ein.

Aber im Prinzip geht es doch auch in China ums Autofahren, um Mobilität?

Hilsheimer: Ja, aber man muss die Bedürfnisse der chinesischen Kunden verstehen. Wir haben eine Untersuchung gemacht, vor der ich dachte, dass Status an erster Stelle der Kaufargumente kommt. Das war nicht richtig: Den chinesischen Kunden ist Sicherheit sehr viel wichtiger – erst danach kommt das Auto als Statussymbol. Das ist auch der Grund, warum es die chinesischen Marken so schwer haben. Ihnen wird nicht zugetraut, dass sie sichere Modelle auf die Straße bringen.

Diese Erklärung überrascht, haben Sie bereits Gründe ausgemacht?

Hilsheimer: Wir haben in den vergangenen 20 Jahren in China ein rasantes Wachstum erlebt, die Kultur bestand zu einem Großteil daraus, schnell und viel zu produzieren. Dies ändert sich nur sehr langsam, auch wenn Qualität wichtiger wird. Diese ist nach wie vor in den deutschen Automobilen sehr ausgeprägt.

Ist China womöglich der Vorreiter in Sachen Elektroauto?

Hilsheimer: Generell stellt sich die Frage, was aus dem Elektroauto wird. Die Prognose fällt hier sehr schwer. Wir sehen gerade, dass sich ein amerikanischer Autobauer in Teilen aus China zurückzieht. Es könnte also sehr viel schwieriger werden, das Elektroauto in China zu etablieren – so einfach, wie sich das die chinesische Regierung vorstellt, wird es jedenfalls nicht. Außerdem ist das auch eine Frage der Infrastruktur, die das Land wohl vor die größten Probleme stellt. Auf der anderen Seite hat China durch die zentrale Regierung einen sehr starken Hebel, gewisse Vorgaben entsprechend umzusetzen.

Das Gespräch führte Moritz Ballerstädt

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