Zukunft der Autobranche: Kampf der Ideologien

Zukunft der Autobranche: Kampf der Ideologien

Die digitale Welt ist nicht mehr genug, jetzt nehmen IT-Konzerne große Marken aus anderen Branchen ins Visier. Zwar sind die angedachten Produkte erst in einigen Jahren marktreif – oder nie, doch der erste Konflikt lodert bereits. Die ersten Fachkräfte aus der Autobranche wurden schon zu IT-Konzernen gelotst. KPMG-Experte Uwe Nowotnick empfiehlt, dass die deutschen Autohersteller bereits jetzt intensiv darüber nachdenken, wie sie kluge Köpfe halten.

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War for talents

Apple will ein gehöriges Wort im Autosektor mitsprechen. Wie es heißt, läuft unter dem Codenamen „Titan“ die Entwicklung am iCar. Doch weil beim Technologie-Giganten aus dem kalifornischen Silicon Valley wohl noch niemandem so richtig zugetraut wurde, dieses Auto Realität werden zu lassen, hat sich Apple-Chef Tim Cook kurzerhand bei einem aufstrebenden Autobauer bedient. Laut „Meedia“ sind bereits 50 Mitarbeiter vom E-Autobauer Tesla zu Apple gewechselt, insgesamt sollen 1000 Mitarbeiter mit der Aufgabe des iCar betraut worden sein.

Kurios: Tesla hatte sich zuvor mit Personal verstärkt – von Apple. Von den rund 6.000 Beschäftigten sollen mehr als 150 von Apple gekommen sein.

Wie es bei „Chip.de“ weiter heißt, wurde Marc Newson für das Design des neuen Apple-Cars angeheuert. In der Vergangenheit hatte er Konzept-Modelle für Autobauer Ford entwickelt.

„Die Mitarbeiter, die von Tesla zu Apple gegangen sind, sollen mit bis zu 60 Prozent mehr Gehalt gelockt worden sein. Einigen ist die Entscheidung daher nicht schwer gefallen, das Unternehmen zu wechseln. Verwunderlich ist, dass bisher noch keine großen Wechsel bekannt geworden sind“, erklärt KPMG-Experte Uwe Nowotnick.

Es scheint, als sei die Gefahr im Moment noch nicht sonderlich groß, der KPMG-Experte hat von den Mandanten in diese Richtung bislang nichts gehört – die Ruhe vor dem Sturm?

Mitarbeiter können über die Zukunft der Autobranche entscheiden

Die Anzeichen mehren sich, dass die Weichen für die Autoindustrie bereits jetzt gestellt werden. Die Autoindustrie setzt bislang immer noch den aktiven Fahrer in den Mittelpunkt, Apple, Google und Co. hingegen setzen auf den Computer. Bislang ist völlig unklar, ob der Fahrer überhaupt noch eingreifen kann. Wie die „Rheinische Post“ berichtet, sollen die Autos ohne Lenkrad oder Gaspedal auskommen.

Der Hintergrund: Den Autofahrern von morgen soll die Zeit zurückgegeben werden, die sie beim Fahren vergeuden.

Ob die Technologie-Konzerne erfolgreich in die Autowelt eintauchen können, darüber entscheiden zu einem erheblichen Teil die richtigen Mitarbeiter. Die etablierten Autohersteller müssen sich fragen, ob sie noch angesagte Arbeitgeber sind. Die Arbeitswelt bei den Softwarekonzernen unterscheidet sich grundlegend von der der Autobauer. Die Mitarbeiter werden bei den IT-Konzernen nicht nur mehr Zeit für alle Arten des Probierens, sondern auch mehr Freiheiten bekommen. Ein wesentlicher Grund: Das Auto gehört noch nicht zum Kerngeschäft.

Die Autobauer müssen jetzt reagieren

Wie aber stellen sich die deutschen Autobauer auf die drohende Abwerbe-Welle aus Übersee ein? „Wenn die großen IT-Konzerne tatsächlich ernst machen mit ihren Autoideen, ist es doch einleuchtend, dass sie sich mit Personal aus Ländern versorgen, in denen die Branche besonders stark ist – Deutschland ist da sicherlich ein Zielmarkt“, so Nowotnick weiter.

Doch ganz so einfach ist das Abwerben nicht: Laut Nowotnick spielen da mehrere Faktoren entscheidende Rollen. Nach wie vor finden sich kulturelle und sprachliche Barrieren. Die Arbeit in Kalifornien bedeutet ja auch den Umzug der Familie. Familienplanung ist ein wesentlicher Faktor. „Findet der Partner im neuen Land auch eine Anstellung? Wie steht es mit den Kosten der Ausbildung der Kinder? Wie mit dem Zugang zu Kultur? Das fragt sich der Umworbene doch zwangsläufig“, meint Nowotnick.

Dabei ist Prävention in dieser Phase des Mitarbeiterwechsels laut Nowotnick wohl die beste Lösung: „Die großen Autofirmen müssen jetzt reagieren und attraktive Pakete zusammenstellen, die die Arbeitnehmer überzeugen. Insbesondere werden sie wohl deutlich mehr tun müssen, um die Angehörigen ihrer Mitarbeiter einzubeziehen. Wenn diese sich als zur Autofamilie zugehörig fühlen, ist ein weiterer Anker geworfen. Auch die Themen Führung und Hierarchien spielen eine Rolle. Hier kann man die Unterschiede zwischen Old und New Economy gar nicht überschätzen. Steht allerdings ein Vertreter des IT-Konzerns bereits vor der Haustür, könnte es schon zu spät sein.“

Der „War for Talents“ hat bei Technologiekonzernen Tradition

Der Kampf um talentierte Mitarbeiter gehört besonders bei IT-Konzernen zum guten Ton. Google hatte einst einen Sternekoch eingestellt, der in der Kantine für die Mitarbeiter feine Mittagsmenüs zusammenstellte. Google-Boss Sergej Brin hatte noch weitere Maßnahmen getroffen, hatte Nannys für den Nachwuchs der Angestellten organisiert. Beim sozialen Dienst Facebook wird laut „t3n.de“ eine medizinische Grundversorgung angeboten. Dazu wird noch ordentlicher Lohn gezahlt, in den USA waren es 2013 laut „Business Insider“ durchschnittlich 107.000 Euro für Software-Entwickler – zum Einstieg. Ein Lichtblick: Apple, Google, Intel und Adobe haben sich laut „Spiegel Online“ darüber verständigt, künftig nicht mehr Mitarbeiter von der Konkurrenz abzuwerben.

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