Neue Bewerber-Skills gesucht: Mehr Strategie und IT!

Neue Bewerber-Skills gesucht: Mehr Strategie und IT!

Klaus Ott ist Partner im Geschäftsbereich Consulting Financial Services von KPMG in Frankfurt. Der studierte Wirtschaftsingenieur erläutert, warum das Beratungsgeschäft mit Finanzdienstleistern boomt und welche Karrierechancen sich hier bieten.

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Wird der Consulting Boom mit Finanzdienstleistern weitergehen oder ist langsam die Grenze erreicht?

Unsere  Einstellungsquote befindet sich immer noch auf konstant hohem Niveau. Wir suchen weiter motivierte Mitarbeiter –  in allen Bereichen. Ändern wird sich womöglich das gesuchte Skill Set.

Was meinen Sie damit?

Wenn sich das Skill Set verändert, dann hat das weniger mit dem Markt zu tun als mit unserer Aufstellung als KPMG. Wir treiben unsere strategische Ausweitung voran. KPMG kommt traditionell aus der Wirtschaftsprüfung. Wir möchten aber die Wertschöpfungskette stärker besetzen. Wir wollen stärker in die strategische Ausrichtung und Entwicklung von Geschäftsmodellen gehen aber auch in die technische Umsetzung und die IT-Strukturen. Daher suchen wir inzwischen mehr Mitarbeiter, die sich in Strategie- oder IT-Themen auskennen.

Welche Voraussetzungen müssen Einsteiger für eine Karriere bei KPMG mitbringen?

Wir suchen relativ breit gefächert. Ein Klassiker ist natürlich die Betriebswirtschaftslehre, besonders mit Studienvertiefungen wie internationale Rechnungslegung, Risiko- oder Prozessmanagement. Da suchen wir in der Wirtschaftsprüfung traditionell stark. Im Consulting spielen zudem erfahrene Risikomanager eine besondere Rolle. Aus diesem Grund haben wir im August 2013 die Professionals Lounge initiiert – unser Recruitingportal für Kandidaten mit Berufserfahrung.

Wie kommt ein eher mathematisch-naturwissenschaftlichen Kandidaten-Background an?

Wir haben tatsächlich viele Physiker, Wirtschaftsmathematiker, reine Mathematiker, Wirtschaftsingenieure oder Volkswirte mit Statistikschwerpunkt. Etwa 10 bis 15 Prozent unserer Mitarbeiter kommen aus dieser Richtung. Wir beschäftigen aber auch Wirtschaftsjuristen und Voll-Juristen für die Regulatorikseite.

Welche Noten, Sprachkenntnisse und Praktika muss ein Kandidat mitbringen?

Einen guten Studienabschluss sollte ein Bewerber schon vorweisen können. Einschlägige Praktika sind immer hilfreich. Einschlägig bedeutet, dass es in den Branchen beziehungsweise Unternehmen erfolgt sein sollte, die wir beraten – also bei Banken, Versicherungen, Kapitalanlagegesellschaften oder Industrieunternehmen. Die Branchenerfahrung ist sehr, sehr gesucht und ehrlich gesagt: Wenn jemand mehrere Fachpraktika oder eine Lehre zum Bank- oder Versicherungskaufmann mitbringt, dann würde dies im Zweifelsfall sogar ein paar Zehntelpunkte im Notendurchschnitt kompensieren. Was nützt das schönste Examen, wenn der Kandidat vollkommen fachfremd ist?

Wie sieht das bei Sprachen und Auslandsaufenthalten aus?

Wir brauchen einfach Englisch, nicht weil wir auch im Ausland tätig sind, sondern weil die interne Dokumentation bei Banken auch im Inland häufig auf Englisch erfolgt. Genauso sind fundierte Deutschkenntnisse, einschließlich Schriftdeutsch, bei uns unerlässlich. In bestimmten Marktsegmenten verläuft die Vorstandspräsentation vielleicht noch auf Englisch, aber das Projekt selbst läuft dann in der Regel auf Deutsch. Landesbanken, Sparkassen und Genossenschaftsbanken – da kommen Sie mit Englisch allein nicht weiter.

Ich habe schon öfter gehört, dass in Deutschland eine Karriere ohne Deutschkenntnisse kaum möglich ist.

Ganz ehrlich, das ist so gut wie unmöglich. Nur bei ganz wenigen Banken und Versicherungen können Sie eine Karriere vielleicht vollständig auf Englisch aufbauen. Möglicherweise gelingt dies noch am ehesten in handelsnahen Bereichen.

Wie sieht der klassische Karriereweg bei KPMG aus?

Nach einem Bachelor oder Master Studium steigen Sie als Associate ein. Anschließend folgen die Karrierestufen Senior Associate, Assistant Manager, Manager, Senior Manager und dann Director oder Partner. Wenn Sie gut sind und sich anstrengen, dann können Sie die ganze Leiter in sechs bis sieben Jahren durchlaufen. Normalerweise dauert es sicher etwas länger. Besonders gute Leute ermöglichen wir die Sprungbeförderung – dabei überspringt man eine Stufe. Promovierte Kandidaten beginnen übrigens als Senior Associate.

Oft wird an den Big Four kritisiert, dass die Personalfluktuation mit 20 Prozent recht hoch ausfällt. Warum ist das so?

Unsere liegt – je nach Bereich – zwischen 10 und 15 Prozent. Die Fluktuation hat zum großen Teil damit zu tun, dass qualifizierte Wirtschaftsprüfer und Berater mit ihrer Fach- und Branchenqualifikation nicht nur bei KPMG sehr attraktive Karriereoptionen haben, sondern auch immer wieder von großen Konzernen abgeworben werden. Das ist völlig in Ordnung. Man muss dabei auch sicherlich innerhalb der Firma differenzieren: Es ist schon ein Unterschied, ob Sie sich in der Beratung oder im Prüfungs- und Steuerbereich bewegen. In diesen beiden Bereichen ist das Bestehen von Fachexamina zum Wirtschaftsprüfer oder Steuerberater eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung für Beförderungen. So mancher Kandidat überlegt, wenn er bei einer solchen Fachprüfung durchgefallen ist oder auch schon früher, nicht lieber in die Industrie zu wechseln.

Ich hatte eher daran gedacht, dass einige Mitarbeiter nach ein paar Jahren bei KPMG beispielsweise zu einer Bank wechseln.

In der Tat profitieren andere Unternehmen in gewisser Weise von uns als „Ausbildungsbetrieb“, indem sie unsere Mitarbeiter mit zwei, drei Jahren Berufserfahrung gezielt ansprechen. Das stellt aber auch einen gewissen gesunden Austausch sicher.

Die EZB ist dabei eine zentrale Bankenaufsicht mit 1000 Mitarbeitern in Frankfurt aufzubauen. Bekommen Sie die Abwerbung auch zu spüren?

Noch nicht. Bislang hat die EZB hauptsächlich Management-Positionen besetzt. Wenn diese wirklich die Masse des Personals anheuern, lässt sich das aber nicht ausschließen. Aber auch KPMG bietet sehr attraktive Konditionen, insofern sind wir hier im Wettbewerb um die besten Köpfe gut aufgestellt.

Wie sehen die Verdienstspannen aus, wenn man nach seinem Abschluss im Bereich Financial Services Consulting von KPMG einsteigt?

Die Vergütung beruht auf einem branchenüblichen Festgehalt, das von Abschlussart, Studiengängen, Praktika und einigem mehr abhängt. Der variable Teil besteht aus zwei Komponenten: Die erste stellt ein Überstundenvergütungsmodell dar; die zweite einen Qualitätsbonus, der sich aus der Leistungsbeurteilung herleitet.

Kann man bei Ihnen auch Praktika absolvieren?

Auf jeden Fall – allerdings während und nicht vor dem Studium. Mitbringen muss man gute Noten und einschlägige Fachrichtungen, soweit man das schon sagen kann. Generell gilt: Je besser man aus Praktika und Studienschwerpunkten erkennen kann, wo die Reise hingehen soll, umso besser können wir die Leute einordnen. Wenn ein Kandidat sehr breit aufgestellt ist und man keine Vertiefung erkennen kann, dann fällt es einem Arbeitgeber ungeheuer schwer, den Kandidaten einzuordnen. Eine allgemeine Stoßrichtung sollte schon erkennbar sein.

Die gesetzgeberische Regulierung führt gerade bei Finanzdienstleistern zu einem erhöhten Beratungsbedarf. Welche Themen gehen Sie bei den Banken an?

Infolge der Finanzmarktkrise wird der Regulierungsrahmen seitens der Politik immer enger gezogen. Wir erarbeiten beispielsweise die Restrukturierungs- und Abwicklungspläne zumindest für die systemrelevanten Banken. Viele Kreditinstitute erneuern ihre IT-Systeme, wobei zunehmend auch Regulierungsanforderungen berücksichtigt werden. Unsere Berater entwickeln außerdem Risikomodelle und die effizientere Gestaltung von Prozessen.

Wie hat sich denn bei Ihnen seit der Krise das Consultinggeschäft entwickelt?

Die Geschäftsentwicklung sieht sehr gut aus. Personell haben wir uns seit 2008 fast verdoppelt und sind jetzt etwa 450 Mitarbeitern im Bereich Consulting Financial Services.

Wie genau hat sich das Beratungsgeschäft innerhalb des Finanzsektors seit der Krise geändert?

Die Art des Consultinggeschäfts hat sich stark gewandelt. Auf dem Höhepunkt der Finanzmarktkrise waren es oftmals Feuerwehraktionen. Jetzt herrscht zwar auch immer noch hoher Druck, aber das Vorgehen ist geplanter, strategischer und konsistenter. Früher wurde noch sehr viel manuell bewältigt; heute überlegen Finanzdienstleister meist genau, wie sie ihre Prozesse effizienter gestalten können. Das Schlagwort heißt: Cost of Compliance.

Banken kritisieren immer wieder, dass die Regulierung die Kosten hochtreibe und gleichzeitig auf die Erträge und Profite drücke.

Das ist so, wie eine unsere Banken-Umfrage zu den Kosten der Regulierung gezeigt hat. Mittelfristig müssen die Banken wieder Geld verdienen. Das hat zur Folge, dass die Banken ihre Geschäftsmodelle überdenken: Was lohnt sich noch und was lohnt sich nicht mehr? Bei diesen Überlegungen spielen die regulatorischen Anforderungen logischerweise eine Rolle.

Ein ganzes Feuerwerk an unterschiedlichen Regulierungen hält die Finanzbranche in Schach. Viele Finanzdienstleister kritisieren, dass vieles wenig koordiniert sei. Wie sehen Sie das?

Vor zwei, drei Jahren war das sicherlich noch chaotischer, weil einfach viele nationale Regulatoren zur Sicherung der eigenen Finanzdienstleister vorgeprescht sind. Mittlerweile zeichnet sich ein strukturierteres System in Europa ab. Das wird durch die neu geschaffenen europäischen Regulierungsinstitutionen getrieben. Für die Banken ist dabei vor allem die Europäische Zentralbank (EZB) zuständig. Diese Strukturen befinden sich noch in der Aufbauphase. Aber man wird sehr schnell merken, wie sich das System top-down strukturieren wird und sich eine konsistente Struktur ergibt. Basel III lag ursprünglich der Gedanke zu Grunde, einen weltweit einheitlichen Rahmen zu schaffen. Das hat nicht so geklappt, wie es sich die Politiker vorgestellt haben. Man sieht daher eher „Inseln“. So gibt es eine europäische Regulierungs-Insel, eine US-Insel und in Asien zeichnet sich ebenfalls eine gewisse Vereinheitlichung ab. Dass sich die drei Inseln aufeinander abstimmen, wird noch ein wenig dauern…

Immer wieder hört man, dass die USA alles ein wenig lockerer handhabe  – namentlich bei den Boni.

Ich möchte gar nicht kommentieren, ob das lockerer oder strenger ist. Es gibt einfach Unterschiede und in dem Moment, wo es Unterschiede gibt, gibt es immer jemanden, der versucht über Arbitrage daraus ein Geschäft zu machen. Ursprünglich war die politische Grundidee, die Möglichkeiten einer Arbitrage einzuschränken. Und das funktioniert zwischen diesen Inseln nicht so wie eigentlich erhofft. Gleich ob es um Vergütungsregelungen, Derivate, Verbriefungen oder die Bilanzierung von Handelsaktiva geht: Mal ist der eine strenger, mal der andere.

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