Die letzten Meter sind die teuersten

Die letzten Meter sind die teuersten

Bücher, Schuhe, Möbel, Brillen: Das Angebot im Onlinehandel kennt keine Grenzen und sorgt für Milliardenumsätze. Der Anstieg von Paketsendungen bringt auch der Logistikbranche Rekordumsätze. Im Gegensatz zu den Händlern stoßen die Logistikunternehmen allerdings auf ihre Grenzen.

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Nie zuvor waren Preisvergleiche so einfach und Einkaufen so bequem. Milliardenumsätze verlagern sich aus den Geschäften vor Ort – rein ins Netz, hin zu den Versandgiganten wie Amazon und Zalando, aber auch immer stärker in die Online-Shops von Markenherstellern. Immer mehr Pakete müssen in immer kürzerer Zeit zu den Verbrauchern transportiert werden. Davon profitiert die Logistikbranche. Der Zusteller nimmt dem Verbraucher den Weg in den Laden ab. Der Anstieg von Paketsendungen sorgt auch hier Jahr für Jahr für neue Rekordumsätze. Im Gegensatz zu den Händlern stoßen die Logistikunternehmen allerdings auf ihre Grenzen.

Der Käufer will die Ware sofort

„Es klingt wie ein einfaches Geschäft, aber inzwischen ist der Onlinehandel zu einem Wettlauf für die Logistiker geworden“, sagt Dr. Steffen Wagner, Head of Transport and Leisure bei KPMG in Deutschland, „mit Hindernissen und hohen Kosten.“ Denn: Damit der Onlinehandel erfolgreich funktioniert, müssen die Waren schnell beim Kunden ankommen. Eine aktuelle Studie zum e-Commerce im europäischen Vergleich bestätigt, dass gerade in Deutschland auf eine schnelle und zuverlässige Lieferung sehr viel Wert gelegt wird. Und die Ansprüche steigen: Die Konsumenten erwarten zunehmend individuelle Lösungen, etwa die Zustellung noch am Tag der Bestellung, die so genannte Sameday Delivery, oder zumindest eine Overnight-Lieferung. Amazon experimentiert bereits mit der Zustellung innerhalb einer Stunde nach Bestellung. „Dies erfordert ein dezentrales Netzwerk an Logistikstandorten“, erklärt Wagner. „Nur so können die Zusteller auch in Gegenden abseits der Ballungszentren zeitnah liefern. Diese erforderlichen Kapazitäten kosten natürlich Geld, und das Auslastungsrisiko liegt hier auf Seiten des Transport- und Logistikunternehmens.“

Spitzenzeiten richtig planen

Während vor Weihnachten der Onlinehandel boomt und bei den Händlern die Kassen klingeln, bewegen sich manche Logistikunternehmen an der Schmerzgrenze. Spitzenzeiten wie das Weihnachtsgeschäft werden für Logistiker zu einer wahren Herausforderung. „Für die Lieferdienste ist das teuer“, sagt Wagner. „Die sogenannte letzte Meile der Zustellung verursacht dabei etwa die Hälfte der Kosten. Da die Konkurrenz unter den Paketdiensten enorm ist, können die Preise oft nicht an die Verbraucher weitergereicht werden.“

Die Zusteller brauchen ausgefeilte Logistiksysteme. Sie müssen ihre Kapazitäten und Auslastungen optimal planen, damit die hohen Kosten für zusätzliche Kapazitäten nicht zu Verlusten führen. In den USA waren mehrere Lieferdienste der Flut von Geschenk-Paketen im Weihnachtsgeschäft 2013 nicht Herr geworden – Pakete bleiben liegen, Ergebnisse und Image litten. Eine solch böse Überraschung sollte sich 2014 nicht wiederholen. UPS zum Beispiel steckte rund eine halbe Milliarde Dollar in das heimische Zustellnetzwerk. Für die Kunden haben sich diese Investitionen ausgezahlt, doch für UPS war es ein Verlustgeschäft: Zwar habe es die erwartete Paketflut an Weihnachten gegeben, doch sei sie an einigen Tagen geringer als erwartet ausgefallen. Die Zustellnetze waren nicht optimal ausgelastet, die Produktivität sank, die Kosten zogen an.

König Kunde wird immer anspruchsvoller

Die wachsenden Ansprüche der Online-Shopper setzen die Logistiker zusätzlich unter Druck. Individuelle Zustellungswünsche wie Click-und-Collect Systeme, Packstationen oder die direkte Terminabsprache mit dem Fahrer, sind eine logistische Herausforderung. „Die Transportströme werden immer weiter fragmentiert“, so Wagner. „Gleichzeitig wird es für die Logistiker immer schwieriger, die Lieferungen zu planen und zu skalieren. Und: diese Trends aus dem Privatkundenbereich wirken sich auf die B2B-Logistik zwischen Unternehmen aus. Die Verlader fordern auch individuelle, flexible und angepasste Transportlösungen, die der Kunde selbst steuern kann.“ Die Herausforderung ist die Mühe wert, denn die Kunden sind zunehmend bereit, für diesen Service auch zu bezahlen.

Big Data hilft Kosten drücken

Mittlerweile nutzen die Logistiker auch die Vorteile von Big Data – Echtzeitdaten in Kombination mit historischen Datenanalysen. In puncto Kundenfreundlichkeit entwickeln sie Apps und Track-and-Trace Systeme, mit denen der Kunde seine Bestellung verfolgen und individuell mit dem Fahrer kommunizieren kann. „Auch für die Planung sind die Daten ein Gewinn: Engpässe können so vorhergesehen und Kapazitäten entsprechend eingesetzt werden“, sagt Wagner. „Die Unternehmen brauchen dafür Datentransparenz und die richtigen D&A-Tools, außerdem eine stärkere Kooperation mit den Handelsunternehmen. UPS beispielsweise optimiert mit einer Big Data-Lösung die aktuelle Routenplanung der Fahrer und kann dank der Analyse von zahlreichen Parametern bessere und schnellere Routen empfehlen.“

Digitale Unternehmen greifen an

Der Onlinehandel wird zum Wettlauf für die Logistiker. Die WirtschaftsWoche spricht gar von einem technologischen und finanziellen Wettrüsten, das die Handelswelt von Grund auf verändern wird. Tatsächlich ruft das Onlinegeschäft auch neue branchenfremde Wettbewerber auf den Plan: IT-Unternehmen wie Google, Amazon oder eBay testen Modelle, nach dem Shoppingerlebnis gleich auch den gesamten Lieferprozess in die eigene Hand zu nehmen. Start-Ups bieten Marktplatz-Lösungen an, die eine Brücke zwischen stationärem Handel und dem Kunden schlagen. In Großstädten bringen etwa Fahrradkuriere die Ware vom Geschäft zum Kunden und wickeln die Bezahlung ab. Schließlich experimentieren Firmen aus dem Offline- und Lebensmittelhandel damit, ihre Kunden mit eigenen Zustell- und Lieferketten auch jenseits ihrer Einkaufsmärkte zu erreichen. „Diese Beispiele zeigen, dass die Konsum- und Logistikbranchen in Zukunft immer stärker miteinander kooperieren oder gar verschmelzen könnten“, so Wagner. Aktuelle M&A-Aktivitäten, etwa DHL’s Kauf einer Onlineshopping-Plattform, Google’s Investment von 500 Millionen US-Dollar in einen eigenen Zustelldienst oder der Einstieg des chinesischen eCommerce-Giganten Alibaba bei Singapore Post unterstreichen diesen Trend.

Das Marktpotenzial des e-Commerce ist immens, und kein Unternehmen will den Anschluss verlieren. Wie der Handelsverband Deutschland (HDE) mitteilt, werden 2015 aller Voraussicht nach 43,6 Milliarden Euro online umgesetzt werden, was ein Wachstum von zwölf Prozent bedeutet. Mit den richtigen Strategien und Handlungswerkzeugen kann die Logistikbranche langfristig auf der Welle des Erfolgs mitschwimmen.

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