IFRS 10

IFRS 10

Ein einheitliches Control-Modell für alle "Unternehmensbeziehungen"

Ansprechpartner

Partner, Accounting Centre of Excellence

KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft

Kontakt

Verwandte Inhalte

Dokumentenstapel

Die neuen Regelungen zur Konzernrechnungslegung sind durch das IASB am 12. Mai 2011 verabschiedet worden. Die Überarbeitung der Vorschriften zur Einbeziehung von Unternehmen in den Konzernabschluss war insbesondere vor dem Hintergrund der internationalen Finanzkrise vorangetrieben worden, da man befürchtete, dass die bestehenden IFRS Regelungen zur Konsolidierung - vor allem hinsichtlich Zweckgesellschaften - gegebenenfalls nur lückenhaft und inkonsistent über die wirtschaftliche Lage (insbesondere hinsichtlich der Risiken) informieren. Am 28. Juni 2012 hat das IASB darüber hinaus Änderungen an den Übergangsvorschriften von IFRS 10, IFRS 11 und IFRS 12 veröffentlicht, die auf eine Klarstellung und Erleichterungen bei der Erstanwendung abzielen.

Im Einzelnen handelt es sich um die Regelungen:

  • zur Einbeziehung von Tochterunternehmen in den Konsolidierungskreis und die Grundsätze der Vollkonsolidierung (IFRS 10),
  • zur Bilanzierung von Gemeinschaftsunternehmen und gemeinschaftlichen Tätigkeiten (IFRS 11)
  • und zu den (zugehörigen) Anhangangaben für sämtliche "Unternehmensbeziehungen" (IFRS 12).

Zwei verschiedene Beherrschungsmodelle

Bis zur Verabschiedung von IFRS 10 existierten grundsätzlich zwei verschiedene Beherrschungsmodelle: Eines für Zweckgesellschaften und eines für die "normalen Unternehmen". Mit dem neuen IFRS Konsolidierungsstandard hat das IASB nun ein Modell vorgestellt, dass einheitlich für alle Arten von "Unternehmensbeziehungen" gilt.

Stellten die Control-Konzepte in IAS 27 beziehungsweise SIC 12 im Wesentlichen auf die Stimmrechtsmehrheit (bzw. vergleichbare Rechtspositionen) respektive die Mehrheit der Risiken und Chancen ab, sind nun zahlreiche Kontrollindikatoren im Sinne der einheitlichen Beherrschungsdefinition für verschiedene Konstellationen zu bewerten. Erstmalig hat das IASB daher auch bisher nach IFRS nicht eindeutig geregelte Anwendungsfragen, die sich beispielsweise bei Agentenbeziehungen und faktischen Beherrschungsverhältnissen (zum Beispiel aufgrund von Präsenzmehrheiten) ergeben, explizit in den Standard aufgenommen.

"Die ersten Erfahrungen bei der Anwendung von IFRS 10 zeigen bereits, dass der Standard ein erhöhtes Maß an Ermessensentscheidungen erfordert. Die Beurteilung der Beherrschung bedingt außerdem im Einzelfall eine deutlich umfassendere und aufwendigere Analyse, als dies bisher der Fall war", so Dr. Oliver Beyhs, Partner im Accounting Centre of Excellence bei KPMG.

Das IASB hat eine verpflichtende Anwendung der neuen IFRS Standards für Geschäftsjahre, die am oder nach dem 1. Januar 2013 beginnen, vorgesehen. Durch die Entscheidung des Accounting Regulatory Committee (ARS) aus Juni 2012 wird sich der verpflichtende Erstanwendungszeitpunkt für EU-IFRS-Anwender voraussichtlich um ein Jahr verschieben. 

Aktuelle Entwicklungen: IASB veröffentlicht Änderungen an IFRS 10, IFRS 12 und IAS 28 Investment Entities

Am 18. Dezember 2014 hat das IASB den Änderungsstandard „Investment Entities: Applying the Consolidation Exception (Amendments to IFRS 10, IFRS 12 and IAS 28)“ veröffentlicht. Die Änderungen dienen zur Klärung verschiedener Fragestellungen in Bezug auf die Anwendung der Ausnahme von der Konsolidierungspflicht nach IFRS 10, wenn das Mutterunternehmen die Definition einer „Investmentgesellschaft“ erfüllt. Demnach sind Mutterunternehmen auch dann von der Pflicht zur Konzernabschlusserstellung befreit, wenn das übergeordnete Mutterunternehmen seine Tochterunternehmen nicht konsolidiert, sondern zum beizulegenden Zeitwert nach IFRS 10 bilanziert.

Bezogen auf die Bilanzierung von Tochterunternehmen einer Investmentgesellschaft wird nunmehr wie folgt differenziert:

Tochterunternehmen, die selbst Investmentgesellschaften sind, sind – dem allgemeinen Grundsatz der Investment Entity Exception folgend – zum beizulegenden Zeitwert zu bilanzieren.

Dagegen sind Tochterunternehmen, die selbst keine Investmentgesellschaften darstellen, jedoch Dienstleistungen erbringen, die sich auf die Anlagetätigkeit des Mutterunternehmens beziehen und damit als Verlängerung der Tätigkeit des Mutterunternehmens zu betrachten sind, zu konsolidieren. 

Schließlich wird klargestellt, dass ein Investor, der nicht die Definition einer Investmentgesellschaft erfüllt und die Equity-Methode auf ein assoziiertes Unternehmen oder ein Joint Venture anwendet, die Bewertung zum beizulegenden Zeitwert beibehalten kann, die das Beteiligungsunternehmen auf seine Beteiligungen an Tochterunternehmen anwendet.

Zudem sehen die Änderungen vor, dass eine Investmentgesellschaft, die alle ihre Tochterunternehmen zum beizulegenden Zeitwert bewertet, die nach IFRS 12 vorgeschriebenen Angaben zu Investmentgesellschaften zu leisten hat.Die Änderungen sind – vorbehaltlich einer Übernahme in EU-Recht – erstmals für Geschäftsjahre anzuwenden, die am oder nach dem 1. Januar 2016 beginnen.

 

So kontaktieren Sie uns

 

Angebotsanfrage (RFP)

 

Absenden

KPMG's neue digitale Plattform

KPMG's neue digitale Plattform