Erleichterungen bei der Rechnungslegung für Kleinstkapitalgesellschaften

Erleichterungen bei der Rechnungslegung

Das Ende Dezember 2012 in Kraft getretene Kleinstkapitalgesellschaften-Bilanzrechtsänderungsgesetz (MicroBilG) hat verschiedene Erleichterungen im Rahmen der Aufstellung wie auch der Offenlegung des Jahresabschlusses für den betroffenen Unternehmenskreis eingeführt. Neben der Aufstellung einer stark vereinfachten Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung brauchen Kleinstkapitalgesellschaften künftig den Jahresabschluss nicht mehr um einen Anhang zu erweitern, wenn bestimmte Angaben unter der Bilanz gemacht werden.

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Anwendungsbereich

Kleinstkapitalgesellschaften sind Kapitalgesellschaften und Personenhandelsgesellschafen ohne voll haftende natürliche Personen, die an zwei aufeinander folgenden Stichtagen mindestens zwei der drei nachfolgenden Merkmale nicht überschreiten: 350.000 EUR Bilanzsumme, 700.000 EUR Umsatzerlöse und im Jahresdurchschnitt zehn Mitarbeiter. Kleinstkapitalgesellschaften sind Teil der Gruppe der kleinen Kapitalgesellschaften und können damit auch grundsätzlich Erleichterungen für kleine Kapitalgesellschaften in Anspruch nehmen. Ausgenommen von diesen Regelungen sind u. a. Genossenschaften, kapitalmarktorientierte Kapitalgesellschaften, Kreditinstitute, Versicherungen, Unternehmensbeteiligungs- und Kapitalanlagegesellschaften.

Wesentliche Erleichterungen

Eine wesentliche Erleichterung betrifft die Gliederungstiefe des Jahresabschlusses. Kleinstkapitalgesellschaften brauchen nur eine verkürzte Bilanz aufzustellen, in die nur die in § 266 Abs. 2 und 3 HGB mit Buchstaben bezeichneten Posten gesondert und in der vorgeschriebenen Reihenfolge aufgenommen werden müssen. Darüber hinaus können Kleinstkapitalgesellschaften die bilanzbezogenen größenabhängigen Erleichterungen für kleine Kapitalgesellschaften in Anspruch nehmen und zum Beispiel auf die Aufstellung eines Anlagegitters verzichten oder von der Anwendung des § 274 HGB bezüglich der latenten Steuern absehen.

Anstelle einer ausführlichen muss nur eine verkürzte Gewinn- und Verlustrechnung aufgestellt werden, die lediglich aus den Posten Umsatzerlöse, sonstige Erträge, Materialaufwand, Personalaufwand, Abschreibungen, sonstigen Aufwendungen, Steuern und Jahresüberschuss bzw. -fehlbetrag besteht. Die „sonstigen Erträge“ umfassen neben den Bestandserhöhungen an (un-)fertigen Erzeugnissen die aktivierten Eigenleistungen, die sonstigen betrieblichen Erträge, finanzielle und außerordentliche Erträge. Entsprechend sind unter den „sonstigen Aufwendungen“ Bestandsverminderungen sowie sonstige betriebliche, finanzielle und außerordentliche Aufwendungen auszuweisen. Bei verkürzter Darstellung der Gewinn- und Verlustrechnung kann die Erleichterung des § 276 HGB hinsichtlich des Ausweises eines Rohergebnisses allerdings nicht in Anspruch genommen werden.

Ferner brauchen Kleinstkapitalgesellschaften gem. § 264 Abs. 1 S. 5 HGB den Jahresabschluss nicht mehr um einen Anhang zu erweitern. Voraussetzung dafür ist, dass sie ihre Haftungsverhältnisse angeben, die an Mitglieder des Aufsichtsrats oder ähnlicher Einrichtungen gewährten Vorschüsse und Kredite nennen sowie bei Aktiengesellschaften oder Kommanditgesellschaften auf Aktien den Bestand an eigenen Aktien unter der Bilanz angeben.

Nimmt eine Kleinstkapitalgesellschaft eine der vorgesehenen Erleichterungen in Anspruch, hat die Bewertung des Deckungsvermögens i.S.d. § 246 Abs. 2 S. 2 HGB zu fortgeführten Anschaffungs- und Herstellungskosten zu erfolgen. Eine Bewertung zum beizulegenden Zeitwert ist in diesem Fall unzulässig.

Für Zwecke der Offenlegung brauchen Kleinstkapitalgesellschaften nur die Bilanz beim Betreiber des Bundesanzeigers elektronisch einzureichen, wobei sie wählen können, ob sie ihre Offenlegungspflicht durch Bekanntmachung der Bilanz oder Hinterlegung der Bilanz erfüllen wollen. Im Fall der Hinterlegung können Dritte auf Antrag (kostenpflichtig) eine Kopie der Bilanz erhalten.

Erstanwendungszeitpunkt

Die Regelungen zu Kleinstkapitalgesellschaften gelten für Abschlüsse mit einem Bilanzstichtag nach dem 30. Dezember 2012.

 
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