Chinas "Go West!"-Politik

Chinas "Go West!"-Politik

"Go West!" lautet der Name der Initiative, die seit rund zehn Jahren um die Ansiedlung von Unternehmen in Zentral- und Westchina wirbt. Sie soll helfen, wirtschaftlich wenig genutzte Gebiete besser zu erschließen, die Infrastruktur auszubauen und neue Märkte zu eröffnen.

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Die Regierungsmaßnahmen sollen das starke Wohlstandsgefälle von Ost nach West langfristig und nachhaltig ausgleichen. Aufgrund steuerlicher Anreize und niedrigerer Kosten schauen sich viele Unternehmen in der Region nach Alternativen zu einem Produktionsstandort an der Ostküste um.

Strukturschwache Gebiete fördern

Zu Zentral- und Westchina zählen sechs Provinzen, fünf Autonome Gebiete und eine regierungsunmittelbare Stadt, die beinahe drei Viertel des gesamten Staatsgebiets ausmachen. Rund 400 Millionen Menschen leben in dieser Region. Trotz seiner Größe und des Bevölkerungsreichtums erwirtschaftete Chinas Westen im vergangenen Jahr nur rund 16,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Während an der Ostküste in Städten wie Schanghai oder Peking Miet- und Grundstückspreise, Lohn- und Nebenkosten zusehends steigen, können Unternehmen in zentral- und westchinesischen Gebieten von günstigen Konditionen profitieren. Besonders für die Fertigungsindustrie sind die Second Tier-Städte - Wirtschaftszentren wie Xi'an, Chengdu, Chongqing oder Kunming - attraktiv und Arbeitskräfte sind in großem Maße vorhanden.

Um die Voraussetzungen für eine starke wirtschaftliche Entwicklung zu schaffen, investiert die Regierung in die Bildung, denn die Industrie sucht händeringend Fachkräfte. Außerdem fördert sie zahlreiche Infrastrukturprojekte, vor allen Dingen den Ausbau von Eisenbahnstrecken und Flughäfen. Bahnstrecken, vor allem die neuen Schnellzuglinien, vereinfachen und beschleunigen den Güterverkehr. Zugleich werden zahlreiche Industriezonen eingerichtet. Eine neu gebaute Erdgaspipeline von Westchina in den Osten des Landes verbessert zudem die Energieinfrastruktur der Region.

Zentral- und Westchina wirbt mit Steuervergünstigungen und Industriezonen

In erster Linie versucht die chinesische Regierung Unternehmen mit Steuervergünstigungen in den Westen zu ziehen. So zahlen Unternehmen im gesamten Gebiet nur 15 statt 25 Prozent Unternehmenssteuer. Importe von Investitionsgütern zur Errichtung der eigenen Firma sind grundsätzlich steuerfrei. Des Weiteren sieht der Maßnahmenkatalog der "Go West!"-Politik zusätzliche Anreize für Unternehmen vor, die sich in den vorgesehenen Industriezonen niederlassen. Ihnen erlassen die Behörden häufig die Grundsteuer oder gewähren andere Vergünstigungen.

Logistischer Aufwand und Fachkräftemangel

Diesen Vorteilen stehen auch einige Risiken gegenüber. Trotz der im Ausbau begriffenen Infrastruktur sind die Transportwege für Unternehmen häufig sehr weit und teilweise auch beschwerlich - sie führen durch Wüstengebiete und Bergketten - und damit steigen Transportkosten und -dauer. Teilweise mangelt es noch an Fachkräften und für die Belegschaft aus dem Ausland sind die wenig internationalen Second- oder Third-Tier-Städte als Arbeitsort meist nicht so attraktiv wie Peking oder Schanghai. Personalfluktuation seitens der ausländischen aber auch der chinesischen Mitarbeiter ist daher eine weitere Herausforderung für die Unternehmen, die dem "Go West!"-Aufruf der chinesischen Regierung folgen.

Mut zahlt sich aus - Vorreiter erschließen die Märkte

Metropolen wie Chengdu oder Chongqing hingegen erfahren immer mehr Zuspruch. Innerhalb der vergangenen Jahre hat sich in diesen Städten eine Vielzahl von Unternehmen angesiedelt. Zu den Vorreitern aus Deutschland zählen insbesondere deutsche Autobauer und Hersteller chemischer Produkte. Sie profitieren von der zentralchinesischen Lage und der guten Infrastruktur und haben die Möglichkeit, den Markt vor Ort zu erschließen und direkt zu beliefern. Auch deutsche Mittelständler zieht es mehr und mehr nach Zentral- und Westchina. Sie ziehen nicht nur in die Zentren Chengdu und Chongqing, sondern auch in entlegenere Gebiete wie zum Beispiel Ürümqi in der Provinz Xinjiang oder in die ebenfalls nordchinesische Provinz Ningxia.

Steigende Kaufkraft - wachsende Absatzmärkte

Die Prognosen für Zentral- und Westchina sind aussichtsreich. Bis zum Jahr 2015 erwartet die Deutsche Außenhandelskammer in Chengdu ein Wachstum des westchinesischen Marktes um 67 Prozent. Der Absatzmarkt Zentralchinas soll um 43 Prozent wachsen. "Die soziale Mittelschicht, vor allen Dingen in den Ballungszentren der Region, wird wachsen und damit steigt auch die Kaufkraft.", sagt Andrea Riedmann, Partnerin bei KPMG in Mannheim. Die Chinaspezialistin fügt hinzu: "Um von den unter ,Go West!' zusammengefassten Vergünstigungen zu profitieren, sollten Unternehmen Chancen und Risiken im chinesischen Hinterland gut abwägen und mehrere Standorte vergleichen. Jede Provinz und jede Industriezone gewährt Unternehmen unterschiedliche Vorteile. So können Unternehmen ein Maximum an Förderung erhalten."

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