Bilanzierung von Altersteilzeitverpflichtungen

Bilanzierung von Altersteilzeitverpflichtungen

Mit Verabschiedung der IDW Stellungnahme RS HFA 3 n. F.: "Handelsrechtliche Bilanzierung von Verpflichtungen aus Altersteilzeitregelungen" bestimmt zukünftig der wirtschaftliche Gehalt der Altersteilzeitvereinbarung die handelsrechtliche Bilanzierung. Entscheidend für die bilanzielle Behandlung der Aufstockungsbeträge im Rahmen des in der Praxis weit verbreiteten Blockmodells wird ihre Einstufung als Abfindungsleistung oder als fortlaufende Entlohnung über die Altersteilzeitphase sein.

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Ausgestaltung von Altersteilzeitvereinbarungen

Grundsätzlich wird bei Altersteilzeitvereinbarungen zwischen dem Gleichverteilungsmodell und dem Blockmodell unterschieden. Beim Gleichverteilungsmodell werden die Arbeitszeit und das Arbeitsentgelt des Arbeitnehmers während der gesamten Laufzeit der Altersteilzeitvereinbarungen reduziert. Demgegenüber wird der Zeitraum der Altersteilzeit beim Blockmodell in zwei Phasen gegliedert: In der Aktivphase arbeitet der Arbeitnehmer im gleichen Umfang weiter, in der Passivphase ist er von seiner Arbeitspflicht freigestellt. In beiden Phasen wird der Arbeitnehmer gleichmäßig entlohnt. Das Blockmodell weist somit die Besonderheit auf, dass der Arbeitnehmer zunächst Vollzeit arbeitet, jedoch nur Entgelt für die über beide Phasen vereinbarte Teilzeitbeschäftigung erhält. Der Bilanzierung dieses Erfüllungsrückstands wird während der Aktivphase durch die Ansammlung einer Rückstellung für ungewisse Verbindlichkeiten nach § 249 Abs. 1 Satz 1 HGB Rechnung getragen. Hinsichtlich dieser Bilanzierung ergeben sich auch künftig keine Änderungen.

Wesentliche Neuerungen

Gegenstand der Neuregelungen sind hingegen die sogenannten Aufstockungsbeträge. Sie stellen einen Zuschuss zum Gehalt sowie zu den Beiträgen zur Sozialversicherung dar, der während der Altersteilzeitphase durch den Arbeitgeber gewährt wird. Entsprechend des ursprünglichen Charakters der Altersteilzeitvereinbarungen, den gleitenden oder vorzeitigen Übergang aus dem Erwerbsleben in den Ruhestand zu fördern, waren diese Aufstockungsbeträge handelsrechtlich stets als Abfindungsleistung des Arbeitgeber zu werten und wurden als Einmalrückstellung abgebildet. Heute dienen Altersteilzeitvereinbarungen zunehmend dazu, langjährige Betriebszugehörigkeiten der Arbeitnehmer zu honorieren oder Anreize zur Verlängerung der Gesamtlebensarbeitszeit zu schaffen, so dass die Aufstockungsbeträge als Bestandteil der Leistungs- und Entgeltverpflichtungen aus dem Arbeitsverhältnis angesehen werden können. In diesen Fällen ist die Rückstellung für die Aufstockungsbeträge auch nach den handelsrechtlichen GoB ratierlich über die Aktivphase des Blockmodells anzusammeln. Die Klassifizierung der Aufstockungsbeiträge als Abfindung oder zusätzliche Entlohnung erfolgt am ersten Stichtag nach dem Zustandekommen der Altersteilzeitvereinbarung und ist nach dem Grundsatz der Stetigkeit für die Zukunft beizubehalten.

Je nach wirtschaftlichem Gehalt der Komponenten ergeben sich auch Besonderheiten beim Ausweis der Rückstellungszuführungen in der Gewinn- und Verlustrechnung (GuV). Besteht Abfindungscharakter sind die Zuführungen innerhalb des operativen Ergebnisses in den sonstigen betrieblichen Aufwendungen auszuweisen. Demgegenüber sind Zuführungen für die Entlohnungskomponente unter die Personalaufwendungen auszuweisen.

Abzinsung

Nach § 253 Abs. 2 Satz 2 HGB sind Rückstellungen mir einer Restlaufzeit von mehr als einem Jahr mit dem ihrer Restlaufzeit entsprechenden durchschnittlichen Marktzinssatz der vergangenen sieben Jahre abzuzinsen. Für Altersversorgungsverpflichtungen und vergleichbare langfristig fällige Verpflichtungen kann vereinfachend eine pauschale Restlaufzeit von 15 Jahren angewandt werden. Diese Vereinfachungsregel kann nach IDW RS HFA 3 n. F. auch für Verpflichtungen aus Altersteilzeitvereinbarungen angewandt werden. Da diese in aller Regel aber eine deutlich kürzere Laufzeit als 15 Jahre haben, empfiehlt es sich, von der tatsächlichen Restlaufzeit auszugehen.

Auswirkungen auf die Praxis

Zukünftig ist für die handelsrechtliche Bilanzierung eine Klassifizierung neu abgeschlossener Altersteilzeitvereinbarungen vorzunehmen. Die wirtschaftliche Ausgestaltung der Vereinbarungen hat unmittelbare Auswirkungen auf die Bilanz- und GuV-Struktur des Unternehmens.

 
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