Alles Retro beim Autodesign?

Alles Retro beim Autodesign?

Der Windkanal ist der große Gleichmacher. Zumindest galt dies über lange Jahre für das Autodesign. Spätestens ab den neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts waren es nicht mehr ästhetische Gesichtspunkte, die das Autodesign bestimmten, sondern ein möglichst optimaler cw-Wert. Je schlüpfriger, umso besser. Alle spielerischen und kühnen Designideen wurden dem Ideal des geringen Luftwiderstands geopfert. Die Modelle der großen Hersteller wurden gleichförmig – für den Laien oft kaum zu unterscheiden. Selbst Front und Heck glichen sich mehr und mehr.

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Seit einigen Jahren findet jedoch ein Umdenken statt. Zwar ist auch aktuell der cw-Wert das Maß der Dinge beim Autodesign, aber die Ingenieure der großen Automobilhersteller haben bemerkt: Es sind nicht nur die flachen Formen, die den Luftwiderstand minimieren. Auch dynamische, verspielte Kurven und Kanten, können den Fahrtwind günstig beeinflussen – oder stehen ihm zumindest nicht entgegen.

Das Umdenken der Ingenieure hat weitere Gründe: Die Autohersteller bemühen sich wieder verstärkt um ein charakteristisches Design für die eigene Marke. Wenn der Kunde einen Mercedes kauft, will er auch ein Auto, das wie ein Mercedes aussieht – und nicht etwas, was von einem BMW kaum zu unterscheiden ist.

Dass der cw-Wert für das Autodesign enorm wichtig bleibt, ist klar, denn schließlich entscheidet er maßgeblich über Verbrauch und CO2-Ausstoß mit. Und die Messlatte für den Flottenverbrauch der Hersteller wird von der Politik immer höher gelegt. Aber das Autodesign wird trotzdem wieder charakteristischer, denn die Kundschaft will es so. Die Gleichförmigkeit der 90er Jahre leitete nämlich auch eine Retrowelle ein: Der Käufer will nicht nur Fahrzeuge, die technisch überzeugen. Ob die Front, das Gesicht des Autos, lächelt oder böse blickt, ist Geschmackssache – aber beim Kauf eines Autos spielen fast immer Emotionen mit.

Generation Taunus

Emotionen bescheren auch einem anderen Sektor der Automobilbrache einen wahren Boom. Auch hier spiegelt sich der Wunsch nach mehr automobiler Individualität. Seit Jahren steigen die Preise für Oldtimer. Früher nur von Autoenthusiasten der Oberschicht als luxuriöses Hobby gepflegt, hat sich der Besitz von Oldtimern zu einer soliden Geldanlage gewandelt, die sehr rentierlich ist: 2014 legte der Deutsche Oldtimer Index, den der Verband der Automobilindustrie (VDA) herausgibt, um 4,5 Prozent zu. 2013 waren es sogar 8 Prozent gewesen. Hier spielt natürlich auch eine Rolle, dass andere Geldanlangen aktuell wenig ertragreich sind. Aber deutlich wird auch, dass Autos jenseits des Mainstreams die Menschen faszinieren.

Besonders offensichtlich wird dies bei den sogenannten Youngtimern. Autos, wie ein Ford Capri aus den späten 70er Jahren wollte vor ein paar Jahren noch kaum einer haben – geschweige denn einen Opel Manta, der höchstens zum Witze machen animierte. Inzwischen sind es jedoch gerade solche deutschen Muscle-Cars, die in der Gunst potenzieller Käufer steigen – und so auch ihre Preise. Und Familienkutschen wie der Ford Taunus gelten plötzlich als hipp. Treue Fan-Gemeinden können auch die Originale heutiger Retro-Modelle vorweisen, wie VW-Käfer- oder Mini Cooper-Clubs beweisen.

Zurück in die Zukunft

Woran es liegt, dass wir tradierten Formen so viel Wohlwollen entgegen bringen, dafür gibt es viele Erklärungen. Vielleicht sehnen wir uns in einer hektischen Welt, nach der angeblich so „guten alten Zeit“ – oder unserer Jugend. Vielleicht wollen wir auch aus der Masse herausstechen. Eins ist aber offensichtlich: ein bisschen Retro, verkauft sich gut. Dass haben auch die Massenhersteller bemerkt. BMW ist mit dem Mini die Belebung einer Nischenmarke gelungen. VW schickt mit dem neuen Beetle bereits einen Nachfolger für sein erstes Retro-Modell ins Rennen. Und, Fiats 500 verkauft sich, weil er, sagen wir mal, so niedlich daher kommt.

Der Kunde von heute ist anspruchsvoll geworden: Gelungene Design-Anleihen an die Vergangenheit die das Herz erwärmen, etwas Zukunftsvision und eine klare Kante für was die Automarke steht. Und natürlich niedrige Verbrauchswerte, für das gute Gewissen.

Ob der Wunsch nach Retroanleihen im Autodesign anhält, bleibt abzuwarten. Ebenso, ob sich Old- und Youngtimer als so Wertstabil erweisen, wie es sich ihre Besitzer wünschen. Aber aktuell gilt im Auto- wie im Modedesign: Alles schon mal da gewesen.

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