Wofür Superreiche Millionen ausgeben

Wofür Superreiche Millionen ausgeben

Reich ist nicht gleich reich. Da gibt es feine Abstufungen: Vermögend, reich, superreich – oder doch nur wohlhabend? Klare Definitionen fehlen. Mindestens eine Million US-Dollar muss man aber schon auf der hohen Kante haben, um als reich zu gelten. Eine Million Einkommen pro Jahr schafft dagegen noch andere Freiräume. Wer über so viel liquides Vermögen verfügt, der kann es sich leisten, anspruchsvoll zu sein. Wem Superreiche ihr Geld anvertrauen und welche Services sie in Anspruch nehmen.

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Wer viel Geld besitzt, der gibt auch viel aus: Die Kosten für Immobilien, Fuhrpark, Yacht oder die Privatschule des Nachwuchs und viele andere lebenserleichternde Dienstleistungen sind gewaltig. Dazu kommen hohe Aufwendungen für die vielen dienstbaren Geister: Haushaltshilfen, Gärtner, Nannies, Köche, persönliche Assistenten, Leibärzte, Bodyguards, Piloten oder das Yacht-Personal. Der Lifestyle der Superreichen sprengt einige Dimensionen.

Wer hat, der kann

Wer von sich glaubt, vermögend zu sein, der muss sich daran messen lassen, ob er zu den sogenannten HNWI (High Net Worth Individuals) gehört. Bereits ab rund einer Million US-Dollar an liquiden Mitteln darf man diesen Titel tragen. Wer noch mehr vorweisen kann, den stufen Banken gerne auch in die Kategorie UHNWI (Ultra High Networth Individuals) ein. Diese Klientel eint vor allem eines – märchenhaft viel Geld.

Wer Mitglied im exklusiven Zirkel der UHNWIs werden möchte, der benötigt laut Finanzportal Investopedia mindestens 50 Millionen US-Dollar verfügbares, d. h. weitgehend liquides, Vermögen. Immobilien oder Unternehmensbeteiligungen zählen demnach nicht dazu. Die Zahl der Superreichen steigt weltweit. Auch in Deutschland tummeln sich mehr Multimillionäre und Milliardäre als gedacht: Eine neue Schätzung des DIW Berlin geht davon aus, dass das reichste Prozent der Deutschen mehr als 30 Prozent des Privatvermögens besitzt. Die reichsten 0,1 Prozent besitzen demnach wiederum davon die Hälfte, also 14 bis 16 Prozent.

Wem Superreiche vertrauen

Gerade Banken klassifizieren ihre wohlhabenden Kunden gerne. Reiche sind naturgemäß eine äußerst gefragte Zielgruppe: Ihr Status und das Engagement der Banken steigt mit dem Vermögen, das sie mitbringen. Denn die Verwaltung des Geldes ist ein Fulltime-Job, den Banken oder Family Offices nur allzu gerne übernehmen wollen. Sie buhlen um die Gunst dieser elitären Klasse.

Je wohlhabender, desto wählerischer sind die Schwerreichen bei der Auswahl ihres Vermögensverwalters. Schließlich geht es um Vertrauen, Reputation, Diskretion und um langfristige Anlageziele. Die Banken haben eigene Services im Wealth Management. Mittlerweile sehen gut Betuchte in sogenannten Family Offices eine Betreuungsalternative. Diese besetzen erfolgreich eine lukrative Nische und treffen den Nerv der Zeit. Family Offices kennen die Bedürfnisse ihrer Kunden, beraten individuell und gehen auf fast alle Sonderwünsche ihrer Klientel ein – oft über das Asset Management hinaus.

Mehr als nur Asset Management

Family Offices gehören mittlerweile schon zum guten Ton. Und die Zahl der Superreichen steigt und steigt. Damit steigen aber auch die Ansprüche an das Dienstleistungsportfolio der Wealth Manager. Als Reaktion haben viele ihr Servicespektrum bereits um eigene Steuerabteilungen, Rechtsanwälte oder Controlling-Sektionen erweitert. Sie betreuen Themen wie Schenkung und Vererbung und damit verbundene Steuer- und Rechtsfragen, ziehen hier aber auch externe Berater hinzu. „Die zunehmende Komplexität und Internationalität führt zu einem erhöhten Beratungsbedarf. Ohne eine Fokussierung auf diese Thematik und ein gutes internationales Netzwerk kann man die hohen Ansprüche nicht kompetent erfüllen“, erklärt Kay Klöpping, Leiter des Bereichs Private Clients bei KPMG.

Zwar ist die Vermögensverwaltung der Kern ihrer Arbeit, aber auch für Sonderwünsche lassen sich einige Family Offices engagieren: Will eine Tochter, die auf Reisen im Ausland ist, gern ein wertvolles Kunstwerk ersteigern, muss schnell viel Geld zur Verfügung gestellt werden, auch wenn es in Deutschland schon mitten in der Nacht ist. Die Zusatzangebote reichen bis zum Rundum-sorglos-Paket, das den Kunden mit Butler-, Hundesitting- oder Bodyguard- Service zur Seite steht. Solche umfangreichen Concierge-Services haben natürlich ihren Preis.

Vermögen breit streuen

Mit großen Vermögen spekuliert man nicht. Auch nicht in der derzeitigen Niedrigzinsphase. Aber die große Rendite steht bei den HNWIs und UHNWIs dieser Welt nicht vorrangig im Fokus. Und dank guter und international aufgestellter Vermögensberater legen Reiche ihr Geld dort an, wo es sich langfristig in einem vergleichsweise sicheren Umfeld vermehren kann: in Unternehmensbeteiligungen, Immobilien, alternativen Investments. Dazu zählen auch eher exotisch anmutende Investments wie Wald oder Farmland in Osteuropa und Neuseeland. Das bestätigen globale Statistiken: allen voran der «World Wealth Report» von Capgemini und der Royal Bank of Canada sowie der «Gobal Wealth Report» von Boston Consulting. Sie gelten als wichtige Indikatoren zur Vermögensentwicklung in der Welt.

Passionierte Sammler und Mäzene

Wo sich mit klassischen Anlagen kaum noch Gewinne machen lassen, da investiert der Geldadel mit Leidenschaft in schöne Dinge. Viele vermögende Menschen sind Sammler – vor allem von Kunstwerken. Diese sogenannten Passion Investments sind en vogue. Neben Kunst wird in Collectibles wie Münzen, Wein, Antiquitäten oder anderen Memorabilia investiert. Kunst gilt als wertstabile Anlageform – ein weiterer Pluspunkt bei den in der Regel risikoaversen Superreichen. Klassische Automobile liegen ebenfalls im Trend, auch bei etwas weniger Vermögenden. Durch die erhöhte Nachfrage in den vergangenen Jahren erfuhren die automobilen Sammlerstücke erhebliche Wertzuwächse.

„Die Anlage in solche alternativen Investments bietet die Chance, das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden. Sie setzt aber voraus, dass es sich bei dem investierten Vermögen um tatsächlich langfristig zur Verfügung stehende Mittel handelt, denn eine Fungibilität ist hier nicht zwingend gegeben“, so Klöpping.

Redaktion: René Stüwe

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