Weltmarktführer im Wirbelsturm der Eurozone

Weltmarktführer im Wirbelsturm der Eurozone

Nachhaltiges Wachstum durch Internationalisierung – ein Top-Thema für die deutschen Weltmarkführer und Hidden Champions aus dem Mittelstand. Doch wie geht das in Zeiten von Niedrigzins, Währungsturbulenzen und Euroschwäche? Ein Interview mit KPMG-Experte Daniel Quinten darüber, wie sich die wirtschaftliche Lage in der Euro-Zone auf den Mittelstand auswirkt.

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Herr Quinten, was für Auswirkungen hat die aktuelle Geldmarktpolitik der Zentralbank auf den deutschen Mittelstand?

Im Moment ist die Inflationsrate in Europa sehr niedrig, in einigen Ländern der Eurozone sogar negativ. Die EZB sieht daher die reelle Gefahr einer Deflation. Das ist Gift für Unternehmen, da Konsumenten die Anschaffung von Gütern herauszögern. Eine auf Schaffung einer niedrigen, jedoch positiven, Inflationsrate gerichtete Geldpolitik wird von vielen modernen Makroökonomen als geeignetes Mittel zur Stabilisierung der Gesamtwirtschaft angesehen. Unternehmen sollten bei Investitionen von einem niedrigen Zins profitieren. Schließlich schlagen die günstigen Konditionen zu welchen sich Banken in der Eurozone refinanzieren können auch auf den Endverbraucher durch.

Wie wirkt sich der schwache Euro für die Unternehmen aus?

Eine Abwertung des Euro bedeutet zunächst, dass der Preis von Gütern und Dienstleistungen in Fremdwährung sinkt. So wird zum Beispiel ein französischer Wagen in britischen Pfund billiger. Ein schwacher Euro sollte sich also positiv auf die deutschen Exporte auswirken; natürlich spielen hier jedoch auch andere Faktoren, z.B. die Wettbewerbsfähigkeit und die Qualität eine große Rolle. Problematisch ist der schwache Euro unter anderem dann, wenn ein großer Teil an Vorprodukten oder Rohstoffen im Fremdwährungsgebiet eingekauft wird. Diese verteuern sich dann in dem Maße, in welchem der Euro schwächer wird. Allerdings scheint von Rohstoffen im Moment keine Gefahr auszugehen. Der Ölpreis der für den europäischen Markt wesentlichen Marke Brent ist fast so niedrig wie während der Finanz- und Wirtschaftskrise. Da davon auszugehen ist, dass die Wertschöpfung von vielen Hidden Champions zu einem überwiegenden Anteil in Deutschland angesiedelt ist, sollte auch die Verteuerung beim Einkauf von Vorprodukten nicht in einem hohen Maße dämpfend wirken.

Wie wird sich diese Entwicklung mittelfristig für deutsche Weltmarktführer auswirken?

Mittelfristig könnte sich die Situation etwas eintrüben. Länder außerhalb der Eurozone, die über einen großen Exportsektor verfügen, werden es schwieriger haben in die Eurozone zu liefern. So muss zum Beispiel ein Deutscher Importeur von Schweizer Messtechnik heute mehr Euro bezahlen, um die gleiche Menge Schweizer Franken zu bekommen, als noch vor einem Jahr. Damit verliert die Schweizer Exportwirtschaft an Wettbewerbsfähigkeit. Es ist fraglich, ob Unternehmen das über einen längeren Zeitraum ohne weiteres kompensieren können. Wenn sich dadurch das wirtschaftliche Klima insgesamt eintrübt, dann kann sich dies auch negativ auf unsere Weltmarktführer auswirken, da die Nachfrage nach den Produkten zurückgeht. Der wissenschaftliche Diskurs um den „richtigen“ Wechselkurs ist vielschichtig und hat keine klare Antwort; meine Erfahrung aus 15 Jahren Währungsunion führt zu dem Schluss, dass es hier auch kein klares Richtig oder Falsch gibt, denn viele reale Faktoren wie Produktivität und Qualität, haben ebenfalls entscheidenden Einfluss.

Könnte der schwache Euro die Konjunktur sogar ankurbeln?

In Ländern wie Frankreich, Italien und auch Portugal oder Spanien sollte das mit einer hohen Wahrscheinlichkeit zumindest in der kurzen Frist der Fall sein. Mittel- bis langfristig, das hat die Zeit vor dem Euro bewiesen, lassen sich strukturelle Schwächen durch Abwertung jedoch nicht überwinden. Für die innovationsstarken und spezialisierten Hidden Champions ist es daher wahrscheinlich ein positiver Nebeneffekt. Für diese Unternehmen spielen das Investitionsklima und die Konjunkturaussichten in wichtigen Absatzmärkten eine entscheidende Rolle. Denn unter den deutschen Exporteuren befinden sich viele innovationskräftige Unternehmen mit einem hohen Spezialisierungsgrad. Ihre Produkte sind nicht ohne weiteres austauschbar.

Redaktion: Sebastian Stephan Hoffmann, Melanie von Marschalck

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