Negative Zinsen. Warum viele Unternehmen betroffen sind.

Negative Zinsen. Warum viele Unternehmen betroffe...

Quelle: KPMG Corporate Treasury News, Ausgabe 40, Februar 2015   Spätestens seit einige Banken sogenannte Strafzinsen auf Guthaben eingeführt haben, ist das niedrige Zinsniveau zum Thema geworden. Doch dies hat nicht nur Auswirkungen darauf, wie Gelder angelegt werden können oder kurzfristige Liquidität geparkt werden kann. Der 1M-Euribor hat Anfang des Jahres zeitweise unter Null notiert und der 3M-Euribor ist nur noch wenig davon entfernt.

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Dies kann erhebliche Auswirkungen auf bestehende und kommende Geschäfte haben:

Darlehen

Gerade bei kürzlich abgeschlossenen Darlehen sichern sich die Banken dagegen ab, bei negativen Zinsen draufzuzahlen. Daher wird im Vertrag festgelegt, dass der fixierte Euribor-Zinssatz nicht kleiner als Null werden kann. Das Darlehen enthält somit einen Floor und es muss nach IAS 39 AG33 (b) untersucht werden, ob dieser trennungspflichtig ist. Dies wird der Fall sein, wenn bereits bei Abschluss der relevante Zinssatz negativ ist.

Zinsswaps

Viele Unternehmen haben Zinsswaps im Bestand, deren variable Seite auf dem Euribor basiert. Bei einer Absicherung von variabel verzinsten Darlehen erhält das Unternehmen aus dem Swap variable Zinsen. Je nach Ausgestaltung des Vertrags kann dies somit dazu führen, dass das Unternehmen sowohl aus dem fixen Receiver leg als auch aus dem variablen Payer leg einen Cash Flow erhält. Bei einer automatisierten Verbuchung durch ein Treasury System sollte daher überprüft werden, ob diese Konstellation im Treasury System korrekt gebucht wird.

Hedge Accounting

Wird die Konstellation eines variabel verzinslichen Kredits mit einem Zinsswap in einem Cash Flow Hedge nach IFRS abgebildet, so liegt die Effektivität häufig in der Praxis bei etwa 100%. Enthält das Darlehen jedoch eine Ver-tragsklausel die verhindert, dass der Zins negativ werden kann und diese Klausel ist nicht spiegelbildlich im Swapvertrag enthalten, kann dies schnell zu Ineffektivitäten führen. Aufgrund der prospektiven Effektivitätsmessung kann es sogar passieren, dass der Hedge zu dedesignieren ist. Der Grund dafür ist, dass ein Sinken des Zinsniveaus unter Null beim derzeitigen Zinsniveau als ein wahrscheinliches Szenario angenommen werden kann und dieses nicht per se ausgeschlossen werden darf. Das hypothetische Derivat muss jedoch analog zum Grundgeschäft einen Floor enthalten.

Anhangangaben

Im IFRS 7 ist unter anderem geregelt, dass ein Unternehmen dazu Angaben machen muss, inwiefern ein Unternehmen von Änderungen des Zinsniveaus betroffen ist. Als erstes muss dafür natürlich bekannt sein, bei welchen Kreditverträgen ein Floor enthalten ist. Oft stellt man fest, dass dafür zunächst alle Verträge gesichtet werden müssen. Eine händische Berechnung der Zinssensitivität ist dann aber für Kreditverträge schnell erledigt. Neube-wertungen von Derivaten in Treasury Systemen mit geshifteten Zinskurven zur Ermittlung von Zinssensitivitäten müssen aber sorgfältig dahingehend untersucht werden, ob negative Zinsen korrekt berücksichtigt werden.

Autor: Andrea Monthofer, Manager

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