Erst der Rubel, dann der Franken...

Erst der Rubel, dann der Franken – was tun, wenn ...

Was tun, wenn Währungen schwanken?

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Quelle: KPMG Corporate Treasury News, Ausgabe 40, Februar 2015  

Bei der Zeitungslektüre am Morgen des 16.01.2015 dürften sich einige Bürgermeister deutscher und österreichischer Kommunen gefühlt haben, wie ein Karnevalsjeck am Aschermittwoch -­ ernüchtert. Tags zuvor hatte die Meldung der Schweizer Nationalbank, den Mindestkurs des Schweizer Franken von 1,20 Euro nicht länger zu verteidigen, eine wahre Kurslawine ausgelöst.

In der Folge hinterließen vor Jahren wegen ihrer günstigen Zinsen aufgenommene Fremdwährungskredite in Schweizer Franken Spuren der Verwüstung in den Finanzen der Kommunen. Pikant daran ist, dass die FX-Risiken der Kredite in einigen Kommunen offensichtlich unbekannt waren, bevor „das Kind in den Brunnen gefallen“ war – was entsprechend unangenehme Nachfragen der Medien nach sich zog.

Doch auch an Industrie- und Handelsunternehmen, die Transaktionsrisiken in der Regel gegen Wechselkursschwankungen abgesichert haben, ging die unerwartete Freigabe des Franken nicht spurlos vorüber. Insbesondere bei Unternehmen mit Produktionsstandorten in der Schweiz und hohem Anteil von Exporten in die Eurozone drückt ein langfristig starker Franken auf die Profitabilität und rückt das Währungsmanagement in den Fokus des CFO. Damit gehen dann auch Fragestellungen zu Translationsrisiken und ökonomischen Risiko einher.

Die Beispiele zeigen: Um Überraschungen zu vermeiden und jederzeit aussage- und handlungsfähig zu sein, ist es Zeit, die bestehenden Prozesse und Strategien im Währungsmanagement auf den Prüfstand stellen.

Erster Ansatzpunkt sollte dabei die Exposure-Ermittlung als Fundament des Währungsmanagements sein, dessen hohe Qualität sichergestellt sein muss. Entsprechend sollte der zugehörige Prozess von der Meldung (korrekt, zeitnah, vollständig) durch die dezentralen Einheiten über deren Backtesting im Zeitablauf bis hin zur Aggregation (fehlerfrei, methodisch konsistent) präzise und wirksam ausgestaltet sein.

Dabei ist es unerlässlich, dass sowohl die direkten als auch die indirekten Effekte über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg betrachtet werden. Es kommt nicht selten vor, dass beispielsweise Währungsrisiken der Einkaufspreise abgesichert werden, obwohl diese Einflüsse über die Absatzpreise überwälzt werden, und sich das Unternehmen im Vergleich zum Wettbewerb durch eine einseitige Absicherung das Risiko erst ins Haus holt.

Außerdem sollten Risikoneigung und Risikotragfähigkeit überprüft und gegebenenfalls adjustiert werden, um entscheiden zu können, ob die Kosten einer Absicherung eingegangen werden sollen. Synchron sollten die ein-gesetzten Risikomaße auf ihre Eignung hin untersucht und ausgefeiltere Methoden (beispielsweise CfaR) ersetzt werden, bevor Änderungen an der Sicherungsstrategie oder den eingesetzten Sicherungsinstrumenten vorgenommen werden.

Wie in einem früheren Newsletterbeitrag bereits aufgezeigt war, ist beispielsweise die erheblich angestiegene Volatilität des Rubels ein Warnzeichen für ein weiteres starkes Veränderungspotential. Auch bei bisherigem Verzicht auf eine Sicherung aufgrund der erheblichen Zinskosten (und der dadurch empirisch vorteilhafteren Abwicklung zum Kassakurs) hätten bei entsprechendem Risikomonitoring mittels dieses Marktindikators eine situationsbedingte Absicherung umgesetzt und in vielen Fällen erhebliche Verluste aus ungesicherten Positionen vermieden werden können.

Insbesondere in Bezug auf die Sicherungsinstrumente ist auf eine Übereinstimmung mit dem individuellen Risikoprofil des Unternehmens zu achten. Ein verstärkter Einsatz von Optionen kann zu teuer werden, wenn nicht aufgrund eingehender Analysen der Ausübungspreis so gewählt wird, dass die Optionsprämien in Summe niedriger sind als die Opportunitätsverluste bei einer alternativen Absicherung mit Termingeschäften.

Aufgrund seiner Bedeutung als Entscheidungsgrundlage und Basis für Kapitalmarktkommunikation kommt der Durchleuchtung des Management-Reportings ebenfalls eine wichtige Rolle zu. Dabei darf das Währungsmanagement nicht isoliert betrachtet werden, sondern es müssen Interdependenzen zum Beispiel zum Liquiditätsmanagement oder der Unternehmensfinanzierung (unter anderem Sicherung von Translationsrisiken im Rahmen der Steuerung von Debt Covenants) ersichtlich sein.

Richtig aufgestellt erhöht das Währungsmanagement die Planungssicherheit im Risikohorizont, senkt die Wahrscheinlichkeit extremer Ergebniseffekte und unterstützt im Rahmen der Kapitalmarktkommunikation – kurz: es hilft Ernüchterung zu vermeiden.

Autor: Johannes Goebel, Manager, JohannesGoebel@kpmg.com

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