Einmal Abfall und zurück

Einmal Abfall und zurück

Aus unedlen Metallen Gold machen – das versuchten die Alchimisten im 17. Jahrhundert und scheiterten. Aus Müll Geld machen – im 21. Jahrhundert gelingt das hervorragend. Was früher Müll war, unbrauchbar und wertlos, ist heute zum größten Teil Wertstoff. Das Abfallprodukt wird zum Rohstoff und tritt wieder in den Wirtschaftskreislauf ein – das ist die Idee von Recycling. Und ein Beispiel, wo Wirtschaft anders gedacht wurde.

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Mülldeponie

Konsum bedeutet Müll, denn am Ende der Verbrauchskette bleibt immer etwas übrig. Aus der Kette einen Kreislauf zu machen, aus dem Abfallprodukt wieder einen Rohstoff machen und an den Anfang stellen – dieses Umdenken begründet einen neuen Wirtschaftszweig. Was früher einfach Müllbeseitigung war, ist heute fachgerechte und ökologische Entsorgung, vor allem aber Verwertung und Recycling. Müll bringt vielen Unternehmen hohe Gewinne und ist deshalb ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, auch wenn Umweltschutz und Ressourcenschonung das hehre Ziel waren.

Zahlen zeigen, wie viel Geld man aus Müll machen kann. Der aktuelle Branchenreport Abfallentsorgung und Rückgewinnung ist beeindruckend. Im Jahr 2013 generierten knapp 6.000 Entsorgungsunternehmen in Deutschland mit rund 160.000 Mitarbeitern einen Umsatz von 36,8 Milliarden Euro. Die Prognose bis 2016 ist positiv: weiteres Wachstum von über vier Prozent auf 41,1 Milliarden Euro. Damit ist Deutschland Spitzenreiter in Europa.

Große Entsorgungsunternehmen wie Remondis oder ALBA haben ihre Geschäftsmodelle überdacht und sind jetzt wichtige Rohstofflieferanten. So sparte die ALBA Group 2013 mit der Wiederaufbereitung von über 6,2 Millionen Tonnen verschiedener Wertstoffe insgesamt rund 51 Millionen Tonnen Primärressourcen ein, die demnach nicht der Umwelt entnommen werden mussten. Für seine Kreislaufstrategie “REMONDIS.Rohstoffwende” wurde Deutschlands größtes Entsorgungsunternehmen wiederholt mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis ausgezeichnet – für moderne und effiziente Recyclingverfahren und für die Gewinnung innovativer Energieträger.

Aber nicht nur mit Entsorgung und Rückgewinnung von Müll wird Umsatz gemacht. Müll inspiriert sowohl Gründer als auch gestandene Unternehmer zum Umdenken. Nachhaltige Alternativen zum Wegwerfen sind längst salonfähig: Leihen, Tauschen, Teilen, Upgrading, Upcycling, Precycling. Es entstehen innovative Geschäftsmodelle – und Arbeitsplätze. Hier eine Auswahl aus aller Welt:

Kleidung aus Festivalmüll

Withintent schneidert aus den Unmengen an zurückgelassenen Zelten wind- und wasserdichte Kleidung – perfekt geeignet für Festivals!

3D-Druck-Filamente aus Ozean-Müll

The Plastic Bank wandelt die Kunststoffabfälle, die ihre Mitarbeiter an Stränden sammeln, in Filamente für 3D-Drucker um. Damit schafft das Unternehmen Arbeitsplätze in vielen armen Regionen der Welt – und leistet einen wertvollen Beitrag zur Sauberkeit der Ozeane und zum Schutz der Meeresbewohner.

Plattform für nachhaltigen Konsum und Kaufberatung

Utopia ist die führende Internet-Community für nachhaltigen Konsum und bietet Verbrauchern Information, Orientierung und den Dialog mit Unternehmen.

Pfandfreie Mehrwegbecher und nachhaltige Events

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Umweltfreundliche Lebensmittel-Verpackungen

Im Online-Shop greenbox bietet Bionatic ein Sortiment von über 400 verschiedenen umweltfreundlichen Verpackungen und Serviceprodukten für Food-Services und Catering.

Alte Autos günstig vermieten

Schrottmietwagen.de vermietet alte, aber verkehrssichere Autos monatsweise zu Niedrigpreisen.

Recycling und Upcycling und ein gutes Image

TerraCycle sammelt schwer recycelbare Verpackungen und Produkte und stellt daraus neue, umweltfreundliche Produkte her.

Gute Ideen werden auch vom Verbraucher angenommen. Das Umweltbewusstsein der Konsumenten hat sich in den vergangenen Jahren nicht nur durch den Klimawandel stark verändert und zu einem Umdenken im Konsumverhalten geführt. „Einwegprodukte und kurzlebige Gebrauchsgüter haben zunehmend ausgedient“, sagt Mark Sievers, Partner und Head of Consumer Markets bei KPMG in Deutschland. „Der allgemeine Bio- und Nachhaltigkeitstrend hat die Konsumenten sensibilisiert und die „Umweltbewegung“ macht auch vor der Verpackung nicht halt. Die aktuellen Ansätze gehen über Mülltrennung und Recycling hinaus – Müllvermeidung, klimaneutrale Produktion, nachhaltige oder sogar kompostierbare Materialien sind nur einige Stichworte, und auch der verpackungsfreie Einkauf erlebt ein Revival.“

 

Weitere Beiträge aus dem Themenspezial „Wirtschaft anders denken“:

Müll in Zahlen – Infografik

Wirtschaftswachstum und Nachhaltigkeit – passt das zusammen?

Teamkapitän und Moderator – was Manager von morgen können müssen

 

Redaktion: Daniela Looft

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