Wirtschaftswachstum und Nachhaltigkeit – passt das zusammen?

Wirtschaftswachstum und Nachhaltigkeit

Wirtschaftswachstum ist auf Dauer ohne Nachhaltigkeit nicht möglich. Nur der sparsame Einsatz der natürlichen Ressourcen sichert langfristig die Lebensgrundlagen der Menschheit. In einer globalisierten Welt lässt sich wirtschaftliche Entwicklung einzelner Länder oder Regionen aber nicht von dem Rest abkoppeln. Kann Nachhaltigkeit ein Wettbewerbsvorteil sein?

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Das Prinzip der nachhaltigen Entwicklung verlangt eine schonende Nutzung natürlicher Ressourcen. Ebenso einen verantwortlichen und fairen Umgang mit Menschen sowie den Verzicht auf eine unangemessene Belastung künftiger Generationen. Für viele Menschen steht fest: Es muss sich etwas ändern, im Umgang mit unseren Lebensgrundlagen. Ein Trend, nicht nur in den westlichen Industrienationen: Auch in den sich erst in den letzten Jahrzehnten industrialisierenden Ländern wie zum Beispiel China fordern Bürger mehr Nachhaltigkeit – als Resultat eines rasanten wirtschaftlichen Wachstums, welches mit verheerenden Umweltschäden erkauft wird. Wirtschaftswachstum auf Kosten der Lebensgrundlagen wird zunehmend kritisch hinterfragt.

Auf der diesjährigen Grünen Woche in Berlin stand Nachhaltigkeit hoch im Kurs, die Biohalle war ein Publikumsmagnet. Bio-Lebensmittel werden von der gesellschaftlichen Mitte nachgefragt, gehören auch beim Discounter zum Standardsortiment. In 2013 stieg der Umsatz bei Bio-Lebensmitteln um 7 Prozent. Eine Kundennachfrage, die sich zunehmend auch in anderen Warensegmenten manifestiert: zum Beispiel zeigten auf einer Modenschau im Rahmen der Grünen Woche junge Designerinnen und Designer wie sie Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Verantwortung umsetzen wollen. Auch auf der kürzlich zu Ende gegangenen Berliner Fashion Week gab es einen Green Showroom – ökologische Kleidung sieht heute nicht mehr nach Öko-Klamotte aus.

Stakeholder treten neben Shareholder
Unternehmen müssen auf diesen Wertewandel der Konsumenten reagieren, nur so bleiben sie weiterhin erfolgreich. Stand bisher nur die Maximierung des kurzfristigen finanziellen Gewinns im Vordergrund, sind Unternehmen nun mit einem Dreiklang konfrontiert: Wie kann der Unternehmenswert unter Berücksichtigung von ökologischen, sozialen und finanziellen Aspekten verbessert werden? Neben den Shareholder treten „gleichberechtigt“ die Interessen verschiedener Stakeholder. Denn inzwischen ist offensichtlich und erwiesen: Die wahren Kosten eines Produkts setzen sich nicht nur aus den Kosten von z.B. Produktion, Logistik oder Werbung zusammen – hinzu gerechnet werden müssen auch externe Effekte, die sogenannten Externalitäten. Denn woher das Coltan für die Handy-Produktion stammt, wieviel CO2 ein Auto ausstößt und welche Kosten bei der Entsorgung eines alten Elektrogeräts entstehen – die Folgekosten der Produktion sind nicht vernachlässigbar.

Externe Umweltkosten betrugen beispielsweise nach einer Studie von Truecost im Jahr 2010 durchschnittlich 41 Cent pro US$ Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen:

Bisher haben diese Kosten nur eine geringe Auswirkung auf den Produktpreis – denn externe Umweltkosten werden in den meisten Fällen „vergesellschaftet“.

Aber eine zunehmende Regulierung, ein sich veränderndes Konsumverhalten, ein zunehmender Trend zu Nachhaltigkeit im Wettbewerb oder Druck auf das Reputationsmanagement durch NGOs verdeutlichen: Die Notwendigkeit für Unternehmen wächst, für die Folgen ihres Agierens zu bezahlen oder ihr Verhalten zu ändern.

Ein Beispiel ist hierfür die Automobilindustrie: Aktuell sind die CO2-Grenzwerte für Neuwagen das wichtigste Instrument der EU, um eine weitere Reduktion der Emissionen im Straßenverkehr zu erreichen. Zwar kommt der ursprünglich für 2020 geplante Grenzwert von 95 Gramm pro Kilometer durch die Proteste der Automobilindustrie ein Jahr später – aber er kommt. Und bei den Kunden kommen Autos mit einem geringeren CO2-Ausstoß gut an. Nicht nur aufgrund des Umweltgewissens, sondern auch weil es sich monetär auszahlt: Die Kfz-Steuer belohnt einen geringen Schadstoff-Ausstoß.

Unternehmenswert wird neu definiert
Ökologische und soziale Aktivitäten erzeugen leider keinen Unternehmenswert per se. Ein nachhaltiger Business Case muss aktiv entwickelt werden. Und auch bei ihm steht ein „klassisches“ Ziel im Fokus: Die Schaffung eines langfristigen Shareholder Value durch mehr Umsatz und weniger Kosten – unter und durch Berücksichtigung der hinzugetretenen Stakeholder-Interessen.

Wichtige Maßnahmen zur Erreichung eines nachhaltigen Business Case sind daher insbesondere:

  • Produktverbesserungen und Innovationen
  • Kostenreduzierung
  • Risiko- und Chancenmanagement
  • Reputationsmanagement
  • Markenmanagement
  • Employer Engagement

Diese Maßnahmen schlagen sich auch in den Bewertungen und Ratings der Analysten nieder. Mainstream-Analysten und Investoren achten verstärkt auf ein überzeugend nachhaltiges Geschäftsmodell. Ein solches wird zunehmend als Indikator für die Qualität der Geschäftsführung angesehen, ist also entscheidend für den künftigen Geschäftserfolg.

Nachhaltigkeitsmanagement ist somit eigentlich aktives Performance Management. Die Integration der Erwartungen von Kunden, der Gesellschaft und weiterer Stakeholder in die eigenen Prozesse ist ein aktiver Wertbeitrag für Unternehmen. Nur wenn die Wechselbeziehungen zwischen den Unternehmensaktivitäten und der Gesellschaft in den verschiedenen Dimensionen (Ökonomie, Ökologie und Soziales) integrativ betrachtet werden, können aus den großen gesellschaftlichen Herausforderungen, wie z.B. Klimawandel oder Urbanisierung, Nutzenpotentiale für Unternehmen entstehen. Sie sind die Basis für allgemeines nachhaltiges Wirtschaftswachstum.

Innovationen sind zumeist der Weg zu mehr Nachhaltigkeit. Gerade bei Startup-Unternehmen ist eine nachhaltige Unternehmensphilosophie oft nicht nur Beiwerk, sondern aktives Verkaufsargument wenn nicht gar Geschäftsidee. Nachhaltiges Wirtschaften kann aber auch durchaus traditionell daher kommen: Der Deutsche Nachhaltigkeitspreis 2014 ging an die Firma Miele. Zum einen, da Miele die Nachhaltigkeit der eigenen Zulieferer bewertet. Auch wurde die Transparenz im Nachhaltigkeitsbericht hervorgehoben. Eines der Vergabeargument war aber ganz klassisch: Die angestrebte lange Lebensdauer der Haushaltsgeräte.

 

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