Schwäbisch-Hall als Mini-Davos

Schwäbisch-Hall als Mini-Davos

Wie lässt sich für mittelständische Unternehmen Zukunftsfähigkeit sichern? Wie können sie Wachstumspotenziale realisieren? Diese Fragen beantworteten deutsche Weltmarktführer bei ihrem alljährlichen Gipfeltreffen in Schwäbisch Hall. Es wurde ein wichtiges Treffen mit Top-Entscheidern aus Wirtschaft und Politik.

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Schwäbisch Hall

Von den Besten lernen, war das Motto das dreitägigen Treffens. Das konnten die 500 Teilnehmer in der Tat. Denn in die beschauliche Kreisstadt war die erste Riege der Unternehmenslenkern deutscher Weltmarktführer gekommen, die meisten von ihnen Familienunternehmer. Darunter das Who is Who der Top-Entscheider von Timotheus Höttges, deutsche Telekom, Matthias Müller, Porsche, über EU-Digitalkommissar Günther Oettinger bis hin zu den Unternehmerlegenden DM-Gründer Götz Werner und Jörg Sennheiser. Viele Redner waren davor schon in Davos zum Weltwirtschaftsgipfel. Mitorganisator Walter Döring hatte deshalb in der Vergangenheit den Begriff Mini-Davos für den Weltmarktführer-Gipfel geprägt, der bereits zum 5. Mal stattfand.

Nachwuchs fordert maßgeschneiderte Arbeitsplätze

Für mittelständische Unternehmen heißt Zukunftsfähigkeit, die besten Fachkräfte zu bekommen – das zeichnete sich auf dem Treffen bald als dringendste Aufgabe ab. Unternehmenslenker nannte dabei als Best Practice immer wieder Mitarbeiterzufriedenheit. Um Fachkräfte in die „Ballungszentren der Weltmarktführer“ wie Ostwestfalen oder Schwaben zu bekommen, müssen sich die Arbeitgeber stark engagieren. Dierk Mutschler, Vorstand des Stuttgarter Bauprojektierer Drees & Sommer, sagte: „Die Generation Y fordert maßgeschneiderte Arbeitsplätze.” Einige mittelständische Weltmarktführer versuchen über Wettbewerbe wie „Bester Arbeitgeber“ auf sich aufmerksam zu machen, gut ausgebildete Frauen nach der Familienzeit ins Arbeitsleben zu integrieren oder Fachkräfte aus dem Ausland anzuziehen.

Von „Made in Germany“ zu „Made by Germany“

Doch deutsche Familienunternehmen suchen nicht nur in Deutschland nach dem passenden Nachwuchs. Einige betreiben Forschungs- und Entwicklungsabteilungen zum Beispiel in Indien. Auch das fördert die zunehmende Internationalisierung der hiesigen Weltmarktführer. Und auch die Produktionsprozesse finden oft nicht mehr in Deutschland statt. Dennoch müssen die Qualitätsstandards gehalten werden. Denn wer Weltmarktführer ist, will Weltmarktführer bleiben und gemessen wird man an der Qualität. So erklärt Jörg Sennheiser, Aufsichtsratsmitglied von Sennheiser: „Made in Germany wird abgelöst durch Made by Sennheiser. Die Marke muss Verantwortung tragen“. Der Familienunternehmer will das Qualitätslabel „Made by Germany“ genauso positiv aufladen wie „Made in Germany“.

Weckruf für den deutschen Mittelstand

Zum Thema Digitalisierung und Entwicklung Industrie 4.0 gab es einen Rüffel für den deutschen Mittelstand. Schon in Davos hatte Bundeskanzlerin Merkel bemängelt, dass bei der Verschmelzung von industrieller Produktion mit dem Internet die hiesige Industrie hinterherhinke. Timotheus Höttges, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Telekom kritisierte in Schwäbisch Hall: “Bei der Softwareoptimierung für die Industrie 4.0 sind Sie sehr gut aufgestellt, aber die Wertschöpfung geht doch an den Deutschen vorbei.” Auch der protokollarisch ranghöchste Gast, der Digitalkommissar Günther Oettinger, nörgelte: „Die Deutschen sind datenschutzhysterisch“. Der ehemalige Ministerpräsident von Baden-Württemberg und CDU-Politiker präsentierte sich als Verfechter einer glasklaren Industriepolitik. Um den Unternehmen die Möglichkeit zu digitalen Geschäften zu erhalten, forderte er ein EU-weit einheitliches Datenschutzrecht.

Digitale Nachhilfe

Eine bessere Start-up-Kultur könnte bei der wirtschaftlichen Zukunftsfähigkeit helfen, doch auch da benötigt Deutschland Nachhilfe. Der Präsident des Zentralverbands der Elektroindustrie (ZVEI) Michael Ziesemer beanstandete: „Derzeit gibt es hierzulande nur 5.000 Gründungen pro Jahr. In den USA sind es hingegen 200.000.“ Das Treffen in Schwäbisch Hall hat daher sicherlich den ein oder anderen Unternehmen aufgeweckt, die Industrialisierung 4.0 nicht zu verschlafen. In einem Jahr findet der nächste Gipfel der Weltmarktführer statt. Bis dahin hat der Mittelstand viele digitale Hausaufgaben auf.

 

Gipfeltreffen der Weltmarktführer

Der Kongress findet seit 2011 in Schwäbisch Hall statt. Veranstalter sind der frühere baden-württembergische Wirtschaftsminister Walter Döring sowie Managementexperte und Herausgeber Weltmarktführerlexikons Bernd Venohr zusammen mit der Wirtschaftswoche. KPMG ist Partner des Gipfeltreffens. In diesem Jahr verzeichnete das Treffen mit ca. 500 Besuchern einen neuen Teilnehmerrekord.

Redaktion: Melanie von Marschalck

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