Teamkapitän und Moderator – was Manager von morgen können müssen

Was Manager von morgen können müssen

Digitalisierung, Globalisierung, Individualisierung: Die weltweite Wirtschaft befindet sich in einem dramatischen Wandel. Daran müssen sich die Führungskräfte von morgen anpassen, wenn sie erfolgreich sein wollen. KPMG-Expertin Anke Dassler nennt drei Eigenschaften, mit denen Chefs diese Herausforderungen meistern.

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Teamkapitän

Sie hatten Macht, sie hatten Wissen, sie hatten Visionen – und teilten diese nicht: Die erfolgreichen CEOs von gestern waren oftmals egoistische Alphatiere, die wenig Platz für Andersdenkende und Erfolg im Team ließen. Doch die Manager-Generation von morgen muss eine ganze andere sein, wenn sie erfolgreich sein will. Aber was genau muss sie können? Eine essentielle Frage, die auch die Entscheider aus Wirtschaft und Politik auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos bereits ausführlich diskutierten.

Fakt ist: In Deutschland gibt es weder einen allgemein anerkannten Kompetenzkanon für Führungskräfte, geschweige denn ein einfaches Rezept, nach dem diese ausgebildet werden. Und auch für den internationalen Raum kritisierte jüngst Jonas Prising, CEO der ManpowerGroup: There is no CEO school.

Dennoch gibt es ein paar Eigenschaften, die für die Chefs von morgen essentiell sind.

Starke Psyche und Lust an Innovation

Dazu gehört zum einen die Freude am Wandel. Denn der steigende Wettbewerb an den Märkten durch Globalisierung und Digitalisierung bedingt immer schneller werdende Innovations- und Produktionszyklen. Auch Kunden stellen zunehmend höhere Erwartungen – an Qualität, Service und die Transparenz.

Manager müssen also schnell mit neuen und auch unerwarteten Situationen umgehen können. Das erfordert einen hohen Grad an Flexibilität und Anpassungsfähigkeit. Außerdem darf der Spaß am Neuen nicht fehlen. Die Anforderungen sind groß – wer also keine Lust auf Innovationen hat – wird das hohe Tempo langfristig nicht halten können.

Dies bedingt auch, dass die psychische Widerstandsfähigkeit der Manager stark sein muss. Wer keinen Weg findet, dem ständigen Wandel mental robust zu begegnen – sei es z.B. durch Sport oder die Familie – gelangt schnell unter die Räder. Nicht umsonst sind Depressionen und Burn-Out häufig beschriebene Phänomene unserer Leistungsgesellschaft.

Wir-Gefühl statt Geld

Auch die Personalpolitik wird sich massiv verändern. Als Ursache wird hierbei häufig der demografische Wandel in den westlichen Teilen der Welt genannt, der die Suche nach verfügbaren Talenten erschwert. Dieser Trend wird verstärkt durch die Globalisierung, grenzüberschreitende Zusammenarbeit wird zum Standard.

Eine noch größere Rolle spielt jedoch die Individualisierung, insbesondere die Art und Weise, wie Arbeitnehmer denken und handeln. Die Grenzen zwischen Privatleben und Arbeit verringern sich, Mitarbeiterloyalität ist keine verlässliche Größe mehr. Umgekehrt geben Mitarbeiter alles, wenn sie vom Team und „der Sache“ begeistert sind – und zwar unabhängig von der finanziellen Vergütung. Ein schönes Beispiel sind Startups, die trotz eingeschränkter finanzieller Möglichkeiten regelmäßig Top-Talente für sich gewinnen können.

Für Manager bedeutet dies, dass sie Teams mit Menschen verschiedenster Charaktere, Kulturen – und sogar Sprachen zusammenbringen und als ein Team führen müssen. Gleichzeitig müssen sie in der Lage sein, Visionen zu transportieren und das Team auf den Erfolg einzuschwören. Um das zu schaffen, müssen sie über extreme soziale Kompetenz, Empathie und emotionale Intelligenz verfügen. Sie müssen auf Menschen zugehen und ein Gefühl der Gemeinsamkeit und der Zugehörigkeit schaffen können. Begeisterungsfähigkeit und Optimismus statt Mikromanagement sind an der Tagesordnung. Für Alphatiere wird es deshalb in Zukunft schwieriger.

Macht verteilen, Kompetenzen nutzen, ehrlich handeln

Die immer schnellere Digitalisierung wird außerdem dazu führen, dass junge hochflexible Mitarbeiter digitale Neuerungen schneller verstehen – vielleicht sogar deutlich früher kennen, als ihre Vorgesetzten. Da gilt es, die besonderen Fähigkeiten einzelner Teammitglieder für sich zu nutzen – und gleichzeitig zuzulassen, dass Mitarbeiter wissen, dass auch sie mit ihrem Können über Macht verfügen.

Ergänzend dazu erhöht die Digitalisierung die Transparenz und entblößt den wahren Charakter der Führungskräfte. Informationen verbreiten sich in Windeseile, kleinste Fehler können sich in sozialen Netzwerken zu einem wahren Sturm entwickeln. Alles wird sichtbar. Dem können Manager nur mit Authentizität und ethischem Handeln begegnen. „Walk the talk“ – „Worten Taten folgen lassen“ – das ist entscheidend für erfolgreiches Management.

Keine CEO-Schule

Noch ist wenig greifbar, inwieweit Unternehmen ihre Manager in den genannten Aspekten tatsächlich ausbilden. Auch ein Blick in die deutsche Hochschullandschaft bietet wenig Alternativen, sich auf den Wandel vorzubereiten. Zu stark noch liegt der Fokus auf den klassischen Konzepten zur Unternehmens- und Personalpolitik. Erschwerend kommt hinzu, dass Begeisterungsfähigkeit, Wärme und Freude an Veränderungen nur begrenzt erlernbar sind.

Die Herausforderung für Unternehmen ist deshalb, die richtigen Persönlichkeiten zu fordern und zu fördern. Dies lassen die derzeitigen Strukturen allerdings nur begrenzt zu. Zu oft entscheidet das Bauchgefühl der Manager darüber, wer sich als Nachwuchs eignet. Hier ist große Vorsicht geboten, ob die derzeitigen Auswahlprozesse wirklich die Kompetenzen der Zukunft zu Tage bringen. Nicht umsonst arbeiten große Konzerne daran, die Zukunft ihres Unternehmens nicht mehr Einzelinterviews oder Assessment Centern zu überlassen.

Unternehmer tragen also die große Verantwortung dafür, die Teamplayer mit Führungspotential selbst zu erkennen und entsprechend auszubilden. Dies ist eine große Aufgabe und erfordert bereits heute Umdenken in der Personalpolitik. Die Zeit ist reif für eine neue Generation an Führungskräften – der Erfolg wird ihnen Recht geben.

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