Die Währungsspekulanten sind zurück

Die Währungsspekulanten sind zurück

Die Freigabe des Franken zum Euro durch die Schweizer Notenbank hat für Verwerfungen an den Märkten gesorgt. Die unerwartete Aufwertung des Franken trifft Verbraucher und Institutionen in aller Welt – denn Wechselkurse beeinflussen direkt die Preise der Güter und Dienstleistungen, die international gehandelt werden.

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Wir haben Dr. Daniel Sommer, KPMG-Experte für Financial Risk Management gefragt, warum die Schweizer diesen Schritt vollzogen haben und welche Vor- und Nachteile Währungskopplungen mit sich bringen.

 

Herr Dr. Sommer, warum hat aus Ihrer Sicht die Schweizer Notenbank die Kopplung des Franken an den Euro aufgegeben?

Wie es aussieht, wird der Europäische Gerichtshof der EZB weitgehende Freiheiten für den Ankauf von Staatsanleihen einräumen. Mario Draghi hält die „Bazooka“ zur weiteren deutlichen Schwächung des Euro-Kurses somit geladen in der Hand. Die vergleichsweise kleine Schweizer Notenbank hat wohl keine Chance mehr gesehen, den Wechselkurs des Schweizer Franken gegenüber dem Euro mit weiteren Interventionen am Markt glaubwürdig beeinflussen zu können. In einer solchen Situation ist es besser, man entscheidet schnell, als dass man sich zum Spielball der Spekulanten macht.

Warum hatte die Schweiz ihre Währung bisher an den Euro gebunden?

Die Antwort erschließt sich, wenn man auf den deutlichen Absturz des Schweizer Aktienmarktes der letzten Tage blickt. Die Schweiz ist wirtschaftlich aufs engste mit der Europäischen Union verflochten. Durch den deutlich gestiegenen Kurs des Franken gegenüber dem Euro wird die Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Wirtschaft gegenüber dem Euroraum deutlich belastet. Das hätte die Schweizer Notenbank sicher gerne vermieden.

Oft enden Währungskopplungen negativ, wie z.B. das Beispiel Argentinien zeigt. Ein Auslaufmodell?

Wenn die sonstigen Wirtschaftsdaten nicht mit den Wechselkursen in Einklang zu bringen sind, sind Wechselkurskopplungen durch eine Zentralbank auf Dauer nie durchzuhalten. Dabei ist es sicher leichter, die eigene Währung durch Intervention zu schwächen als sie zu stützen. Insofern sind die Fälle von Argentinien und der Schweiz nicht ganz vergleichbar. Stützungsinterventionen sind langfristig immer zum Scheitern verurteilt, weil der betreffenden Notenbank irgendwann die Währungsreserven ausgehen. Schwächen kann eine Nationalbank die eigene Währung prinzipiell immer durch „Gelddrucken“. Das aber führt bei einer sonst robust wachsenden Wirtschaft möglicherweise zu ungewollten Überhitzungen sowie Inflation – und verbietet sich daher zumeist.

Zeigt sich hier die Problematik der gesamten Euro-Zone, dass Währungen gekoppelt wurden und die Flexibilität der Notenbanken nun fehlt?

Das sehe ich nicht so. Diese Problematik zeigt sich eher in den hohen bis sehr hohen Arbeitslosenzahlen in Spanien, Portugal, Italien, Frankreich und auch Griechenland. Weil diesen Volkswirtschaften die Möglichkeit der einfachen Anpassung aller relativen Preise über den Wechselkursmechanismus genommen ist, kann die Anpassung nur über die Realwirtschaft geschehen. Und das bedeutet: Sinkende Reallöhne, Arbeitsplatzsuche im Ausland, jede Art von strukturellen Anpassungen in der Wirtschaft und den gesetzlichen Rahmenbedingungen sowie Innovation und jede andere Maßnahme zur Stärkung der realökonomischen Wettbewerbsfähigkeit.

Interview: Thorsten Pohl, Redaktion

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