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Energie der Zukunft: Das Undenkbare denken

Keyfacts über Energiewende

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WEF in Davos thematisiert Zukunft der Energiegewinnung • 200 Milliarden IP-fähige Geräte werden innerhalb von 10 Jahren ans Netz gehen • Innovation soll offener Prozess werden

Energie ist Leben. Ihre Erzeugung kostet viel Geld. Sonne, Wind und Biomasse sind genauso wenig umsonst verfügbar wie Kohle, Öl oder Uran. Sie alle müssen mittels Technologie gesammelt und in eine nutzbare Form umgewandelt werden. Welche Energiequellen wir in Zukunft nutzen und welche Kompetenzen der Energiemanager von morgen in seinem turbulenten Umfeld benötigt, ist auch Thema auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos.

Was ist für jeden verantwortlichen Menschen in Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Gesellschaft das Allerwichtigste? Natürlich die Zukunft. Doch die ist weitestgehend ungewiss. Und woher sollen die Energiemanager und Entscheider heute die Kompetenz nehmen, mit der sie morgen die Welt besser machen wollen?

Fachwissen und Weitsicht benötigen Energiemanager heute mehr denn je. In der Branche geht es seit einigen Jahren turbulent zu. Dazu halten Krisen, Katastrophen, Transformation, Disruption, Zukunftsängste und großflächige Umbrüche die Entscheider in Unternehmen und Politik auf Trab. 

Auf der anderen Seite hat die unmittelbare Zukunft der Branche noch nie so viele Chancen der Energiegewinnung, -distribution, -speicherung und der Verbrauchssteuerung von Energie geboten. Die Energiebranche steht an der Schwelle einer neuen Ära. Wichtig wird zudem die Antwort auf die Frage, wie wir den stetig zunehmenden Energiehunger der Welt stillen können. In den Smart Homes der Zukunft gehen in den nächsten zehn Jahren schätzungsweise über 200 Milliarden IP-fähige Geräte ans Netz, die Strom benötigen.

Diese und weitere Zukunftsfragen werfen ernsthafte Bedenken auf: Provoziert das gepriesene Internet der Dinge womöglich den globalen Energiekollaps? Die Internationale Energie-Agentur (IEA) warnte bereits 2013 vor den Schattenseiten dieser Flut an IP-fähigen Geräten und appelliert an „More data, less energy“.

1,3 Mrd. Menschen haben heute noch keinen Zugang zu Strom.

Als Antwort auf die Zukunftssorgen der Energiebranche schlage ich drei Imperative vor:

1. Simplizität: Macht Produkte und Services einfacher! Bis dato ist die Branche auch Geißel ihrer eigenen Komplexität geworden. Künftig werden sich verstärkt diejenigen Unternehmen mit den einfachsten – das heißt, eingängigsten, glaubwürdigsten und wirkungsvollsten – Botschaften, Produkten, Services und Kommunikationsstrukturen durchsetzen.

2. Diversität als Schlüssel der Branchentransformation: Überschreitet gesellschaftliche, kulturelle und Branchengrenzen! Wenn beispielsweise IT-Konzerne Windparks betreiben oder Lizenzen für den Energiehandel beantragen, stürzen Branchengrenzen ein. Die strategische Antwort hierauf lautet nicht Abwehr, sondern Offenheit für neues Denken.

3. Innovation als Hebel des Fortschritts: Innovationsarbeit ist gut, Innovationskultur ist besser! Zukunftsträchtige Innovation ist nicht länger exklusive Angelegenheit von Forschung & Entwicklung, sondern wird zum grenzüberschreitenden Open-Foresight-Prozess, der die Vielzahl an Akteuren und Stakeholdern der gesamten Wertschöpfungskette aktiv einbezieht.

Jedem Menschen auf der Welt Zugang zu elektrischer Energie verschaffen (geschätzte 1,3 Milliarden Menschen haben heute noch keinen Zugang zu Strom), die Vorstellung eines milliardenschweren Crowdfundings für Energietechnologie – für viele sind solche Zukunftsfragen mehr als Utopie. Sie sind aktuell undenkbar. Das muss sich ändern. Denn die Zukunft der Energiebranche hängt an der Frage, wie wir unsere Führungskräfte und Entscheider mit dem nötigen Zukunftsbewusstsein und deren Mitarbeiter mit der benötigten, umfassenden Methodenkompetenz ausstatten.