Treasury und Steuern – Schwierigkeiten in der Kommunikation mit weitreichenden Folgen

Treasury und Steuern

Quelle: KPMG Corporate Treasury News, Ausgabe 38, Dezember 2014   Die fortschreitende Globalisierung mit ihren weitreichenden Effekten auf grenzüberschreitend agierende Unternehmen in Verbindung mit einer engeren Zusammenarbeit der Steuerbehörden weltweit, führt zu immer neuen Herausforderungen über alle unternehmerischen Teilbereiche hinweg.

Verwandte Inhalte

mountaineer

Im Besonderen ist diese Entwicklung für das konzerninterne Treasury zu beobachten, da gerade die Liquiditätssteuerung international operierender Unternehmen nicht ausschließlich operativ Bedeutung findet, sondern auch immer weiter in den steuerlichen Fokus gerückt wird.

Diese Fokussierung ergibt sich aus den weitreichenden Möglichkeiten des Treasury, konzerninterne Leistungsbeziehungen zu gestalten, was in Verbindung mit dem omnipräsenten Thema der steueroptimierten Gewinnverlagerung oder ‚Base Erosion and Profit Shifting‘ (BEPS) verstärkt die Aufmerksamkeit von Finanzbehörden mit sich bringt.

Darauf basierend entstehen häufig steuerliche Risiken, die dem originären Aufgabenfeld des Treasury entspringen und nur vor dem Hintergrund der derzeitigen steuerlichen Entwicklungen identifiziert werden können. Aus unserer Erfahrung stehen dabei Finanzexperten und Steuerexperten eines Unternehmens viel zu selten in einem regen Austausch über die Anforderungen und einschlägigen Regeln. Dabei zeigt sich in der Praxis, dass aus diesem bereichsübergreifenden Dialog heraus regelmäßig trotz der Herausforderungen ein uneingeschränkt positiver Effekt (operativ und steuerlich) für das Gesamtunternehmen entstehen kann.

Der Fremdvergleichsgrundsatz: Komplexer als gedacht.

Aus steuerlicher Verrechnungspreissicht müssen Transaktionen zwischen verbundenen Unternehmen über Ländergrenzen hinweg dem so genannten Fremdvergleichsgrundsatz (arm’s length principle) standhalten. Dieser Grundsatz hat zur Folge, dass alle konzerninternen Finanzierungstransaktionen wie unter fremden Dritten gestaltet und verrechnet werden müssen. Als Beispiele für aktuell diskutierte und in steuerlichen Betriebsprüfungen regelmäßig aufgegriffene Transaktionen können alle Arten von konzerninternen Darlehen, Cash-Pools, Garantiegebühren, aber auch gerade bei Banken die Liquiditätsverrechnung herausgestellt werden. Dabei wird regelmäßig insbesondere auf die Fremdüblichkeit von Darlehenszinsen, die angemessene Aufteilung von Cash-Pool Vorteilen zwischen Cash Pool Master und -Teilnehmern sowie die Verrechnung von Garantie- und Liquiditätsbereitstellungsgebühren abgestellt. Als Resultat birgt der unternehmerische Freiraum in diesen Bereichen grundsätzlich die Gefahr, steuerliche Risiken nicht in die Ausgestaltung der Prozesse mit einfließen zu lassen.

Um die Fremdüblichkeit der ‚Preise‘ von internen Transaktionen zu gewährleisten, wurden bestimmte Verrech-nungspreismethoden entwickelt die national wie auch international anerkannt sind. Für Transaktionen des Treasury und Finance sind hier insbesondere die sogenannte Preisvergleichsmethode (“Comparable Uncontrolled Price Method“) und die Kostenaufschlagmethode („Cost Plus Method“) die unter die transaktionsbezogenen Methoden fallen und in den meisten Fällen als angemessen gelten. Entscheidend bei transaktionsbezogenen Verrechnungspreismethoden ist, dass interne und/oder externe Daten als Vergleichbar für eine definierte Leistungsbeziehung herangezogen werden können. Zudem gibt es in Einzelfällen die Möglichkeit, bei komplexen und stark integrierten Leistungserbringungen die Gewinnaufteilungsmethode („Profit Split Method“) anzuwenden, um die Wertschöpfung der einzelnen Beteiligten sachgerecht zu Vergüten.

Anhand der zur Verfügung stehenden Verrechnungsmethoden wird sichtbar, dass die sachgerechte, steuerrechtlich sowie unternehmerisch effiziente Implementierung der entsprechenden Systeme nur in enger Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Konzernbereichen erreicht werden kann. Die Zielsetzungen im Treasury und im Steuerbereich sind häufig nicht direkt korreliert, worauf die Finanzverwaltung in einer steuerlichen Betriebsprüfung aber keine Rücksicht nimmt. Dabei ist eine Übereinstimmung zwischen optimiertem Liquiditätsmanagement, effizienter Compliance und der Minimierung von steuerlichen Risiken Ansatz der steuerlichen Verrechnungspreisprozesse in multinationalen Unternehmen.

Die genannten Herausforderungen, abgeleitet aus dem Spannungsfeld zwischen Liquiditätsmanagement, steuerlichen Regelungen und sich laufend ändernden Bedingungen abzubauen, scheint auf den ersten Blick mit einem erheblichen Verwaltungsaufwand und hohen Kosten verbunden. Unsere Erfahrung zeigt jedoch, dass eine Anpassung der vorhandenen konzerninternen Systeme und Prozesse unter überschaubarem Aufwand und Kosten relativ zu den steuerlichen Risiken zu leisten ist. Empfehlenswert ist beispielsweise die Erstellung von Finanzierungsrichtlinien, die auch im Einklang mit den steuerlich akzeptierten Verrechnungspreismethoden formuliert und implementiert worden sind. Diese Richtlinien können dann zur Grundlage einer steuerlichen Verrechnungspreisdokumentation gemacht werden und regeln somit nicht nur die operativen Abläufe und Verantwortlichkeiten, sondern sorgen auch für das Management steuerlicher Risiken.

Autoren: Marc Schnell, Director, Tax, marcschnell@kpmg.com; Harald Fritsche, Senior Manager, hfritsche@kpmg.com

So kontaktieren Sie uns

 

Angebotsanfrage (RFP)

 

Absenden

KPMG's neue digitale Plattform

KPMG's neue digitale Plattform