Vorsicht vor Pauschalurteilen

Vorsicht vor Pauschalurteilen

Die Spendenbereitschaft in Deutschland nimmt ab, doch die Höhe zu. Besonders zur Weihnachtszeit wird wieder mehr gespendet. Diejenigen, die Geld geben, wollen wissen, wie ihre Spenden verwendet werden – hohe Verwaltungskosten stehen dabei oft in der öffentlichen Kritik. Doch laut KPMG-Experte Sascha Voigt de Oliveira sind Pauschalurteile über die Verwendung gefährlich und schaden der Branche.

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Spenden

„Die Verwendung der Spenden ist ein sehr sensibles Thema, es braucht professionelle Strukturen, damit die Hilfsprojekte zweck- und zielgerichtet durchgeführt werden können“, sagt Sascha Voigt de Oliveira. Der Experte erklärt, dass die Spenden-Organisationen bestimmte Kosten haben, um die Sicherstellung eines regulären Ablaufes überhaupt zu gewährleisten.

Dr. Andreas Rickert, dessen gemeinnützige Phineo AG eine Studie zur Wirkungstransparenz bei Spendenorganisationen zu verantworten hat, zieht ein ähnliches Fazit: „Spenden sind immer nur dann in aller Munde, wenn sie durch Skandale mediale Aufmerksamkeit erlangen. So entsteht ein Zerrbild im Hinblick auf die hunderttausenden Organisationen, die gute Arbeit leisten.“ Doch Rickert nimmt auch die Organisationen selbst in der Pflicht. Sie sollten proaktiv sehr transparent darüber berichten, wie mit den Geldern der Spender umgegangen wird. „Hierdurch können die Organisationen sowohl für die Notwendigkeit von Strukturen werben als auch das Augenmerk auf die entscheidenden KPIs legen, nämlich die Wirkungsnachweise“, erläutert Rickert weiter.

Maßvolle Experten gesucht

Gegenwärtig spenden laut Rickert ein Viertel der Bundesbürger. „Da ist noch Luft nach oben“, gibt sich Rickert zuversichtlich. Damit dieses Ziel auch tatsächlich erreicht werden kann, braucht es auf der einen Seite die Aufmerksamkeit und Unterstützung der Geber, und auf der anderen Seite wirkungsvolle Spendenorganisationen mit nachhaltige Strukturen und gutem Personal. „Wenn die Organisationen immer nur befristete Arbeitsverträgen anbieten können, dann gehen die besten Leute irgendwann. Die Angebote für gutes Personal müssen attraktiv sein – bei gleichzeitiger Angemessenheit“, gibt Rickert vor.

Laut  Gesellschaft für Konsum-, Markt- und Absatzforschung e. V. (GfK) und Deutscher Spendenrat e.V. steigt die Zahl der jungen Spender. Doch anstatt Euros zu investieren, bieten sie Zeit als Hilfsleistung. Bislang spendeten die Deutschen 2,7 Milliarden Euro von Januar bis August dieses Jahres. Das sind 4,6 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres.

DZI-Siegel, Wirkt-Siegel und Deutscher Spendenrat bieten Sicherheit

Mehr als 500.000 eingetragene Vereine und 18.000 private Stiftungen sammeln in Deutschland spenden. Das Spendensiegel des DZI hilft bei der Orientierung. Bevor dieses vergeben wird, muss sich eine jede Organisationen in Bezug auf ihre Zielsetzungen, ihre Mittelverwendungen sowie die Aufwendungen für Werbung prüfen lassen. Derzeit tragen laut der Tageszeitung „Die Welt“ 250 Organisationen dieses Siegel. Phineo vergibt das „Wirkt-Siegel“, welche sowohl die Leistungsfähigkeit der Organisation als auch das Wirkungspotenzial auszeichnet. Bisher wurden 190 Projekte ausgezeichnet. Auch der Deutsche Spendenrat bietet viele Beratungsmöglichkeiten an, um sich über seriöse Spendenorganisationen zu informieren.

Die Phineo-Studie zur Wirkungstransparenz von Spendenorganisationen 2014, die u.a. in Zusammenarbeit mit „Spiegel online“ und KPMG entstand, können Sie sich hier runterladen.

Redaktion: Moritz Ballerstädt

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