Studie zur Wirtschaftskriminalität in Deutschland 2014

Studie zur Wirtschaftskriminalität in Deutschland 2014

Zum nunmehr sechsten Mal veröffentlicht KPMG in Zusammenarbeit mit dem Sozialforschungsinstitut TNS Emnid die Studie zur Wirtschaftskriminalität in Deutschland. Dazu wurden branchenübergreifend 400 Unternehmen unterschiedlicher Größe und Umsatzstärke zu der Thematik der Wirtschaftskriminalität befragt.

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Jedes dritte Unternehmen in Deutschland war in den letzten zwei Jahren Opfer wirtschaftskrimineller Handlungen, bei den großen Unternehmen sogar jedes zweite. Häufigste Delikte waren erneut Diebstahl und Unterschlagung (63 Prozent) sowie Betrug und Untreue (54 Prozent). Allerdings sind es nicht diese Delikte, sondern vielmehr der Diebstahl oder Missbrauch von Daten, der von den befragten Unternehmen besonders gefürchtet wird. Das höchste Schadenspotential wird hingegen bislang im Bereich Kartell gesehen. Überraschenderweise wird dennoch wenig in Prävention investiert.

Ein Drittel der Befragten betroffen

Opfer einer wirtschaftskriminellen Handlung zu werden, ist keine Frage des „Ob“, sondern des „Wann“. Dies wird dadurch belegt, dass in dem im Vergleich kurzen Zeitraum der vergangenen zwei Jahre 35% der Studienteilnehmer von Wirtschaftskriminalität betroffen waren. Zumeist handelt es sich bei den vorgefallenen Delikten um die „Klassiker“ Diebstahl und Unterschlagung sowie Betrug und Untreue. Über die Hälfte der betroffenen Unternehmen sind Opfer genau dieser Delikte geworden.

Betroffen sind immer die anderen

Die angegebene Betroffenheit gibt Anlass zur Vermutung, dass sich ein Unternehmen jedenfalls in einem Zeitraum von 5-6 Jahren mit wirtschaftskriminellen Sachverhalten auseinandersetzen muss. Dennoch assoziieren die Studienteilnehmer das Risiko einer wirtschaftskriminellen Handlung kaum mit dem eigenen Unternehmen. Nur 30% der Befragten schätzen dieses Risiko für das eigene Unternehmen als hoch oder sehr hoch ein. Hinsichtlich anderer Unternehmen liegt dieser Wert mit 82% wesentlich höher. Hinzu kommt, dass 85% der Studienteilnehmer den Schutz ihres Unternehmens gegenüber wirtschaftskriminellen Sachverhalten als gut bzw. sehr gut bewerten. Offenbar unterschätzt man einerseits die Risiken der Wirtschaftskriminalität und überschätzt andererseits die eigenen Schutzmaßnahmen.

Diskrepanz zwischen Risikowahrnehmung und (angegebener) Betroffenheit

Quelle: KPMG, 2014

Risikowahrnehmung und Betroffenheit der klassischen Deliktsarten wie Diebstahl und Unterschlagung sowie Betrug und Untreue stimmen inzwischen in etwa überein. Demgegenüber zeigen sich Auffälligkeiten hinsichtlich anderer Deliktsarten. So fällt die Risikowahrnehmung der Deliktsarten Datendiebstahl und -missbrauch, Verletzung von Schutz- und Urheberrechten und Verrat von Geschäfts- und Betriebsgeheimnissen wesentlich höher aus als die aller anderen abgefragten Deliktsarten. Dies begründet die Annahme, dass die tatsächliche Betroffenheit immens sein müsste. Wie in der Studie des Jahres 2012 wurden rund 30% der Befragten von datenbezogenen Delikten betroffen. Damit sind sie nach Diebstahl und Unterschlagung sowie Betrug und Untreue, aber noch vor Korruption die drittmeist genannte Deliktsart. Bei der Verletzung von Schutz- und Urheberrechten sowie dem Verrat von Geschäfts- und Betriebsgeheimnissen verzeichnen die Befragten eine geringfügig niedrigere Betroffenheit von rund 20% als bei Korruption.

Schäden meist mindestens im sechsstelligen Bereich

Die Ergebnisse der Studie belegen, dass es sich bei Sachverhalten, die keine Gesamtschäden im sechsstelligen Bereich verursachen, lediglich um absolute Ausnahmefälle handelt. Etwa ein Viertel der Gesamtkosten eines wirtschaftskriminellen Sachverhalts entfällt in der Regel auf die Ermittlungs- und Folgekosten. Hinzu kommen Bußgelder, Geldstrafen oder eventuelle Gewinnabschöpfungen. Darüber hinaus sind immaterielle Schäden wie Reputationsschäden und ein daraus resultierender Verlust einer Marktmacht nicht in dieser Summe erfasst.

Bei einzelnen Delikten liegen die Schäden teilweise sogar im siebenstelligen Bereich, so zum Beispiel bei der Mehrheit der Kartellrechtsverstöße. Diese weisen in etwa drei Viertel der Fälle Gesamtschäden im Millionenbereich auf.

Menschliche Faktoren ursächlich für Begehung wirtschaftskrimineller Delikte

In Einklang mit den Befürchtungen der Befragten geht das Risiko der Begehung einer wirtschaftskriminellen Handlung eher von Innentätern aus. In 55% der Fälle, in denen ein Täter ermittelt werden konnte, ordneten die Studienteilnehmer diesen dem eigenen Unternehmen zu.

63% der Befragten empfinden zudem, dass menschliche Faktoren den größten Einfluss auf die Begehung der Tat haben. Lediglich ein Viertel der Befragten gibt diesbezüglich technische oder organisatorische Schwachstellen an. Diese Einschätzung wird durch die Bewertung des Einflusses einzelner Unternehmensfaktoren auf die Begehung einer wirtschaftskriminellen Handlung unterstrichen.

Menschlichen Faktoren wie mangelndem Unrechtsbewusstsein sowie Nachlässigkeit und Unachtsamkeit wird die größte Bedeutung eingeräumt. Lediglich mangelhafte oder fehlende Kontrollen werden von einem ähnlichen Anteil der Studienteilnehmer als Faktor von hoher bzw. sehr hoher Bedeutung genannt.

Quelle: KPMG, 2014

Umso erstaunlicher ist, dass im Gegensatz dazu lediglich rund 20% der Befragten empfinden, dass fehlende Leitlinien und Vorgaben sowie eine fehlende Vorbildsfunktion der Geschäftsführung einen hohen bzw. sehr hohen Einfluss auf wirtschaftskriminelle Sachverhalte haben.

Dies passt nicht ins Bild der sonstigen Bewertung menschlicher Faktoren, da die Beschäftigten ihr Verhalten oftmals an Vorgesetzten orientieren. Von daher sollten genau diese gesetzestreues sowie ethisch angemessenes Verhalten vorleben und entsprechende Vorgaben erteilen. Die Wichtigkeit dieser Funktion der oberen Geschäftsebenen wird jedoch anscheinend verkannt.

Schulungen und proaktive Kontrollmaßnahmen in Wirksamkeit unterschätzt

Bemerkenswert ist außerdem, dass rund 40% der befragten Unternehmen keine Schulungen zur Vermeidung wirtschaftskrimineller Handlungen durchführen. Gerade bei kleineren Unternehmen ist dieser Wert sogar noch höher. Des Weiteren zeigt sich die Tendenz, dass die Befragten lediglich teilweise proaktive Kontrollmöglichkeiten nutzen. Nur ein Drittel der Studienteilnehmer erfasst systematisch Frühwarnindikatoren. Zudem überprüft über die Hälfte der Befragten Bewerber nicht hinsichtlich ihrer Integrität.

Investitionsbereitschaft in Prävention gering

Etwa die Hälfte der Unternehmen ist lediglich gewillt, bis zu 10.000 Euro in externe Unterstützung in der Prävention zu investieren. Die Bereitschaft größere Beträge aufzuwenden, steigt erst mit zunehmender Dringlichkeit der Lage.

Quelle: KPMG, 2014

Dies dürfte dem ökonomischen Prinzip widersprechen, wonach vermehrte Investition in Prävention zum einen den Eintritt von Wirtschaftskriminalität zu vermeiden hilft, zum anderen zu geringeren Ausgaben bei der Aufdeckung und Aufklärung wirtschaftskrimineller Sachverhalte führt.Einen vollständigen Überblick über die Studienergebnisse erhalten Sie hier.

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