Litauen tritt der Währungsunion bei

Litauen tritt der Währungsunion bei

Ein bisschen Wehmut ist bei einer solch großen Veränderung natürlich auch dabei. Im November stapelten zwei Physikstudenten gemeinsam mit ein paar Helfern im Geldmuseum der Zentralbank in Vilnius eine Millionen 1-Centai-Münzen in Form einer Pyramide aufeinander. Mit Hilfe des 113 Zentimeter hohen und 831 Kilo schweren Bauwerks wollten sie gebührend Abschied von ihrer heimischen Währung Litas nehmen. Denn am 1. Januar 2015 erhält Litauen als 19. EU-Mitglied offiziell den Euro als Zahlungsmittel.

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Litauen

Vor sieben Jahren wurde der Antrag wegen der hohen Inflation im Land noch abgelehnt. Doch nach einem harten Sparkurs erfüllte Litauen nun problemlos alle Kriterien. Nach den Beitritten von Estland und Lettland ist es das letzte baltische Land, das den Euro einführt.

Für die frühere Sowjetrepublik ist die Aufnahme in die Währungsunion ein wichtiger Schritt in ihrer wirtschaftlichen Entwicklung. Die Ostseerepublik gehört inzwischen wieder zu den wachstumsstärksten Staaten in Europa. Auch die Weltbank ist von der wirtschaftlichen Stabilität des Landes überzeugt: in ihrem „Doing Business Report 2015“ stufte die Institution das Land unter die Top drei in Mittel- und Osteuropa ein. Allerdings leidet das Land darunter, dass viele Menschen auswandern, und es wird eines der ärmsten Euro-Länder sein.

Neue Währung soll für mehr Stabilität sorgen

Durch die neue Währung erhofft sich Litauen mehr Wettbewerbsfähigkeit und Stabilität. Schon jetzt gehen rund 58 Prozent der litauischen Exporte in die Europäische Union. Künftig entfallen Wechselkursrisiken und Umtauschkosten. Das soll Unternehmen aus anderen Ländern motivieren, noch mehr Geld in Litauen zu investieren. Deutschland gehört mit über einer Milliarde Euro Direktinvestitionen zu den wichtigsten Wirtschaftspartnern. Rund 1200 deutsche Unternehmen sind derzeit mit einer Gesellschaft in Litauen vertreten. Nach einer Umfrage der Deutsch-Baltischen Handelskammer befürworten mehr als Dreiviertel davon für die Euro-Einführung. Auch litauische Unternehmen sind überwiegend dafür.

Bevölkerung sieht Währungsumstellung kritisch

Die Bevölkerung ist nicht ganz so begeistert von der neuen Währung. Viele der drei Millionen Einwohner fürchten vor allem steigende Preise. Außerdem war die alte Währung für die Litauer ein Symbol für die wiedererlangte Unabhängigkeit von der Sowjetunion. In den letzten Umfragen sprach sich noch knapp die Hälfte der Litauer gegen die neue Währung aus.

Auch einige Analysten der Europäischen Zentralbank sehen dem Beitritt mit gemischten Gefühlen entgegen. Da das Preisniveau und das Pro-Kopf-Einkommen in Litauen deutlich unter dem des Euroraums liegen, fürchten sie eine hohe Inflation. Ebenfalls Anlass zur Sorge gibt die hohe Arbeitslosenquote von über elf Prozent, für deren Abbau es noch kein umfassendes Konzept gibt. Die EZB fordert deswegen unter anderem auch Reformen des Arbeits- und Finanzmarktes.

Mit dem Währungswechsel in Litauen kommt es auch zu Änderungen beim Stimmrecht im Rat der Europäischen Zentralbank (EZB). Bei geldpolitischen Entscheidungen tritt ein Rotationsprinzip in Kraft. Alle Länder müssen bei Abstimmungen mal pausieren. Auch Bundesbank-Chef Jens Weidmann wird deshalb künftig alle fünf Monate im EZB-Rat ohne Stimmrecht sein.

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