Huch! Mein Unternehmen wird betrogen

Huch! Mein Unternehmen wird betrogen

Jedes dritte Unternehmen in Deutschland war in den vergangenen zwei Jahren Opfer von Wirtschaftskriminalität. Trotzdem wiegen sich immer noch die meisten Firmen in trügerischer Sicherheit. Dabei ist Prävention dringend notwendig. Das zeigt die KPMG-Studie Wirtschaftskriminalität in Deutschland 2014.

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Wirtschaftskriminalität verursacht in Deutschland ungefähr 80 Milliarden Euro Schaden jährlich. In den meisten Fällen sind die Unternehmen selbst die Opfer. Häufigste Delikte waren in den vergangenen zwei Jahren Diebstahl und Unterschlagung sowie Betrug und Untreue. Delikte aus dem Bereich Datendiebstahl und Datenmissbrauch sind auf den dritten Platz vorgerückt.

Geringe Bereitschaft zur Prävention

Alarmierend ist vor allem, dass Unternehmen ihre Risiken teilweise immer noch falsch einschätzen. Für die diesjährige Studie „Wirtschaftskriminalität in Deutschland“ hat TNS Emnid im Auftrag von KPMG 400 Unternehmen in Deutschland befragt. Davon stufen 70 Prozent die Gefahr als gering ein, Opfer von Wirtschaftskriminalität zu werden. Alexander Geschonneck, Partner bei KPMG und Leiter des Bereichs Forensic, warnt: „Unternehmen wiegen sich in einer trügerischen Sicherheit, investieren entsprechend nicht genug in vorbeugende Maßnahmen – und machen sich dadurch angreifbar.“

Erstmals hat die Studie untersucht, wie hoch die Bereitschaft ist, Angriffen auf das eigene Unternehmen vorzubeugen. Lediglich elf Prozent der Firmen könnten sich vorstellen, 50.000 Euro oder mehr in ihren Schutz zu investieren. Für Andere gilt: „Augen zu und durch“. Das ökonomische Prinzip ist damit quasi auf den Kopf gestellt: Man akzeptiert Schäden, die um ein Vielfaches höher sind, als die gezielte Prävention gekostet hätte. Stattdessen regiert der Zufall. Jede zweite Tat kommt so ans Licht. „Dabei können risikoorientierte, vorbeugende Maßnahmen die Gefahr verringern, dass etwas passiert. Und sie helfen, Ermittlungs- und Folgekosten zu minimieren“, sagt Geschonneck.

Jeder zweite kommt aus den eigenen Reihen

Meist spielen „menschliche Faktoren“ eine große Rolle bei Wirtschaftskriminalität. Der typische Täter hat finanzielle Motive, es fehlen Leitbilder oder ein Unrechtsbewusstsein ist auch nicht vorhanden. Und, jeder zweite Täter kommt aus den eigenen Reihen. Geschonneck kritisiert, dass nicht einmal die Hälfte der Unternehmen Bewerber vor einer möglichen Anstellung auf deren Integrität überprüft. Auch Schulungen könnten durch Sensibilisierung und gesteigerte Aufmerksamkeit bei Mitarbeitern kriminelle Handlungen verhindern.

Bereits seit 15 Jahren beobachtet KPMG die Wirtschaftskriminalität in Deutschland. Was neben der fehlenden Prävention in der diesjährigen Studie besonders auffällt, sind enorme Schadenssummen bei Kartellrechtsverstößen und die Angst vor Datendelikten. 87 Prozent der Befragten fürchten sich vor Datendiebstahl oder Datenmissbrauch. „Die Dunkelziffer ist gerade bei daten- und technikbezogenen Deliktarten oftmals höher als die betroffenen Unternehmen ahnen.“ Aber es mangelt oft an Know-how, Überblick und Kontrollmechanismen, die komplexen Abläufe zu überblicken.

Enorme Schäden durch Kartellrechtsverstöße

Die höchsten finanziellen Schäden entstehen im Bereich Wirtschaftskriminalität durch Kartellsrechtsdelikte. Fast drei Viertel der befragten Unternehmen beziffern ihren individuellen Schaden auf über 1 Million Euro. Besonders hoch sind die Ermittlungskosten. Bußgelder, Geldstrafen und eventuelle Gewinnabschöpfungen kommen hinzu. „Das kann im Einzelfall dazu führen, dass Kartellrechtsverstöße ein Unternehmen an seine existenziellen Grenzen bringen“, sagt Geschonneck.

Trotz der oftmals fehlenden Prävention – das Thema Wirtschaftskriminalität steht im täglichen Fokus der Geschäftsführer und Vorständen, auch das beweist die Studie. Inwiefern sie die Vorsorge und den Kampf gegen kriminelle Handlungen vorantreiben, werden die Ergebnisse der nächsten KPMG-Untersuchung zum Thema zeigen.

Redaktion: Melanie v. Marschalck

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