12 Jahre bis Heiligabend

12 Jahre bis Heiligabend

Weihnachten steht vor der Tür: Zum traditionellen Fest gehört ein Christbaum. Der alte Brauch hat überlebt und schmückt Millionen Wohnzimmer zum Fest. Heute ist die Beschaffung sehr viel einfacher geworden, doch die Aufzucht und der Anbau kompliziert geblieben. Die KPMG-Redaktion erklärt das Geschäft mit dieser Tradition.

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Weihnachtsdeko

Zu tausenden stehen oder liegen die Weihnachtsbäume auf freien Plätzen, als Absperrung dienen zumeist Bauzäune. Quadratisch aufgestellt, soll diese wenig festliche Begrenzung vor Dieben und Vandalismus schützen. Eine Plane weist darauf hin, „Nordmann 14 Euro“. Dr. Martin Rometsch vom Bundesverband der deutschen Weihnachtsbaumerzeuger (BWS) hält vom Preis-Dumping der Weihnachtsbäume nicht viel: „Ich kaufe lieber einen Baum für 35 Euro und weiß dann, dass ich ein gutes Produkt habe, das durch den Preis den Aufwand deckt, der angefallen ist und der Verkäufer was verdient hat.“

Zum Fest werden etwa 24 Millionen Weihnachtsbäume verkauft: „Besonders beliebt bei den Deutschen ist die Nordmanntanne. Sie macht rund 80 Prozent der nachgefragten Bäume aus. 15 Prozent entfallen auf die Blaufichte. Die restlichen 5 Prozent teilen sich in Nobilistanne, Rotfichte und einige weitere Tannensorten auf“, so Dr. Hans-Georg Dreßler (BWS). Die Nordmanntanne sei deshalb so beliebt, weil die Nadeln nicht so schnell vom Baumen fallen und weich sind und deshalb nicht piecksen, begründet der Weihnachtsbaumexperte.

2014 eine Dänin für den Bundespräsidenten

Der Weihnachtsbaum, der im Ehrenhof des Schloss Bellevue – dem Amtssitz des deutschen Bundespräsidenten – kommt in diesem Jahr aus Dänemark. Das sagte Tobias Scheufele vom Bundespräsidialamt diesem Portal. „In den Jahren 2011 und 2012 kamen die Bäume jeweils aus der Nähe von Potsdam, 2013 aus Bremen“, so Scheufele.

Die Tanne für den Bundespräsidenten muss bestimmte Anforderungen erfüllen, so muss sie eine Mindesthöhe besitzen – für gewöhnlich ist sie zwischen 11 und 13 Meter hoch. Wer den Baum schließlich liefert, entscheidet nicht etwa das Los, sondern wird durch die Nachfrage entschieden. „Es werden jedes Jahr mindestens drei Angebote eingeholt“, erklärt Scheufele.

Der lange Weg ins Wohnzimmer

Der Anbau von Weihnachtsbäumen ist nicht etwa eine Angelegenheit von ein paar Monaten oder Jahren, mehr als ein Jahrzehnt vergeht, bevor das Gros der Bäume für den Verkauf bereit ist. „Die ersten vier Jahre befinden sich die Bäume in der Baumschule, dann werden sie in landwirtschaftlichen Betrieben weiter betreut. Dort bleiben sie dann weitere acht Jahre. Insgesamt benötigt der Anbau von Weihnachtsbäumen also mindestens 12 Jahre“, erklärt Rometsch weiter.

Nicht jeder, der gern Weihnachtsbäume anpflanzen möchte, darf das sodann auch tun. „Der Weihnachtsbaumanbau erfolgt schwerpunktmäßig auf landwirtschaftlichen Ackerflächen. Das Anlegen von Weihnachtsbaumplantagen ist in Deutschland genehmigungspflichtig, wobei auch die Umweltverträglichkeit geprüft wird. In der Regel ist die Untere Landschaftsbehörde zuständig, deren Aufgabe die Einhaltung des Naturschutzgesetzes ist“, erklärt Dreßler diesem Portal.

Auf die Bedingungen kommt es an

Doch Baum ist nicht gleich Baum. Laut Rometsch werden A, B und C- Qualitäten produziert. Dabei gilt:  Je mehr Pflege, desto besser ist das Ergebnis. Da beginnen Probleme: „Die Bandbreite der Faktoren, die den Erlös beeinflussen, ist besonders hoch“, so Rometsch. Mit der Bandbreite sind unter anderem Spätfrost im Frühjahr oder extreme Dürre im Sommer gemeint, sagt Dreßler. „Spätfrostereignisse können bis zum Totalausfall der Kultur führen“, bringt es KPMG-Mitarbeiter und ehemals ausgebildeter Landwirt Hendrik Koch auf den Punkt. Besonders schwierig sind auch die Anbaubedingungen in Mulden und Tallagen mit Kaltluftstau. Auch  ist ein ständig nasser Boden für den Weihnachtsbaum ungünstig. „Durch Staunässe werden die Stoffwechselvorgänge in der Pflanze ständig behindert“, erklärt Koch – Weihnachtsbäume mit A-Qualität wachsen in diesem Umfeld nicht.

„Spätschäden für den Boden sind nach dem Weihnachtsbaumanbau nicht zu erwarten – abgesehen davon, dass dem Boden in der Regel Stickstoff fehlt. Mit ausreichender Düngung ist auch das kein Problem. Besonders dann, wenn danach Mais oder Weizen angebaut werden sollen“, so Koch weiter.

Schätzwerte statt genauer Zahlen

„Der Weihnachtsbaumanbau ist keine durch die Europäische Union (EU) subventionierte Anbaukultur, deshalb existieren auch keine genau erfassten Zahlen“, gibt Rometsch zu bedenken. Wieviel Geld ein Weihnachtsbaum einspielt, könne deshalb so genau gar nicht festgestellt werden. „10 Euro Produktionskosten pro Baum werden auf jeden Fall nie unterschritten. Oft kostet ein Baum in den 12 Jahren Anbau den Erzeuger 15 Euro. Da sind dann noch nicht die Lohnkosten dabei – genau genommen können die Produktionskosten gut und gern bei 16 oder gar 17 Euro liegen“, sagt Rometsch.

Weil jedoch die Faktoren des Anbaus derart unterschiedlich sind, kann der Gewinn beim Weihnachtsbaumanbau mitunter auch bei 0 Euro liegen. Denn auf der einen Seite steht der Anbau, auf der anderen Seite steht der Kunde – er entscheidet sich entweder für beste Qualität oder macht Abstriche und zahlt dafür dann auch weniger Euros. „Der deutsche Markt verlangt einen hohen Anteil an A-Qualität. Der Trend geht dahin, dass der Käufer wissen will, woher die Bäume kommen. Auf der anderen Seite versuchen Massenproduzenten, Umsatz durch Menge zu generieren und produzieren dabei viele Bäume der Qualität C“, sagt Rometsch.

„Vergleicht man den Ertrag von Weihnachtsbäumen nun mit den Erträgen einer normalen landwirtschaftlichen Fläche für Weizen, Mais oder Gerste, die durchschnittliche Deckungsbeiträge pro Hektar und Jahr von 400 bis 1.000 Euro erzielen, so ist die Weihnachtsbaumproduktion durchaus profitabel“, so Koch.

KPMG-Experte Hendrik Koch rechnet vor: „Es können zirka 7.000 bis 8.000 Jungpflanzen pro Hektar gepflanzt werden. Abzüglich derjenigen Tannen, die aus Gründen von Krankheit oder Sturm oder aus ästhetischen Gründen nicht verkauft werden können, entspricht das etwa 4.500 Bäumen pro Hektar. Unterstellt man nun einen Erlös von 20 Euro und variable Kosten von 15 Euro pro Baum, macht das einen Deckungsbeitrag von 5 Euro pro Baum. Dies sind etwa 22.500 Euro pro Hektar. Bei acht Jahren Produktionszeit auf den Flächen, wären dies dann 2.800 Euro Deckungsbeitrag pro Hektar.“

Hohe Ausfallquoten keine Seltenheit

Zwar versuchen handelsorientierte Unternehmen, 90 Prozent ihres Anbaus auf den Markt zu bringen, doch im Durchschnitt ist diese Zahl sehr viel geringer. „Die Ausfallquote bei den Weihnachtsbäumen beträgt 30 bis 40 Prozent“, erklärt Dreßler. Die Bäume, die nicht zum Verkauf geeignet seien, weil sie etwa zwei Spitzen hätten oder Teile abgebrochen sind, werden zu Schnittgrün verarbeitet. „Die Einnahmen sind dann natürlich sehr viel geringer“, so Dreßler.

Am Ende Asche oder Futter für Elefanten

Ist Weihnachten vorbei, stellt sich die Frage danach, wer die ausgedienten Tannen übernimmt. Dreßler dazu: „In der Regel werden die Bäume nach dem Fest von der städtischen Entsorgungsbetrieben eingesammelt, zu Kompost gehäckselt oder verbrannt. Einige wenige landen auch in Zoos, zum Beispiel im Gehege der Elefanten. Dieser Anteil ist jedoch nicht sonderlich hoch.“

Redaktion: Moritz Ballerstädt

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