EZB übernimmt Bankenaufsicht – die Kontrollen werden strenger

EZB Bankenaufsicht

Am 4. November hat die EZB die europäische Bankenaufsicht übernommen – eine neue Instanz betritt damit die Bühne der Aufsichtsinstitutionen. Eines ist klar: Die Aufsicht durch die EZB ist eine Zeitenwende. Zum ersten Mal in der Geschichte übernimmt eine Institution die Aufsicht über alle Banken in der Eurozone und wendet Regeln einheitlich, konsistent und unabhängig an.

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EZB übernimmt Bankenaufsicht

KPMG hat darauf reagiert: Am Sitz der EZB in Frankfurt am Main wurde das KPMG-ECB Office geschaffen. Fachleute verschiedener Nationalitäten und mit unterschiedlicher Expertise gewährleisten schnelle Lösungen für alle Fragen, die sich rund um die neue Aufsicht ergeben. Das ECB Office wird verstärkt von einem eigens für diesen Zweck geschaffenen, starken europäischem Team: Der European Supervisory Advisory Group. Diese bietet hochqualitative Lösungen für strategische, technische, prozessuale und Risikomanagementfragen rund um die EZB-Aufsicht.

Kreditinstitute stehen ab sofort vor vielfältigen Herausforderungen. Die EZB-Aufsicht agiert quantitativer und zukunftsgerichteter. Intensive und strenge Kontrollen nehmen genauso zu wie Kapital- und Liquiditätszuschläge. Denn die EZB sammelt mehr Daten als die bisher zuständigen nationalen Aufseher – und prüft dabei auch völlig Neues. So kommt jetzt das Geschäftsmodell der großen Banken jährlich auf den Prüfstand. Die kleineren Institute müssen sich dieser Prozedur alle drei Jahre unterziehen. Und auch Eigenkapital- und Liquiditätsvorschriften werden für Banken wohl zunehmend individuell festgelegt – ein Novum.

Doch welche Implikationen bringt die EZB-Aufsicht mit sich? Welche Auswirkungen müssen noch bedacht werden?

Ein Überblick:

Die quantitative Beurteilung der Liquiditäts- und Kapitalausstattung der Institute durch die EZB-Aufsicht (Challenger-Modelle oder Top-down-Modelle) ist ein Novum. Es führt zu:

  • Einer deutlichen Annäherung der Säule 2 des Baseler Eigenkapitalakkords an Säule 1
  • Eine höhere Wahrscheinlichkeit für Kapital- oder Liquiditätszuschläge

Die gesetzlich vorgesehenen Mindestquoten, die „8%“ der CRR, entsprechen weder den anderweitig von den Aufsehern definierten Anforderungen (Stresstest, AQR, Sovereign-Buffer etc.), noch besteht ein langer Vorlauf zur Planung höherer aufsichtlicher Vorgaben (z.B. Kapitalisierung als Ergebnis des CA innerhalb von 6 Monaten). In Folge werden Kapital- und Liquiditätsplanung schwieriger. Dies impliziert:

  • Die Notwendigkeit der Anpassung der Kapital- und Liquiditätsplanung, auch unter Stress
  • Eine rechtzeitige Einleitung geeigneter Steuerungsmaßnahmen

Geschäftsmodellprüfungen gewinnen durch die Erkenntnisse aus der Banken-Krise an Bedeutung. Nicht nur aufgrund der SREP 2.0-Vorgaben; ähnliche Diskussionen gibt es auch bei Sanierungs- und Abwicklungsplanungen. Das erweiterte Aufsichtsrecht gibt den Aufsehern umfangreiche Einflussmöglichkeiten. Dies führt zu:

  • Einer steigenden Wahrscheinlichkeit von schwerwiegenden aufsichtlichen Eingriffen in Geschäftsmodelle und -strukturen
  • Dem Bedarf, entsprechende Diskussionen unter Beachtung sämtlicher Aspekte des Geschäftsmodells vorzubereiten

Stresstests leben von ad-hoc-Projektgruppen und Excel-Lösungen, sind aber nicht effizient bei wiederholten Übungen und beanspruchen die Infrastruktur der Institute. Empfehlenswert ist daher:

  • Eine Professionalisierung und Automatisierung der Stress Test-Tools, um künftige Übungen mit weniger ad-hoc-Aufwand durchführen zu können
  • Die Schaffung von zentralen Anlaufstellen für Rückfragen der Aufsicht und das Vorhalten von Kapazitäten mit entsprechendem Know-how

Eine ungenügende Datenqualität ist ein „Dauerproblem” der Aufsicht und von Banken, z.B. die schwierige Vergleichbarkeit / Überleitungsmöglichkeit von Risiko- und Finanzdaten. Zugleich steigen die Anforderungen und Erwartungen (z.B. Kalkulation von Benchmark-Modellen mit Institutsdaten). Notwendig wird:

  • Die Überprüfung der Daten-Infrastrukturen einschließlich Einrichtung von QS-Prozessen
  • Ebenfalls zu beachten sind die Anforderungen von BCBS 239 / Risk Data Aggregation oder AnaCredit, die die Infrastruktur der Banken stark belasten

Durch den AQR kommen Bewertungsfragen und -modelle auf den Prüfstand. Zudem geraten auch Säule 1-Modelle durch EBA und BCBS-Benchmarkstudien unter Druck. Banken sollten daher:

  • Richtlinien (Reklassifizierungen, Forbearance, Wertberichtigungen, LIP), Modelle (Sicherheitenbewertung, L3-Modelle, CVA) sowie Säule 1-Modelle überdenken
  • Sich eine Übersicht über eingesetzte Modelle und Modellschwächen verschaffen

 

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