Start-up-Finanzierung: "Es fehlt der international wettbewerbsfähige Rahmen"

Start-up-Finanzierung: wettbewerbsfähiger Rahmen fehlt

Erst vor kurzem besuchte Wirtschaftsminister und Vizekanzler Sigmar Gabriel das Berliner Betahaus. Dort stellte er unter anderem fest: Gründern fehlt oft Kapital in der Wachstumsphase. Marius Sternberg, Director bei KPMG in der Smart Start Initiative, und Florian Nöll, Vorsitzender Bundesverband Deutsche Start-Ups, über die Rahmenbedingungen für deutsche Start-Ups.

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Die Politik hat offensichtlich die Probleme bei der Wachstumsfinanzierung von Start-Ups erkannt. Was muss sich Ihrer Meinung nach konkret verbessern?

Hier gibt es verschiedene Hebel, die bewegt werden sollten. Um die Wachstumsfinanzierung zu verbessern, sollte auf das Erfolgsmodell „High-Tech-Gründungsfonds“ ein sogenannter „High-Tech-Wachstumsfonds“ für Start-Ups mit einem Volumen von 1 Milliarde Euro folgen. Zudem muss das Thema Kapitalanlagerestriktionen angegangen werden, damit auch Pensionsfonds und Versicherer verstärkt in Venture Capital Fonds investieren können. Dabei könnte der Gesetzgeber über spezielle Anreize Matching Funds schaffen, die deutlich mehr Wachstumskapital aus Deutschland zur Verfügung stellen, ohne Steuergelder zu bewegen.

Last but not least: Verlustvorträge. Ein wichtiges Feld, da gerade in der Startphase von kapitalintensiven Start-Ups oft beträchtliche steuerliche Verlustvorträge entstehen. Hier handelt der deutsche Gesetzgeber sehr restriktiv: Wird das Unternehmen verkauft, gehen die Verlustvorträge unter Umständen verloren, was den Wert des Unternehmens mindert. Das schreckt Investoren ab. Daher ist es wichtig, dass man sie bei der Veräußerung mitnehmen kann.

Schon der frühere Wirtschaftsminister Philipp Rösler wollte ein Börsensegment für Start-Ups schaffen. Die jetzige Bundesregierung hält an den Plänen fest und möchte jungen Unternehmen so den Zugang zu zusätzlichem Wachstumskapital ermöglichen. Für welche Start-Ups ist ein Börsengang tatsächlich eine Option und welche Kriterien sollten diese erfüllen?

Das Wichtigste vorweg: Ein Börsensegment für Start-Ups ist wichtig und hilft. Es ist zudem ein zentraler Standortfaktor für kapitalintensive Technologieunternehmen in Deutschland. Ein Allheilmittel ist es aber nicht. Schon gar nicht, wenn Altgesellschafter über die Börse einen lukrativen Exit anstreben. Das vom Markt eingesammelte Geld muss zum Großteil in das Wachstum des Unternehmens investiert werden – bspw. in internationale Expansionspläne, Forschung & Entwicklung oder neue Produkte.

Es gibt handfeste Kriterien, die anzeigen, ob Start-Ups reif für die Börse sind: Zum einen müssen sie  substantielle Umsätze und ein starkes Wachstum aufweisen. Zum anderen müssen die notwendigen internen Strukturen und Anforderungen, die ein Börsengang zwangsläufig mit sich bringt, umgesetzt sein.

Welche Rolle spielt die Equity Story eines Unternehmens? Meinen Sie, dass alle Gründer den hohen Stellenwert einer guten Story im Hinblick auf Investitionsentscheidungen kennen?

Es ist sicherlich wichtig, die Equity Story immer im Blick zu haben, um Investoren oder später mögliche Aktionäre zu begeistern. Aber das Produkt oder die Dienstleistung muss auch zur Story passen – und umgekehrt. Es scheint, viele junge Unternehmer wissen nicht wie man eine gute Equity Story erzählt. Es gibt aber auch zahlreiche Start-Ups, die nur wissen, wie man eine gute Story erzählt. Denen fehlt es dann leider oft an Substanz.    

Die Erfahrung zeigt, es gibt mehr oder weniger zwei Charaktere: Die einen können eine Equity Story perfekt erzählen und die anderen gar nicht – ein klassisches Spagat zwischen Substanz und PR. Beides sollte ausgewogen vorhanden sein.  

Was halten Sie von dem relativen neuen Trend des „Crowdinvesting“ im Rahmen der Start-Up-Finanzierung?

Crowdinvesting ist ein relativ junges Finanzierungsangebot, welches gerade die Frühphase von Start-Ups ergänzt. Auf dem Gebiet passiert derzeit viel. Die aktuellen Diskussionen um den Entwurf der Bundesregierung für ein neues Gesetz zum Kleinanlegerschutz belegen dies deutlich.

Auf den tatsächlichen Regulierungsrahmen dürfen wir also gespannt sein. Soviel steht aber bereits fest: Bislang haben relativ wenig Anleger Geld durch Crowdinvesting verloren. Wenn jedoch die ersten Investoren größere Summen in den Sand setzen, werden wir auf diesem Gebiet auch schnell erste Klagewellen verzeichnen können und der Ruf nach Regulierung im Sinne des Anlegerschutzes wird mit Sicherheit lauter. Dennoch: Das Thema ist spannend. Abzuwarten bleibt, in welche regulatorische Bahnen Crowdinvesting künftig gelenkt wird.

Die deutsche Start-Up-Landschaft ist immer noch männlich dominiert – gerade im technologischen Bereich. Scheuen Frauen das Risiko einer Existenzgründung?

Kurze und knappe Antwort: Das können wir als Männer nicht beurteilen.

Vielen Dank für das Gespräch.

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