IFRS 9 verabschiedet – was ist jetzt zu bedenken?

IFRS 9 verabschiedet – was ist jetzt zu bedenken?

Quelle: KPMG Corporate Treasury News, Ausgabe 34, August 2014 | Am 24. Juli hat das IASB die vierte und finale Version des neuen IFRS 9 Financial Instruments zur Bilanzierung von Finanzinstrumenten veröffentlicht. Die neuen Regelungen sind verpflichtend anzuwenden für Geschäftsjahre, die am oder nach dem <strong>1. Januar 2018 </strong>beginnen. Eine frühere Anwendung ist jedoch zulässig. Allerdings steht das EU-Endorsement noch aus. Da auch die Vorjahreszahlen anzupassen sind, dürfte voraussichtlich das Geschäftsjahr 2017 als erstes betroffen sein.

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Eine der wesentlichen Herausforderungen – auch für Industrieunternehmen – wird die Abbildung der neuen Vorschriften zum Impairment sein.  Das derzeit angewendete Incurred Loss Model wird abgelöst durch das Expected Loss Model. Dadurch sollen mögliche Verluste aus Kreditausfällen früher als bisher erfasst werden. Das neue Wertminderungsmodell ist unter anderem anzuwenden auf alle zu fortgeführten Anschaffungskosten bilanzierten finanziellen Vermögenswerte sowie auf diejenigen finanziellen Vermögenswerte, die der neuen Kategorie ‚zum Fair Value mit Erfassung der Änderungen im OCI‘ zugeordnet wurden.

Hier wird bereits deutlich, dass für eine Vorbereitung auf die Änderung der Methodik für die Berechnung des Impairment zunächst die neuen Vorschriften zu ‚Classification and Measurement‘ studiert werden müssen. Aus der Umsetzung dieser geänderten Klassifizierungsregeln leitet sich dann der Scope für die neuen Anforderungen zum Impairment ab. Daraus ergibt sich auch, inwieweit Ihr Unternehmen betroffen ist.

Bei Industrieunternehmen wird der Fokus dabei auf Leasingforderungen und anderen Absatzfinanzierungen sowie auf längerfristigen Forderungen aus Lieferung und Leistung liegen. Hier gibt es ein Wahlrecht, ob das allgemeine Modell oder ein vereinfachtes Modell angewendet wird. Unabhängig davon muss jedes Unternehmen aber darauf vorbereitet sein, Modelle zu entwickeln, um die Kreditqualität der betroffenen Finanzinstrumente zu beobachten und erwartete Kreditverluste zu berechnen. Unternehmen müssen zudem eine Ausfallhistorie der letzten drei Jahre aufbauen – bei Erstanwendung ab 2018 bedeutet dies einen Beginn des Aufbaus der Datenhistorie ab 2015. Einige große Unternehmen haben daher bereits dieses Jahr mit der Umsetzung begonnen.

Und nicht nur durch den IFRS 9 wird es wesentliche Änderungen im Hedge Accounting geben. Im April dieses Jahres wurde ein Diskussionspapier zum Portfolio Revaluation Approach beim Makro Hedge Accounting veröffentlicht, das noch bis zum Oktober kommentiert werden kann. Während Makro Hedging im IAS 39 nur auf die Portfolioabsicherung von Zinsrisiken bezogen wurde, welche für Industrieunternehmen nur selten relevant war, hat die vorgeschlagene "Portfolio Reconciliation" eine weit höhere Bedeutung für diese Unternehmen. Denn dieser Ansatz ist nun auch möglich für  Ein- und Verkaufsverträge oder Bestände von Rohstoffen, Leasingforderungen und deren Refinanzierung und unter Umständen auch Cash Flows in Fremdwährung. Im Grundsatz könnten bei Verabschiedung dieses Konzeptes Gesamtportfolien aus Grundgeschäften und zur Sicherung geeigneten Derivaten gebildet und dann in Summe bewertet werden – nur der nicht effektive Teil der Sicherung würde dabei ergebniswirksam.

So könnte unter diesem Modell die Gefahr von Overhedges bei dem bereits unter dem verabschiedeten Standard möglichen Hedging von Nettopositionen aus Währungsrisiken verringert werden. Revolvierende Bestände aus Leasingforderungen und den entsprechenden Refinanzierungen wären als offenes Portfolio als hedged item designierbar. Ebenso wäre es damit voraussichtlich möglich, Nettopositionen aus Commodity-Geschäften oder das Gesamtexposure aus Rohstoffbeständen und schwebenden Beschaffungsverträgen über diesen Rohstoff als Grundgeschäfte mit den entsprechenden Derivaten zu einer Bewertungseinheit zusammenzufassen. Diese Anwendungsmöglichkeiten stehen allerdings noch unter Diskussion und es gibt Hinweise im Discussion Paper darauf, dass das IASB die Anwendung von Cash Flow Hedges (als Hauptanwendungsfall in der Industrie) als nicht auf diesen Ansatz der Portfolio Revaluation anwendbar sieht.

Unternehmen, für die obige Sachverhalte eine wesentliche Relevanz besitzen, sollten sich daher schnellstmöglich mit den neuen Vorschlägen auseinandersetzen und gegebenenfalls den – bisher eher auf Finanzinstitute ausgerichteten Entwurf – im Sinne der Anforderungen von Industrieunternehmen kommentieren.

Autor: Andrea Monthofer, Manager, amonthofer@kpmg.com

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