Online-Handel: Erfolgsrezept für Apotheken?

Online-Handel: Erfolgsrezept für Apotheken?

Dieses Jahr kam er besonders früh und heftig: Der Heuschnupfen machte vielen Allergikern zu schaffen. Im ersten Halbjahr 2014 wurden deshalb besonders viele Medikamente dagegen verkauft: 13,1 Millionen Packungen, das ist eine Steigerung von mehr als sieben Prozent im Vergleich zum vergangenen Jahr. Profitiert haben vor allem die Versand-Apotheken, die bei den Gesamterlösen ein Plus von 37 Prozent verbuchen konnten, verglichen mit drei Prozent Plus der Apotheken vor Ort.

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Denn wer heute etwas aus der Apotheke braucht, geht oft andere Wege als noch vor zehn Jahren. Genauer: Er geht oft gar nicht in die Apotheke, sondern bestellt Medikamente bequem von zuhause aus über das Internet. Mehr als 16 Millionen Deutsche haben bereits frei verkäufliche oder apotheken- und verschreibungspflichtige Arzneimittel im Netz bestellt – das ist jeder dritte Internetnutzer, laut einer Studie des IT-Branchenverbands Bitkom.
            
Die Digitalisierung hat die Branche also bereits fest im Griff. Dutzende Internet-Apotheken liefern ihre Produkte bis an die Haustür, oft zu günstigeren Preisen als die Apotheken vor Ort.

Von einem anderen Trend profitieren niedergelassene genauso wie Online-Apotheken, wie Mark Sievers, Head of Consumer Markets, erklärt:                

"Gesundheit und „Selbstoptimierung“ sind zentrale Werte für die Konsumenten von heute, auch bedingt durch die demographische Entwicklung. Im Bereich Personal Care gehören Apotheken daher zu den Marktanteilsgewinnern. Besonders profitieren konnten sie von dem Trend zu Naturkosmetik. Auch der Entwicklung zur Individualität können Apotheken besonders gut entsprechen – etwa mit Salben und Cremes, die speziell auf die Haut des einzelnen Kunden abgestimmt werden."

Tatsächlich ist auch die medizinische Hautpflege immer mehr im Kommen. Die Kunden haben Vertrauen in die Apotheken und assoziieren sie mit Gesundheit, wie eine entsprechende Studie belegt. Was das Vertrauen der Verbraucher angeht, haben die Apotheke damit einen klaren Vorsprung gegenüber anderen Vertriebswegen:

Sievers: "Kunden denken bei Apotheken an Gesundheit. Besonders auf dem Land können sie noch Marktanteile dazu gewinnen, weil sie dort öfter anzutreffen sind als Drogerien und Parfümerien. Es ist aber noch nicht ganz klar, ob die Apotheker diese „Lücke“ auch besetzen wollen – viele haben noch Vorbehalte gegenüber den kosmetischen Produkten."

Laut einer Untersuchung geht jeder vierte Apotheker davon aus, dass Kosmetikartikel wichtiger werden.

Viele Kosmetikhersteller haben den Vertrauensvorteil der Apotheken entdeckt und setzen darauf. Sie umwerben die Apotheken regelrecht. Ein besonders qualitätsbewusstes Publikum oder Kunden mit anspruchsvoller Haut wissen das zu schätzen. Und die Apotheker versprechen sich auch neben dem zusätzlichen Umsatz einen positiven Effekt: Die kosmetischen Produkte sollen vor allem die Kundenbindung fördern und auf das Image der Apotheken wirken.

Sievers: "Natürlich ist der Onlinehandel für viele niedergelassene Apotheken weiterhin eine Herausforderung, aber sie zeigen sich wandlungsfähig und passen ihre Geschäftsmodelle an. Die demografische Entwicklung und den damit einhergehenden Health Care-Trend können Apotheker für sich nutzen, wenn sie es geschickt anstellen. Für viele gilt es die Vorzüge der Online- und Offline-Welt bestmöglich zu verbinden."

Trotz der neuen Möglichkeiten der Online-Apothekendienste sind diese vielmehr eine Erweiterung als ein Ersatz des stationären Angebots. Das Vertrauen in eine kompetente, persönliche Beratung vor Ort hat für die Kunden nach wie vor einen zentralen Stellenwert. Wie in anderen Produktkategorien spielt außerdem die soziale Komponente des Einkaufs in der Filiale eine wichtige Rolle.

Redaktion: Merle Jorczik

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