Corporate Responsibility: Aktuelle Trends in der Berichterstattung

CSR: Aktuelle Trends in der Berichterstattung

Die Berichterstattung über Nachhaltigkeit ist heute fester Bestandteil der Kommunikationsstrategie von Unternehmen. Im Jahr 2014 stellt sich nicht mehr die Frage, ob ein Unternehmen einen Nachhaltigkeitsbericht erstellt, sondern was und wie es über dieses Thema schreibt. Der seit 1993 bereits zum achten Mal publizierte „KPMG International Survey on Corporate Responsibility Reporting“ gibt Einblicke in aktuelle globale Trends.

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Im ersten Teil der Studie untersucht KPMG quantitative Kriterien wie zum Beispiel das Format der Berichterstattung oder auch die Prüfung und Anwendung von Standards. Grundlage bilden hierbei die Berichte der nach Umsatz jeweils 100 größten Unternehmen aus 41 Ländern (N100). Im zweiten Teil des Survey wird die inhaltliche Qualität der Texte der 250 weltweit größten Unternehmen (G250) anhand von sieben sogenannten Best Practice-Kriterien analysiert. Ergänzt wird die Studie schließlich durch Interviews mit Vertretern von Unternehmen, deren Nachhaltigkeitsberichte eine sehr hohe Qualität zeigen. Zur Sprache kommen dabei Wege zu Best Practice-Ansätzen, die Motivation des Unternehmens, sich mit dem Thema Nachhaltigkeit intensiv auseinanderzusetzen und die daraus resultierenden Impulse für die weitere Geschäftsentwicklung.                        

Quantitative Analyse der N100-Berichte

Mehr als drei Viertel der 4.100 untersuchten Unternehmen (71 Prozent) berichten über ihr nachhaltiges Wirtschaften; bei den G250 sind es fast alle Unternehmen (93 Prozent). Hohe Zuwachsraten in der Berichterstattung verzeichneten Unternehmen in der Region Asien-Pazifik. In Ländern wie Malaysia, Japan oder Indonesien liegt der Anteil inzwischen bei über 80 Prozent, auch bedingt durch die steigenden regulatorischen Anforderungen in diesen Ländern. Damit liegt der asiatisch-pazifische Raum nur noch knapp hinter dem europäischen Durchschnitt.

Im direkten Ländervergleich führt Frankreich vor Dänemark und Südafrika mit einer Veröffentlichungsquote von fast 100 Prozent. Der Grund dafür liegt in den gesetzlichen und kapitalmarktbasierten Berichtspflichten. In Deutschland liegt die Quote zwar unter dem weltweiten Durchschnitt von 71 Prozent, im Vergleich zu 2011 ist sie aber ebenfalls um 5 Prozentpunkte von 62 auf 67 Prozent angestiegen. Von den DAX 30-Unternehmen berichten insgesamt 29 systematisch über ihre Nachhaltigkeitsaktivitäten.

Die Studie zeigt auch einen deutlichen Trend zur Integration von Nachhaltigkeitsinformationen in die Geschäftsberichte. Bei 51 Prozent (in Deutschland: 52 Prozent) aller untersuchten Geschäftsberichte finden sich Nachhaltigkeitsinformationen, was einem Anstieg um 31 Prozentpunkte im Vergleich zum Jahr 2011 entspricht. Von den berichtenden Unternehmen geben 10 Prozent (Deutschland: 4 Prozent) an, einen Integrierten Bericht zu haben.

Mangels regulatorischer Anforderungen beziehen sich die Unternehmen hauptsächlich auf freiwillige Standards und Rahmenwerke für die Berichterstattung. Die Leitlinie der Global Reporting Initiative (GRI) hat sich weltweit als De-facto-Standard für die Nachhaltigkeitsberichterstattung etabliert: 78 Prozent aller Berichte (2011: 69 Prozent) beziehen sich auf GRI, bei den G250 sind es sogar 84 Prozent. In Deutschland liegen die Prozentwerte mit 75 Prozent bei den N100 und 90 Prozent bei den DAX 30 im vergleichbaren Bereich.

Obwohl – bis auf wenige Ausnahmen – keine Verpflichtung zur Prüfung der veröffentlichten Nachhaltigkeitsinformationen besteht, ist sie für viele
Unternehmen bereits selbstverständlich. So lassen 38 Prozent der N100 und 59 Prozent der G250 ihre Nachhaltigkeitsinformationen von unabhängigen Dritten überprüfen. In Deutschland liegt der Anteil der N100 mit 46 Prozent sogar über dem globalen Durchschnitt. Mit 69 Prozent ist auch die Prüfquote der DAX 30-Unternehmen im Vergleich zu den G250 höher. Die Prüfung von ausgewählten Berichtsinhalten mit einem Limited Level of Assurance1 ist dabei am häufigsten verbreitet. In Deutschland werden 90 Prozent dieser Prüfungen durch Wirtschaftsprüfungsgesellschaften durchgeführt.

Die freiwilligen Prüfungen haben einen verständlichen Zweck: Sie sollen den veröffentlichten Informationen mehr Glaubwürdigkeit verleihen. Gleichzeitig wollen die Unternehmen dadurch zeigen, wie ernst es ihnen mit dem Thema Nachhaltigkeit ist. Darüber hinaus erkennen viele Firmen verstärkt auch den internen Mehrwert solcher Prüfungen: Sie ermöglichen eine kontinuierliche Verbesserung der internen Prozesse für das Nachhaltigkeitsmanagement und für die dazugehörige Berichterstattung.

Qualitative Analyse der G250‑Berichte

Anhand von sieben Best Practice-Kriterien bewertete KPMG die Berichtsqualität bei den G250. Über alle Kriterien hinweg konnten hierbei 100 Punkte erreicht werden. In die Bewertung gingen die folgenden Aspekte ein:

Stakeholder Engagement

Wie wird über den Prozess des Stakeholder Engagement berichtet, wie werden die Erkenntnisse aus diesem Engagement in die Entwicklung von Strategie, Wesentlichkeitsprozess, Zielsetzung etc. einbezogen?              

Risiken, Chancen und Strategien

Inwieweit werden im Bericht soziale und ökologische Risiken und Chancen dargestellt – welche Auswirkungen haben diese Risiken und Chancen auf das Unternehmen und welche strategischen Aspekte werden daraus abgeleitet?

Wesentlichkeit

Wie aussagefähig wird im Bericht der Prozess zur Identifizierung der wesentlichen Aspekte dargestellt?              

Ziele und Kennzahlen

Enthält der Bericht zu den wesentlichen Aspekten Ziele, die einer zeitlichen Bestimmung unterliegen? Werden diese Ziele durch Kennzahlen ergänzt, durch die die Zielerreichung transparent und messbar dargestellt wird?                   

Transparenz und Ausgewogenheit

Geht der Bericht gleichsam auf Erreichtes wie auf Herausforderungen und/oder Dilemmas ein?                

Liefer- und Wertschöpfungskette

Zeigt der Bericht, wie Nachhaltigkeitsstrategie, Nachhaltigkeitsmanagementansätze und Nachhaltigkeitsziele die wesentlichen Aspekte Lieferanten, Produkte und Dienstleistungen berücksichtigen?                

Governance

Wie wird im Bericht im Nachhaltigkeitskontext das Steuerungs- und Führungssystem und damit verbunden das Vergütungssystem erläutert?

Weltweit wurde im Durchschnitt ein Wert von 59 Punkten erzielt. Hier zeigt sich deutliches Verbesserungspotenzial.

  • Circa 25 Prozent (63 Unternehmen) erreichten mehr als 80 von 100 Punkten.
  • Nach Branchen erzielten Electronics & Computer, gefolgt von Mining und Pharmaceuticals, die höchsten Punktwerte
  • Überraschenderweise lag die Berichtsqualität von Unternehmen, die in Branchen mit hohen sozialen und ökologischen Auswirkungen agieren, hinter dem globalen Durchschnittswert zurück: Dazu zählen Construction & Building Materials, Metals, Engineering & Manufacturing, Trade & Retail sowie Oil & Gas.

Die höchsten Punktwerte wurden in den Kategorien „Ziele und Kennzahlen“, „Wesentlichkeit“ und „Risiken, Chancen und Strategien“ erzielt (68, 66 beziehungsweise 62 Punkte).

Die Darstellung der Wesentlichkeitsprozesse ist bei den G250 bereits gängige Praxis. Hierbei werden diejenigen Themen eines Unternehmens bestimmt, die aus Sicht der Stakeholder relevant sind. So geben 79 Prozent der Unternehmen an, wesentliche Themen mit ihren Stakeholdern zu identifizieren und zu diskutieren – eine gute Basis für befriedigende Ergebnisse bei diesem Prozess.

Verbesserungspotenzial ergibt sich aus der Sicht von KPMG insbesondere aus folgenden Erkenntnissen:

  • Ein großer Anteil (41 Prozent) der G250 hat nicht dargestellt, wie sie wesentliche Themen identifizieren und wie häufig sie das tun
  • Nur sehr wenige (5 Prozent) der Unternehmen führen kontinuierlich ihre Wesentlichkeitsanalyse durch
  • Nur knapp die Hälfte derjenigen Unternehmen, die über den Wesentlichkeitsprozess berichten, erläutern im Detail, wie die Ansichten der Stakeholder berücksichtigt werden. Die Mehrheit (55 Prozent) erläutert dies nur teilweise oder gar nicht
  • Diejenigen Unternehmen, die die Wesentlichkeitsanalyse, neben der Bestimmung der Inhalte des Nachhaltigkeitsberichts, auch für das Risiken- und Chancenmanagement verwenden, haben Vorteile bei der Entwicklung eines effektiven Risikomanagementansatzes

Die niedrigsten Punktwerte wurden für Informationen über die „Liefer- und Wertschöpfungskette“ vergeben (46 von 100). Auch im Bereich „Governance“ bestehen noch deutliche Verbesserungsmöglichkeiten: Hier wurden im Durchschnitt nur 53 von 100 Punkten erzielt. Bei etwa einem Viertel (24 Prozent) der berichtenden Unternehmen liegt die höchste Verantwortung für Nachhaltigkeit auf Vorstandsebene. Die Verantwortung für das tägliche Management von Nachhaltigkeitsthemen liegt demgegenüber bei mehr als der Hälfte der G250 (61 Prozent) in einer selbstständigen Nachhaltigkeitsabteilung. Damit fehlt es der Mehrheit der Unternehmen an einer Integration der Verantwortung in bestehende operative Funktionen. Nach Auffassung von KPMG wird jedoch gerade erst mit dieser Integration eine erfolgreiche Implementierung von Nachhaltigkeit begründet. Die meisten Berichte zeigen zudem, dass Nachhaltigkeitsleistung und Managementvergütung nicht miteinander verbunden sind.

Bei lediglich 22 Prozent der Firmen fließt die Nachhaltigkeitsleistung in die Berechnung der Managementvergütung ein und nur 10 Prozent von ihnen erläutern diesen Zusammenhang transparent. Doch aus Sicht von Analysten, Investoren und Ratingagenturen zeigt sich gerade daran, wie Nachhaltigkeit vergütet wird, ob es ein Unternehmen tatsächlich ernst mit der Nachhaltigkeit und den hierbei gesetzten Zielen – in Abgrenzung zu den nicht-finanziellen Vorgaben – meint.

Im Ländervergleich weisen vor allem Unternehmen mit Sitz in Europa eine überdurchschnittlich hohe Berichtsqualität auf. Auch die Qualität der Berichte der zwanzig deutschen Vertreter in den G250 ist gut: Hier wurden im Durchschnitt 68 Punkte erreicht. Am schlechtesten schnitten dagegen die USA (54 Punkte) und China (39 Punkte) bei der Analyse ab. Auf Ebene der einzelnen Gesellschaften wiederum befinden sich unter den zehn Unternehmen mit den höchsten Punktzahlen erfreulicherweise auch zwei deutsche Vertreter: BMW und Siemens.

Ausblick

Die KPMG-Studie zeigt: Unternehmen auf der ganzen Welt haben beeindruckende Resultate bei der Berichterstattung zur Nachhaltigkeit geliefert. Auch hier wird die Entwicklung weitergehen. GRI G4 und das International Integrated Reporting Council setzen dazu die entsprechenden Rahmenbedingungen.

Autoren

Simone Fischer, Partner, Assurance Services

Carmen Gräbsch, Assurance Services        

1 Limited Level of Assurance: Betriebswirtschaftliche Prüfung mit begrenzter Sicherheit, zum Beispiel nach ISAE 3000  „Assurance Engagements Other than Audits or Reviews of Historical Financial Information“      

Die gesamte Studie sowie ein Executive Summary finden Sie online unter:

www.kpmg.com/crrsurvey

Dort gibt es auch ein Viewer Tool, mit dem Sie die Ergebnisse nach Land, Region oder Sektor filtern können.           

 
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