Lohnt sich die Wohnsitzverlagerung ins Ausland?

Lohnt sich die Wohnsitzverlagerung ins Ausland?

Den Wohnsitz in Deutschland aufgeben und ins Ausland ziehen, sei es beruflich bedingt oder um im Ruhestand dem schlechten Wetter zu entgehen; bedeutet das auch den Abschied vom deutschen Finanzamt? Das hört sich einfacher an, als es ist. Mietverträge müssen gekündigt, eigene Immobilien verkauft oder langfristig fremdvermietet werden; man muss sich behördlich abmelden, mit der Familie das Land verlassen und darf sich zukünftig keine 183 Tage pro Jahr im Inland aufhalten oder über eine Aufenthaltsmöglichkeit verfügen und diese regelmäßig nutzen.

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Als Folge einer erfolgreichen Wohnsitzverlagerung unterliegt nicht mehr das gesamte Einkommen, das sog.  Welteinkommen, der deutschen Einkommensteuer,  sondern nur noch Einkünfte aus deutschen Einnahmequellen (beschränkte Steuerpflicht). Hierzu gehören Einkünfte aus einem deutschen Gewerbebetrieb, Einkünfte aus der Vermietung von Immobilien in Deutschland, Renten von inländischen Versicherungsträgern oder Versorgungseinrichtungen, Dividenden von deutschen Kapitalgesellschaften, Einkünfte aus einer selbständigen oder nichtselbständigen Tätigkeit, die im Inland ausgeübt oder verwertet wird, Einkünfte aus einer im Inland betriebenen Land- und Forstwirtschaft etc.

Auch im neuen Heimatstaat wird man regelmäßig zur Steuer herangezogen. Besteht zwischen Deutschland und dem ausländischen Wohnsitzstaat ein Abkommen zur Vermeidung der Doppelbesteuerung (DBA), wird das Besteuerungsrecht von Fall zu Fall dem einen oder dem anderen Vertragsstaat ganz zugewiesen oder das Besteuerungsrecht aufgeteilt. Die Doppelbesteuerung wird vermieden, indem entweder die Besteuerung im Quellenstaat oder im Wohnsitzstaat aufrechterhalten wird. Im jeweils anderen Staat erfolgt dann die Freistellung der Einkünfte von der Besteuerung.

Möglich ist auch, dass die Besteuerung in beiden Staaten aufrechterhalten, aber begrenzt wird; dies ist bei Zinsen, Dividenden und Lizenzgebühren häufig der Fall. Einkünfte aus unbeweglichem Vermögen (Land und Forstwirtschaft, Grundstücke) werden regelmäßig in dem Staat besteuert, in dem die Grundstücke belegen sind. Ebenso werden Einkünfte aus Gewerbebetrieb in dem Staat besteuert, in dem sich die Betriebsstätte befindet. Diese Vermögensarten bleiben somit auch nach einem Wohnsitzwechsel in Deutschland steuerverhaftet.

Achtung: Für Anteilseigner einer Kapitalgesellschaft mit einer Beteiligung von mindestens ein Prozent, die mindestens zehn Jahre in Deutschland unbeschränkt einkommensteuerpflichtig waren, greift zum Zeitpunkt der Wohnsitzverlagerung die Wegzugsbesteuerung. Das Außensteuergesetz unterstellt eine fiktive Veräußerung der Anteile zum gemeinen Wert; die Differenz zu den ursprünglichen Anschaffungskosten wird wie ein Veräußerungsgewinn besteuert. Bei Wegzug innerhalb der EU oder des EWR wird die Steuer auf Antrag bis zur tatsächlichen Veräußerung der Anteile zinslos gestundet.

Die deutsche Erbschaft- und Schenkungsteuer knüpft für die Steuerpflicht nicht nur an den Wohnsitz des Schenkers oder Erblassers, sondern auch an den der Beschenkten oder Erben. Mindestens fünf Jahre nach einem Wegzug aus Deutschland unterliegen Schenkungen des Weggezogenen oder das aufgrund seines Todes anfallende Vermögen grundsätzlich weiterhin der deutschen Erbschaft- und Schenkungsteuer. Schenkt oder vererbt eine im Ausland ansässige Person ausländisches Vermögen an einen in Deutschland wohnenden Berechtigten, unterliegt auch dieses der deutschen Erbschaft- und Schenkungsteuer. Diese fällt unabhängig vom Wohnsitz der Beteiligten und auch nach Ablauf der 5-Jahres-Frist zudem immer dann an, wenn Inlandsvermögen (zum Beispiel Gewerbebetrieb oder Immobilien in Deutschland) verschenkt oder vererbt wird.

Bevor man die Zelte abbricht, sollte anhand der konkreten Einkommens- und Vermögensverhältnisse sorgfältig geprüft werden, ob sich ein Wohnsitzwechsel im Einzelfall steuerlich lohnt.

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