KPMG-Analyse: Kfz-Versicherer müssen mit deutlichem Rückgang des Prämienvolumens rechnen

KPMG-Analyse: Rückgang des Prämienvolumens

KPMG-Analyse: Einbußen um bis zu 45 Prozent bis 2030 / Kfz-Versicherung wird für Autofahrer preiswerter

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Kfz-Versicherer müssen damit rechnen, dass sich das Prämienvolumen in der Schaden- und Unfallversicherung von heute 24,3 Milliarden Euro bis 2030 deutlich verringern wird. Wesentliche Ursachen hierfür sind das sich ändernde Mobilitätsverhalten (Carsharing) sowie technologische Neuerungen wie Fahrer-Assistenzsysteme, autonome Fahrzeuge und 3D-Drucker. Je nach Dynamik der technologischen Entwicklung kommt man anhand von Modellrechnungen auf einen Rückgang des Kfz-Prämienvolumens um bis zu 45 Prozent. Für Autofahrer dürften Policen im selben Maße preiswerter werden. So das Ergebnis der KPMG-Studie „Gibt es eine Zukunft für die Kraftfahrt-Versicherung?“, die heute in Frankfurt vorgestellt wurde.

Markus Heyen, Partner bei KPMG: „Selbst wenn sich der technologische Fortschritt rund ums Auto verlangsamen würde, dürfte das Volumen der Kfz-Prämien bis 2030 aus heutiger Sicht um rund 15 Prozent zurückgehen und den Wert von 20,6 Milliarden Euro kaum überschreiten. Im Fall einer rasanten technologischen Entwicklung aber kann die Branche sogar bis zur Hälfte ihres Prämienvolumens verlieren. Die gute Nachricht für Autofahrer dabei ist: Im selben Maß, in dem die Zahl der Unfälle und das Volumen der Prämien sinken, dürften auch die Kosten für die Kfz-Versicherungspolicen zurückgehen.“

Einen Teil des Prämienrückgangs werden die Versicherer nach Überzeugung von KPMG durch neue Angebote wie Cyberpolicen, Produkthaftung und Rückrufdeckungen zumindest teilweise ausgleichen können. Es entsteht zudem ein neues Feld für Dienstleistungen, auf dem die Versicherer ihre Kernkompetenzen einbringen können.

Jörg Wälder, Senior Executive bei KPMG: „Neben dem rasanten Fortschritt bei der Fahrzeugtechnik und modernen Mobilitätsdienstleistungen spielen weitere Faktoren wie neue Wettbewerber im Vertrieb und die Digitalisierung der für einen Versicherer relevanten Prozesse eine wichtige Rolle. All dies geschieht gleichzeitig und mit einer hohen Dynamik. Der Umbruch in der Kfz-Versicherung wird insofern nicht nur das Versicherungsprodukt Kraftfahrt an sich grundlegend verändern, sondern auch – geradezu unausweichlich – zu derart hohen Prämienrückgängen führen, dass eine signifikante Reduktion der Kosten unvermeidbar sein wird.“

Folgende Kernthesen vertreten die Experten von KPMG:

  • Der rasante Fortschritt bei den Fahrerassistenzsystemen von Kraftfahrzeugen bis hin zum Autonomen Fahren wird die Anzahl und Höhe von Kfz-Kollisionsschäden bis zum Jahr 2030 um bis zu 50 Prozent reduzieren.
  • Für Kunden mit weiterhin eigenen Fahrzeugen wird es in Folge dessen zu entsprechenden Prämiensenkungen kommen.
  • Privatkunden werden eigene Fahrzeuge zunehmend abgeben und stattdessen Angebote von Mobilitätsdienstleistern in Anspruch nehmen. Dies wird im Jahr 2030 bis zu 4,5 Mio. privat gehaltene Fahrzeuge überflüssig machen.
  • Beim Gütertransport werden moderne Produktionsverfahren (3D-Druck) zu einem spürbaren Rückgang des Bedarfs an Transportkapazitäten auf längeren Strecken führen. Viele Waren werden zukünftig in der Nähe der Kunden gedruckt und mit kleineren Transportern geliefert, entsprechend entfallen die hierfür bisher eingesetzten schweren LKW (gegen heutigen Bestand gerechnet um bis zu 30 Prozent).
  • Für Versicherer stellt sich eine Herausforderung in zwei Dimensionen: Einerseits reduzieren sich die anfallenden Schäden pro Fahrzeug signifikant, andererseits wird es zu einer Stagnation, möglicherweise sogar zu einem Rückgang bei den pro Haushalt und von Unternehmen gehaltenen Fahrzeugen kommen. Bis zu 45 Prozent der heutigen Kfz-Versicherung könnten so bis 2030 entfallen.
  • Im Vertrieb von Kfz-Versicherungen werden Ausschließlichkeitsvertreter und Makler die großen Verlierer sein. Autobauer hingegen und Direktvertriebskanäle, wie zum Beispiel Vergleichsplattformen im Internet, werden die dominanten Vertriebskanäle darstellen.
  • Das Design und die Funktionsweise von Kfz-Versicherungsprodukten werden sich in den nächsten Jahren erheblich verändern und als eigener Vertrag teilweise nicht mehr wahrnehmbar sein. Bündelprodukte, wie z.B. mit einer Finanzierung oder einer Mobilitätsdienstleistung oder auch Garantiezusagen, werden zum Massenphänomen.

Hendrik C. Jahn, Partner bei KPMG: „Unsere Studie zeigt deutlich auf, welche Veränderungen im Markt stattfinden werden und gibt einen Eindruck vom zu erwartenden Umfang. Unabhängig davon, an welches Szenario man glaubt oder nicht – die Veränderungen werden in jedem Fall einschneidend sein. Die Frage für jeden Marktteilnehmer ist damit nicht, ob sich der Markt verändert, sondern wie man sich auf diese Veränderungen einstellt. Hier werden sicher die Wettbewerber Vorteile erzielen, die den Veränderungsprozess aktiv angehen und selbst gestalten. Dem Markt zu folgen, wird somit immer weniger eine erfolgreiche Strategie sein.“

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