Vorstandschefs: Wir stehen vor tiefgreifendem Wandel / Umfrage: Strategie und Geschäftsmodelle auf dem Prüfstand

Umfrage: Strategie und Geschäftsmodelle auf Prüfstand

In keinem anderen Land der Welt werden sich die Unternehmen in den kommenden drei Jahren so stark wandeln wie in Deutschland. Das legt eine weltweite KPMG-Umfrage unter rund 1.300 CEOs von Unternehmen mit einem Umsatz von mehr als 500 Millionen US-Dollar nahe, davon 125 aus Deutschland.

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Berlin, 20. Juli 2015 - So rechnen 70 Prozent der deutschen Unternehmenslenker damit, dass sich ihr Unternehmen bis 2018 „sehr wahrscheinlich erheblich gewandelt“ haben wird. Das sind weit mehr als im weltweiten Durchschnitt (29 Prozent) und auch mehr als in jedem anderen Land. 78 Prozent der deutschen Vorstandschefs sehen sich gezwungen,  die Strategie ihres Unternehmens innerhalb der kommenden drei Jahre zu ändern, und über die Hälfte plant, im selben Zeitraum das eigene Geschäftsmodell anzupassen (57 Prozent).

Die Umfrage liefert auch Hinweise auf die Haupttreiber für den erwarteten Wandel: So sind  61 Prozent der deutschen CEOs „ziemlich“ oder gar „äußerst“ besorgt, dass das eigene Geschäftsmodell durch neue Wettbewerber aufgebrochen werden könnte. 55 Prozent zweifeln, ob die eigenen Produkte oder Dienstleistungen in drei Jahren überhaupt noch gefragt sein werden. 88 Prozent der deutschen CEOs sind bezüglich der Kundenloyalität „ziemlich“ oder „sehr“ besorgt. Und viele beschäftigt der Gedanke, absehbar Marktanteile an Wettbewerber verlieren zu können (45 Prozent). 

Angelika Huber-Straßer, Bereichsvorstand Corporates bei KPMG: „Keine Frage: Viele deutsche Unternehmen stehen vor gravierenden Veränderungen. Ein volatiles Umfeld, hohe technologische Dynamik und das veränderte Kundenverhalten zwingen die Unternehmen dazu ihre Strategie zu ändern oder sogar ihr Geschäftsmodell komplett in Frage zu stellen. Nur die wenigsten können es sich im wahrsten Sinne des Wortes noch leisten, weiter zu machen wie bisher. Entsprechend sieht auch die Hälfte der deutschen CEOs das Thema ‚Change Management‘ als eine ihrer größten Herausforderungen für die nächsten drei Jahre.“

Investitionspläne unterstützen Transformationsprozess

Diese Entwicklung wird durch die Investitionsplanung der Unternehmen bestätigt. So wollen die CEOs bis 2018 am stärksten in die Transformation des Geschäftsmodells sowie in die Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen investieren (55 bzw. 54 Prozent). Und auch für die entsprechende Positionierung am Markt durch Marketing und Werbung will jedes zweite Unternehmen in diesem Zeitraum vergleichsweise viel Geld ausgeben (49 Prozent). 

Deutsche CEOs setzen auf Innovationen

Überdurchschnittlich häufig und auch stärker als in den vergangenen drei Jahren wollen sich die deutschen CEOs bis 2018 um strategische Fragen kümmern. Dabei genießt das Thema Innovationsförderung höchste Priorität, nämlich für 57 Prozent der deutschen Unternehmen. Das ist ein mehr als doppelt so hoher Anteil wie im internationalen Durchschnitt (27 Prozent) und auch „Spitze“ im Vergleich aller Länder. Auf den Plätzen folgen nahezu gleichauf „geografische Expansion“ (43 Prozent) und eine „stärkere Kundenfokussierung“ (40 Prozent).

Eine deutlich stärker wachsende Bedeutung innerhalb des Vorstands als in allen anderen Ländern messen die deutschen CEOs in naher Zukunft dem „Chief Strategy Officer“ (75 Prozent) und dem „Chief Innovation Officer“ (61 Prozent) bei. 

Wachstum: optimistische Aussichten

Drei von vier deutschen CEOs schätzen die Wachstumsaussichten der Weltwirtschaft in den kommenden drei Jahren „um einiges“ oder „deutlich“ zuversichtlicher ein als noch vor einem Jahr (76 Prozent).  Zwei Drittel sind für ihr eigenes Unternehmen zuversichtlicher als im Vorjahr (64 Prozent). Anorganisches Wachstum gewinnt zunehmend an Bedeutung: Während das gegenwärtige Wachstum nach Angaben von neun Prozent der Befragten anorganisch erfolgt, wollen in den nächsten drei Jahren doppelt so viele CEOs in Deutschland dafür sorgen, dass ihr Unternehmen durch Akquisitionen oder Joint Ventures wächst (18 Prozent).

Deutsche Unternehmen mit Potenzial bei Datenanalyse und Cyber-Security

Nur 23 Prozent der deutschen Unternehmen bezeichnen sich in Sachen  Datenanalysen zur Performance-Verbesserung als Vorreiter (Spitzenwert: USA mit 76 Prozent; weltweiter Durchschnitt: 38 Prozent). 25 Prozent der deutschen CEOs haben noch nie an einer Sitzung mit ihren Führungskräften oder Vorstandskollegen zum Thema „Cyber-security“ teilgenommen. Das ist im weltweiten Vergleich der höchste Wert (Durchschnitt: 5 Prozent).

Angelika Huber-Straßer: „Wie unsere Umfrage zeigt, haben die deutschen CEOs - anders als viele der internationale Kollegen - die Zeichen der Zeit erkannt: sie treiben und gestalten die Transformation schon jetzt, um die Stärken der deutschen Industrie bei Innovation und Technologie in die Zukunft zu transportieren.“

 

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