KPMG-Umfrage: Digitalisierung und Vernetzung verschärfen Wettbewerb

KPMG-Umfrage: Digitalisierung und Vernetzung vers...

70 Prozent der Unternehmen sehen Potenzial in anderen Branchen – Handel im Visier

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Berlin, 24. September 2013 - Digitalisierung und Vernetzung stellen etablierte Geschäftsmodelle zunehmend auf den Prüfstand und zwingen die Unternehmen zum Handeln. So rechnet über die Hälfte der Unternehmen in Deutschland aufgrund der zunehmenden Digitalisierung und Vernetzung bis zum Jahr 2020 mit neuer Konkurrenz aus einer anderen Branche (61 Prozent). Das hat eine KPMG-Umfrage unter 350 Vorständen und Geschäftsführern von Unternehmen in Deutschland ergeben. Vor allem der Handel gerät zunehmend ins Visier branchenfremder Unternehmen: Über die Hälfte der Unternehmen der Telekommunikations- und Medienbranche sieht bis 2020 in diesem Segment ein neues Betätigungsfeld. Unter den Banken und Versicherungen sowie den Energieversorgern gehen jeweils 42 Prozent davon aus, im Handel zusätzliche Umsätze realisieren zu können.

Im Finanzsektor, in der Energie- sowie in der Telekom- und Medienwirtschaft machen sich zwischen 70 und 80 Prozent der Unternehmen Gedanken um neue Konkurrenz aus einer anderen Branche. Unter den Telekommunikations- und Medienunternehmen sowie Energieversorgern rechnet jeweils über die Hälfte der Befragten bis 2020 sogar mit starken oder fundamentalen Veränderungen ihres Geschäftsmodells. Weniger beunruhigt sind der Finanzsektor und die Automobilindustrie: Dort liegt dieser Wert nur bei 20 Prozent.

KPMG-Vorstand Robert Gutsche: „Digitalisierung und Vernetzung führen dazu, dass sich bei zahlreichen Unternehmen die Grundlagen ihres bisherigen Wirtschaftens deutlich verschieben. In vielen Branchen verschwinden die ehemals hohen Eintrittsbarrieren, sodass neue Konkurrenzverhältnisse entstehen. Das erhöht den Wettbewerbsdruck durch neue Marktteilnehmer, eröffnet aber auch Wachstumsperspektiven. Für alle Unternehmen stellt sich die Frage: Wer wildert in wessen Revier? Und wer überlebt die digitale Revolution?“

Steigendes Wettbewerbsrisiko und neue Wachstumspotenziale

Wie sehr sich Branchengrenzen verwischen, belegt diese Zahl: 69 Prozent aller Unternehmen sehen Umsatzpotenziale in einer anderen Branche. In der Telekom- und Medienbranche ist das Bestreben, in andere Branchen zu expandieren, am stärksten ausgeprägt (84 Prozent). Das Hauptaugenmerk liegt hier auf dem Handel sowie der Technologiebranche. Attraktive Zielmärkte für Technologiefirmen wiederum sind die Automobilindustrie, der Energiesektor sowie die Telekom-und Medienbranche.  Aber auch der Finanz- und Energiesektor und die Logistikbranche planen, in Zukunft verstärkt in andere Branchen zu expandieren. In allen Fällen gilt vor allem der Handel als attraktiver Zielmarkt.

Marc Ennemann, Partner bei KPMG: „Diese Studie zeigt eindeutig, dass das Wettbewerbsrisiko in vielen Branchen durch neue Marktteilnehmer steigt und es kaum klare Fronten gibt. Niemand ist vor neuen Konkurrenten gefeit. Durch diese Dynamik ergeben sich auch neue Konstellationen für Kooperationen und Allianzen, die über Branchengrenzen hinweg geschlossen werden. In vielen Fällen dürften die Wachstumspotenziale für Unternehmen in bisher fremden Branchen sogar größer sein als im angestammten Kernmarkt, der häufig durch Sättigung und Konsolidierung gekennzeichnet ist.“

85 Prozent der befragen Unternehmen erwarten, dass der Innovationsdruck in ihrem Geschäft bis 2020 steigen wird. Das gleiche Bild ergibt sich bei der Kostenentwicklung: Neun von zehn Unternehmen prognostizieren einen steigenden Kostendruck.

Hinweise auf strategische Fehleinschätzungen

Die Umfrageergebnisse geben auch Hinweise auf strategische Fehleinschätzungen mancher Branchenvertreter. So sieht sich der Handel beispielsweise nur bedingt gefährdet, gilt aber fast allen anderen befragten Branchen als attraktiver Zielmarkt. Ein Großteil der befragten Banken und Versicherungen wiederum erwartet neue Konkurrenz, doch die Absicht branchenfremder Unternehmen, in den Finanzsektor zu expandieren, scheint relativ gering ausgeprägt zu sein.

Robert Gutsche: „Solche Beispiele zeigen, dass es nicht ausreicht, aus der Innenperspektive auf andere Branchen zu blicken. Wer die Konkurrenz von morgen erkennen will, muss die Situation von Unternehmen aus anderen Branchen verstehen, und deren mögliche Strategien antizipieren. Firmen, die sich vor den falschen Rivalen zu schützen versuchen, verschwenden wertvolle Ressourcen. Und den Unternehmen, die ihre zukünftige Konkurrenz übersehen, droht ein böses Erwachen.“

Mobilität und Vernetzung schaffen bei Kunden Bedarf für neue Dienstleistungen

Im Rahmen der Studie wurden auch 1.000 Bundesbürger dazu befragt, in wieweit Mobilität und Vernetzung sich auf ihr Konsumverhalten auswirken. Betrachtet man die einzelnen Anwendungen, so ist Mobile Commerce am populärsten. 56 Prozent aller Konsumenten sagen, sie kaufen bereits über ihr mobiles Endgerät ein oder bestellen Waren. Bei den Unter-30-Jährigen sind es sogar über 70 Prozent. Erstaunlich hoch ist das Interesse an Anwendungen, die noch gar nicht beziehungsweise erst seit kurzer Zeit auf dem Markt sind.

Beispielsweise wollen

  • über 50 Prozent der Befragten ihr Smartphone oder Tablet dazu benutzen, den Strom- und Wasserverbrauch zu kontrollieren,
  • knapp 40 Prozent mit ihrem mobilen Endgeräte das Haus bzw. die Wohnung überwachen, und
  • über 30 Prozent auf diese Weise Behördengänge erledigen, Gesundheitschecks durchführen, die Funktionsfähigkeit des Autos überprüfen, mit dem Smartphone bezahlen oder Haushaltsgeräte steuern.

Robert Gutsche: „Diese Zahlen signalisieren ein großes Potenzial für innovative mobile Dienste und Anwendungen. Trends und Technologien im Umfeld von Smart Grids, eHealth, mobile Payment, Smart Home oder Connected Car haben tatsächlich eine realistische Chance, sich auf breiter Basis durchzusetzen.“

Und noch eines macht die Konsumentenumfrage deutlich: Die Markentreue sinkt, die Wechselbereitschaft steigt. Zudem wächst der Wunsch nach Einflussnahme und Mitgestaltung. 66 Prozent der Unter-30-Jährigen wollen Produkte selbst mitgestalten, zum Beispiel durch Auswahl von Farben oder Funktionen. Von den Schülern sind es sogar 81 Prozent.

Marc Ennemann: „Wurde früher zuerst produziert und dann vermarktet, so könnte in Zukunft die Produktion erst nach der Vermarktung, Konfiguration und Bestellung erfolgen. Was Autohersteller bereits praktizieren, wird dann auch in anderen Branchen relevant. Beispielsweise in der Medienbranche, über individuell zusammengestellte Zeitungen. Das Prinzip der ‚Mass Customization‘ könnte also in Zukunft für viele Branchen relevant werden.“

Fazit: Veränderungswille ist überlebensnotwendig

KPMG-Vorstand Robert Gutsche: „Veränderungswille und Risikobereitschaft sind notwendige Bedingungen für das Überleben im digitalen Zeitalter. Wer zögert und in alten Mustern verharrt, der wird von der Dynamik der digitalen Welt überrollt. Unternehmen brauchen den Mut, bestehende Produkt- und Dienstleistungsportfolios radikal zu überarbeiten, obsolete Produkte oder Dienstleistungen aufzugeben und gänzlich neue Geschäftsfelder zu erschließen. Auch die eigene Position in der Wertschöpfungskette muss neu justiert werden: Die Unternehmen müssen sich entscheiden, ob es für sie vielversprechender ist, näher an den Kunden heranzurücken oder ob sie eher als Zwischenlieferant oder intermediärer Dienstleister agieren wollen.“

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