KPMG-Umfrage: Geschäftsmodelle der Automobilbranche auf dem Prüfstand

Umfrage: Automobilbranche auf demPrüfstand

Herausforderungen an allen Ecken und Enden

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Berlin, 9. Januar 2012. Autohersteller und -zulieferer stehen vor existenziellen Entscheidungen. Sie sind gezwungen, ihre Geschäftsmodelle zu überdenken, wenn sie langfristig überleben wollen. Das machen die Ergebnisse einer internationalen KPMG-Umfrage klar, bei der 200 Vorstände und Geschäftsführer von Unternehmen der Automobilbranche zur aktuellen Lage und den Aussichten der Branche befragt wurden. Praktisch alle Unternehmen verzeichnen einen Umsatz von mehr als 100 Millionen US-Dollar, jedes vierte sogar mehr als 10 Milliarden US-Dollar.

Die Umfrage macht deutlich, dass sich Hersteller und Zulieferer derzeit an allen Ecken und Enden massiven Herausforderungen gegenüber sehen. Auf welche Antriebstechnologie sollen sie setzen? Wo künftig noch ihre Autos entwickeln und produzieren? Sollen sie Mobilitätsdienstleistungen anbieten, und wenn ja: welche? Klar ist, dass die traditionellen Grenzen zwischen Herstellern, Zulieferern und Dienstleistern zusehends verwischen. Jedes einzelne Unternehmen steht vor der schwierigen Entscheidung, ob es den Vorstoß in neue Geschäftsfelder wagen soll oder besser beraten ist, sich stärker auf eine bestimmte Nische zu konzentrieren.

Sinneswandel bei Antriebstechnologie der Zukunft

Die wichtigste - und gleichzeitig am schwierigsten zu beantwortende - Frage, die die Branche umtreibt, ist die nach der künftig dominierenden Antriebstechnologie. Hier ist ein Sinneswandel zu beobachten. Nach Überzeugung jedes dritten Experten (36 Prozent) dürften in den kommenden fünf Jahren "Plug in"-Hybride am stärksten nachgefragt werden. Im vergangenen Jahr hatten die Fachleute noch konventionellen Hybridfahrzeugen die besten Verkaufschancen eingeräumt. Dass Kunden in erster Linie rein batteriebetriebene Fahrzeuge verlangen, glauben inzwischen nur noch elf  Prozent der Fachleute (2012: 16 Prozent).

Interessanterweise setzen inzwischen wieder mehr Fachleute darauf, dass in den kommenden fünf Jahren verstärkt Geld in eine weitere Verbesserung der Verbrennungsmotoren fließen wird. Das unterstreicht  die Verunsicherung bei der Frage des künftigen Antriebs. Fraglich ist, ob die vorhandene Infrastruktur die vermutete Nachfrage nach Plug in-Hybriden überhaupt gestattet. Entsprechende Aufladestellen sind noch vergleichsweise dünn gesät. Zumal es zweifelhaft ist, ob angesichts der derzeitigen allgemeinen Wirtschaftslage Regierungen bereit sind, den Aufbau eines solchen Netzes zu subventionieren.

Megastädte treiben neue Mobilitätskonzepte / Neue Anbieter tonangebend

Ein weiteres beherrschendes Thema ist die wachsende Bedeutung von Mobilitätsdienstleistungen für die gesamte Branche. So rechnen drei Viertel der Befragten damit, dass sich Alternativen zum klassischen Autobesitz - wie Car Sharing und Mietvarianten - in absehbarer Zeit durchsetzen dürften (72 Prozent). Über die Hälfte der Experten geht davon aus, dass Autos künftig verstärkt in Mobilitätskonzepte eingebunden werden (61 Prozent).

Maßgeblich getrieben wird die Nachfrage nach Mobilitätsdienstleistungen durch das starke Wachstum der Megastädte. Die Mehrheit der Branchenexperten geht davon aus, dass bis in 15 Jahren zwischen 6 und 15 Prozent der Stadtbewohner entsprechende Dienstleistungen nachfragen werden. Hier tut sich ein gewaltiger Markt auf, nicht zuletzt in China und Indien, mit rund 150 Millionen potenziellen Kunden. Selbst im Autoland USA gehen inzwischen mehr Experten von einer steigenden Nachfrage nach Mobilitätsdienstleistungen aus als noch im vergangenen Jahr. Hier wird das entsprechende Potenzial auf 31 Millionen Menschen geschätzt.

Dabei geht rund die Hälfte der Befragten davon aus, dass gänzlich neue Marktteilnehmer bei der Entwicklung entsprechender Dienstleistungen den Ton angeben werden. Den Herstellern sprechen in diesem Segment nur noch 13 Prozent einen maßgeblichen Einfluss zu, halb so viele wie noch vor einem Jahr.

Überkapazitäten in Europa / Wachstum in den Schwellenländern

Viele Fachleute gehen davon aus, dass vor allem in Europa Produktions- und Verkaufszahlen in den kommenden fünf Jahren zurückgehen werden. Der stärkste Rückgang wird in Italien und Spanien erwartet. Hier geht knapp die Hälfte der Befragten in den kommenden fünf Jahren von sinkenden Produktions- und Verkaufszahlen aus. Für Deutschland wird die Lage deutlich besser eingeschätzt: hier rechnet die Mehrheit der Branchenexperten mit  zumindest stabil bleibenden Produktions- und Verkaufszahlen.

Der Ausblick in die Schwellenländer ist sehr positiv. Hier erwarten 86 Prozent der Fachleute wachsende Produktions- und Verkaufszahlen, allen voran in China, Indien, Brasilien und Russland. Die Experten erwarten auch verstärkte Expansionsbestrebungen dieser Länder. So gehen 70 Prozent davon aus, dass sich Osteuropa zum wesentlichen Drehkreuz für Hersteller aus den BRIC-Ländern entwickeln wird. Zudem erwartet jeder Fünfte, dass diese Region für die Hersteller der Schwellenländer großes Verkaufspotenzial birgt. Das legt die Vermutung nahe, dass sich Osteuropa in absehbarer Zeit zu einem Kerngebiet der globalen Automobilindustrie entwickeln könnte.

Kundenwünsche klaffen je nach Region auseinander

Eine große Herausforderung für die Hersteller stellen auch die - je nach Region - sehr unterschiedlichen Wünsche der Kunden dar. Käufer in den stark wachsenden Märkten fragen weiterhin verstärkt große Modelle wie SUVs, Vans und Pickups nach, um auf diese Weise ihren neuen Wohlstand zur Schau zu stellen. In den entwickelten Industrienationen dagegen stellt sich die Situation komplett entgegengesetzt dar: Hier verlangen die Kunden nach kleineren, umweltfreundlicheren Fahrzeugen. Das stärkste Wachstum sehen die Befragten entsprechend im Segment der Kompakt-, Klein- und Kleinstwagen. Insgesamt lässt sich beobachten, dass Konsumenten ihren Fokus auf energieeffiziente Fahrzeuge legen. Hierfür spielen jedoch weniger Umweltaspekte als finanzielle Gründe eine Rolle.

Handel wandert zusehends ins Internet

Auch dem Handel sagen die Branchenexperten massive Veränderungen voraus. So ist in den entwickelten Industrienationen nur noch rund die Hälfte der Fachleute der Ansicht, das klassische Autohaus vor Ort sei auch künftig die Voraussetzung für den Erfolg eines Händlers. 83 Prozent der Befragten in Amerika sind davon überzeugt, dass die Online-Aktivitäten sowohl der Händler als auch der Zwischenhändler an Bedeutung gewinnen werden.

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