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«Bahnfahren wird immer ein physisches Erlebnis sein»

«Bahnfahren wird immer ein physisches Erlebnis sein»

Damit der Sprung in die digitale und vernetzte Zukunft auch gelingt, stellt die SBB die Weichen schon heute. Welche digitalen Lösungen es dazu braucht und ob selbstfahrende Züge ohne Personal die Zukunft sind, erläutert SBB-CEO Andreas Meyer im Interview.

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«Bahnfahren wird immer ein physisches Erlebnis sein»

SBB-CEO Andreas Meyer

Im Rahmen der «Digitalswitzerland Challenge» hat die SBB gewettet, den Zürcher Hauptbahnhof (HB) zum digitalsten und persönlichsten Bahnhof der Welt zu machen. Welche Meilensteine hat die SBB auf ihrem Weg hin zur digitalen Transformation bereits passiert?

Um die Wette zu gewinnen, haben wir bereits im ersten Jahr der Challenge rund ein Dutzend kleinere Pilotprojekte eingeführt. So sind beispielsweise neu Reinigungsroboter im Einsatz, im Reisezentrum verkürzen der Kurzgeschichtenautomat und der Social Media Screen die Wartezeit, und Kundeninformationen werden auf grossen digitalen Displays abgebildet. Für die Anschlussmobilität stehen Reisenden am Zürcher HB E-Scooter von Mobility zur Verfügung.

Darüber hinaus haben wir zusammen mit unseren Mietern den Vorbestellungsservice «SBB FastLane» entwickelt. Kunden können ihr Sandwich oder ihren Kaffee via die «Mein Bahnhof» App bestellen und bezahlen, und dann im Laden ohne anzustehen abholen.

Ein weiterer Meilenstein ist die «Augmented Reality App». Hier setzen wir weltweit Massstäbe in der dreidimensionalen Kundeninformation am und rund um den Zürcher HB. Reisende können einfach ihr Smartphone zur Hand nehmen und sehen eingeblendete Pfeile, die ihnen den Weg zum richtigen Gleis weisen. Dabei werden auch Informationen zu den Abfahrtszeiten eingeblendet. Laufen die Kunden an einem Laden vorbei, können sie sich Angebote anzeigen lassen. Selbstverständlich halten wir dabei sämtliche Datenschutzbestimmungen ein.

Welche Etappen muss die SBB noch hinlegen, um das Ziel des «digitalsten Bahnhofs der Welt» erreichen?

Potenzial besteht im Bereich Data Analytics beziehungsweise Big Data. Hier haben wir schon nur aufgrund der langen Geschichte des Zürcher HB Rückstand gegenüber jüngst gebauten Flughäfen, die von Beginn an «digital» gebaut und auf die entsprechenden Bedürfnisse ausgerichtet wurden. Wir lassen uns nach Abschluss der «Digitalswitzerland Challenge» zusammen mit Partnern, wie Mietern in Bahnhöfen, Hochschulen und Lieferanten, von der ETH evaluieren, um zu sehen, ob wir das ambitiöse Ziel erreicht haben. Zudem wollen wir Erkenntnisse gewinnen, wo unsere Schwachpunkte liegen und wo wir weiter investieren müssen. Es ist uns wichtig, dass diese Wette keine einmalige Sache ist, die sich auf den Zürcher HB beschränkt. Deshalb haben wir zum Ziel, jene Pilotprojekte, die einen echten Kundenmehrwert bringen, auch auf weitere – vor allem grössere – Bahnhöfe auszurollen.

Die SBB investiert viel in das Konzept der autonomen Mobilität. Worum geht es konkret?

Ende 2017 haben wir erstmals Tests mit neuen digitalen Assistenzsystemen für Lokführer durchgeführt. Dabei wurde auf der Strecke Bern–Olten ein Zug im Beisein des Lokführers automatisch gebremst und beschleunigt. Das System ist mit einem Autopiloten im Flugzeug vergleichbar. Mit diesem Schritt wollen wir die Automatisierung des Zugbetriebs vorantreiben. Dies machen wir innerhalb des Branchenprogramms «SmartRail 4.0.», mit dem wir unter anderem das Ziel verfolgen, die Kapazität der bestehenden Bahninfrastruktur bis 2040 um 30 Prozent zu erhöhen. Die Kunden sollen in Zukunft von mehr Zügen, einem dichteren Fahrplantakt, weniger Störungen und einer besseren Mobilfunkverbindung profitieren. Bei allem ist eines sicher: automatisiert ist nicht gleichbedeutend mit Zügen ohne Personal. Ich bin überzeugt, dass es auch künftig Fachpersonen für die sichere und pünktliche Abwicklung des Bahnbetriebs im Zug braucht. Ich selber würde nicht in einen Zug ohne Personal einsteigen.

Wird es für SBB irgendwann eine systembedingte beziehungsweise natürliche digitale Endstation geben?

Auch ich kann mir die Zukunft nur ausmalen. Aber eines ist sicher: Bahnfahren wird immer ein physisches Erlebnis sein. Deshalb ist es uns wichtig, den persönlichen Kontakt zu pflegen. «Persönlich» ist denn auch ein Kernelement unserer Vision. Gleichzeitig ist die Entwicklung der Mobilität dynamisch, spannend und wird sich komplett verändern. Früher definierte sich die SBB ausschliesslich als Bahn, heute verstehen wir uns als Teil einer Mobilitätskette. Die Fachwelt geht zurzeit von einer stark steigenden Nachfrage nach Mobilität aus, unter anderem durch das Bevölkerungswachstum oder die Entwicklung autonomer Fahrzeuge. Demgegenüber können flexiblere Arbeitsformen die Nachfrage nach Verkehrsleistungen reduzieren. Die SBB denkt darum für die langfristig integrierte Mobilitäts- und Arealentwicklung in Szenarien. Dazu gehört es, Konzepte und Annahmen zu hinterfragen: Wird «Sharing Economy» wirklich das grosse Thema? Wie werden autonome Shuttles oder Robotaxis den Mobilitätsmarkt beeinflussen?

Klar ist unser Ziel: Wir wollen die Mobilität der Zukunft mitgestalten. Das heisst, dass wir als Unternehmen beweglich und offen bleiben müssen. Wir treiben die digitale Transformation der Schweiz konsequent voran, um auch im internationalen Wettbewerb bestehen zu können. Digitalisierung ist mit tiefgreifendem Wandel verbunden, der für alle Branchen ein grosses Potenzial birgt. Sie hilft uns, die Zusammenarbeit effizienter zu gestalten, die Kundeninteraktionen zu individualisieren, die Kapazität im Schienennetz weiter zu steigern oder ganz neue Geschäftsmodelle zu etablieren. Wir wollen das Know-how in der Schweiz nutzen und den Innovations- und Bildungsstandort Schweiz fördern. Wir wollen die Veränderungen gemeinsam mit den Mitarbeitenden angehen und sie dabei unterstützen, die Mobilität zukunftsfähig zu gestalten.  

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