Interview mit Reto Benz | KPMG | CH

«Viele traditionelle Handelspartner der Schweiz sind unberechenbarer geworden»

Interview mit Reto Benz

Welche Themen beschäftigen die Schweizer KMU derzeit am meisten? Reto Benz spricht im Interview über die facettenreiche Schweizer KMU-Landschaft und zeigt auf, mit welchen konkreten Belastungen sie zu kämpfen haben.

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Reto Benz, Leiter Marktregionen Schweiz von KPMG

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Welche Themen beschäftigen die Schweizer KMU derzeit am meisten?

Haupttreiber ist sicherlich die digitale Transformation, welche die gesamte Schweizer Wirtschaft erfasst hat – und damit auch die KMU. Die Digitalisierung bietet grosse unternehmerische Chancen, das ist eindeutig. Sie zwingt die Firmen aber auch, ihr Geschäftsmodell zu überdenken, birgt substanzielle Risiken durch Cyberkriminalität und erfordert zusätzliche Anstrengungen bezüglich Datenschutz.

Weiter stellt die enorme Regulierungsdichte eine grosse Belastung für die Firmen dar. Sie verteuert den bereits sehr kostspieligen Standort Schweiz weiter. Auch die Rechtsunsicherheit – etwa im Zusammenhang mit der hängigen Steuervorlage 17 – macht unseren Kunden stark zu schaffen. Eine grosse Herausforderung stellt zudem der anhaltende Fachkräftemangel dar.

Besonders für die exportorientierten Unternehmen stehen das Verhältnis zwischen der Schweiz und der EU, protektionistische Tendenzen in den USA sowie generelle geopolitische Unsicherheiten im Fokus. Viele traditionelle Handelspartner der Schweiz sind unberechenbarer geworden: Deutschland stand lange Zeit ohne Regierung dar, Grossbritannien steckt mitten im Brexit-Prozess und Frankreich und Italien befinden sich im Reformstau.

Welche unterschiedlichen Herausforderungen stellen Sie bei den Firmen fest?

So facettenreich wie die Schweiz ist auch unsere KMU-Landschaft. Das Spektrum reicht dabei vom neugegründeten Start-up bis hin zum seit Generationen etablierten Familienbetrieb. Auch die Branchenzugehörigkeit, die regionale Verankerung sowie eine grundsätzliche Binnen- oder Exportmarkt-Ausrichtung prägen die Firmen und ihre spezifischen Herausforderungen: Während Start-ups vor allem Finanzierungs- und Steuerthemen beschäftigen, setzen sich Familienunternehmen oft mit Aspekten der Nachfolgeplanung auseinander. Die Digitalisierung betrifft zwar wiederum alle Unternehmen, jedoch sehen sich die verschiedenen Branchen dabei mit unterschiedlichen Aspekten konfrontiert: Die zunehmende Automatisierung von Prozessen wird immer wichtiger im Dienstleistungssektor, andere Branchen, wie etwa die produzierende Industrie, kennen diese Entwicklung schon viel länger. In den Grenzregionen am Bodensee, in der Westschweiz und im Tessin sind die Arbeitsmigration und der Einkaufstourismus ein grosses Thema. Im Gegensatz zu Unternehmen im Binnenmarkt sind exportierende Betriebe in erster Linie auf Freihandelsabkommen und Rechtssicherheit beim Marktzugang und in Urheberrechtsfragen angewiesen.

Wie unterstützt KPMG die mittelgrossen Schweizer Unternehmen?

Wir sind an elf Standorten in der Schweiz und in Liechtenstein persönlich präsent und bieten hochwertige Dienstleistungen in den Bereichen der Wirtschaftsprüfung, Steuer-, Rechts- Treuhand- und Unternehmensberatung an. Wir sind stark regional verankert und haben einen direkten Draht zu allen Kunden. Sie profitieren von multidisziplinären Dienstleistungen aus einer Hand sowie von unserer Einbindung an das internationale Netzwerk von KPMG, was uns direkten Zugang zu Spezialisten und Behörden in 160 Ländern sichert.

Was motiviert Sie persönlich in Ihrer täglichen Arbeit?

Mich begeistert in erster Linie die bereits erwähnte Vielfältigkeit unserer Kunden. Darüber hinaus schätze ich den direkten Kontakt zu den Unternehmern und die Möglichkeit, etwas zu bewegen für den Standort Schweiz und dessen wirtschaftliches Rückgrat, die KMU. Dass wir damit grossen Erfolg haben und rund 40 Prozent zum Umsatz von KPMG Schweiz beitragen können, motiviert mich und alle in diesem Marktsegment tätigen Personen zusätzlich.

Was muss die Politik tun, um die Schweizer KMU-Landschaft zu unterstützen?

In erster Linie sollte die Politik gute Rahmenbedingungen und Rechtssicherheit garantieren. Dies gelingt aktuell in Dossiers wie in der Steuerpolitik oder im Verhältnis zwischen der Schweiz und der EU nur mangelhaft. Darüber hinaus sollte sich die Politik Gedanken machen, wie die Schweiz durch private und staatliche Investitionen in Bildung und Innovation fit gemacht werden kann für einen erfolgreichen Umgang mit der Digitalisierung.

Zu guter Letzt: Seit Jahren wird den hiesigen Firmen eine spürbare administrative Entlastung versprochen. In der Praxis merkt man davon nichts. Im Gegenteil: Es wird immer stärker reguliert. Die Politik sollte nun dringend unnötige Regulierungen identifizieren und entsprechend abbauen. Damit wäre den Schweizer KMU bereits stark geholfen.

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