AIA zwischen Liechtenstein und EU | KPMG | CH
close
Share with your friends
AIA zwischen Liechtenstein und EU

AIA zwischen Liechtenstein und EU

AIA zwischen Liechtenstein und EU

AIA zwischen Liechtenstein und EU ab 1. Januar 2016

4. November 2015

Liechtenstein hat sich 2014 zusammen mit rund 50 anderen Early Adopter Staaten zur Umsetzung des Automatischen Informationsaustauschs (AIA) per 1. Januar 2016 verpflichtet. Nach der Unterzeichnung des entsprechenden Abkommens mit der EU müssen liechtensteinische Banken, Versicherungen und bestimmte Investmentunternehmen wie Stiftungen und Trusts nun 2017 das erste Mal betreffend das Jahr 2016 eine Meldung vornehmen.

Formell erfolgt die Umsetzung des AIA zwischen Liechtenstein und den EU-Staaten mittels der Anpassung des Zinsbesteuerungsabkommens, so wie dies auch im Verhältnis der Schweiz mit der EU erfolgt. Der entscheidende Unterschied zur Schweiz liegt darin, dass Liechtenstein bereits im Jahr 2017 betreffend das Jahr 2016 Daten mit den EU Staaten (mit der Ausnahme von Österreich, das ein Jahr später folgt) austauschen wird, die Schweiz aber erst 2018 betreffend 2017. Inhaltlich wurde in das Abkommen zwischen Liechtenstein und der EU der AIA-Standard (insbesondere der Common Reporting Standard, CRS) der OECD unverändert übernommen.

Wer muss 2017 unter dem AIA betroffene Personen melden?

Die Banken in Liechtenstein müssen bereits 2017 beginnen, Personen mit Steuerdomizil in einem EU-Staat (ohne Österreich) zu melden, die ein Konto in Liechtenstein führen oder als beherrschende Personen eines Rechtsträgers mit einem Konto in Liechtenstein gelten. Dabei sind jeweils das Guthaben per Ende Jahr wie auch die Bruttoerträge sowie Bruttoveräusserungserläse zu melden.

Dasselbe gilt auch für Versicherungsgesellschaften. Diese müssen ab 2017 die entsprechenden Inhaber von rückkaufsfähigen Versicherungspolicen und Rentenversicherungsverträgen mit dem jeweiligen Wert per Ende Jahr und den getätigten Auszahlungen melden. Unter dem AIA sind schliesslich auch Rechtsträger wie Sitzgesellschaften, Trusts und Stiftungen, welche als Investmentunternehmen (Finanzinstitut) qualifizieren, verpflichtet meldepflichtige Personen zu rapportieren.

Welche Sitzgesellschaften, Trusts und Stiftungen qualifizieren als Investmentunternehmen?

Für die Qualifikation als meldepflichtiges Investmentunternehmen ist vorausgesetzt,

  • dass mehr als 50% der Bruttoeinkünfte des Rechtsträgers aus der Anlage oder Wiederanlage von Finanzvermögen oder dem Handel damit herrühren (Gross Income Test)
  • und dass die Vermögenswerte durch ein anderes Finanzinstitut (insbesondere auch Investmentunternehmen) verwaltet werden (Managed By Test).

Der „Managed By Test“ wird grundsätzlich dann erfüllt, wenn ein diskretionäres Vermögensverwaltungsmandat bei einer Bank oder einem Vermögensverwalter (der als Investmentunternehmen qualifiziert) besteht oder aber ein Organ oder Trustee der Struktur als Finanzinstitut (insbesondere Investmentunternehmen) qualifiziert.

Welche Personen müssen durch ein Investmentunternehmen gemeldet werden?

Eine als Investmentunternehmen qualifizierende Vermögensverwaltungsstruktur muss unter dem AIA die Inhaber einer Eigen- bzw. Fremdkapitalbeteiligung melden. Dabei handelt es sich in der Regel um die Aktionäre von Gesellschaften, die mindestens 25% der Anteile der Gesellschaft halten sowie bei Trusts, Stiftungen und dergleichen insbesondere um den Settlor, die Trustees/Stiftungsräte, Protektoren wie auch die Begünstigten. Diskretionäre Begünstige müssen jedoch nur betreffend die Jahre gemeldet werden, in welchen diese Ausschüttungen erhalten.

Dabei sind diese Personen mit folgenden Beträgen zu melden:

Person Meldepflichtige Beträge
Settlor Gesamter Wert des Trusts und allfällige Ausschüttungen
Nicht diskretionäre Begünstigte Gesamter Wert des Trusts und allfällige Ausschüttungen
Diskretionäre Begünstigte (nur in den Jahren, in welchen diese Ausschüttungen erhalten) Die Ausschüttungen
Trustee, Protektor und weitere Personen, welche den Trust beherrschen
Gesamter Wert des Trusts und allfällige Ausschüttungen

Fazit und Handlungsbedarf

Vom in weniger als zwei Monaten in Liechtenstein in Kraft tretenden AIA werden nicht nur die Banken und Versicherungen, sondern auch die Vermögensverwaltungsstrukturen betroffen sein. Dementsprechend müssen sich in diese Sitzgesellschaften, Stiftungen und Trusts involvierte Personen – insbesondere Treuhänder, Vermögensverwalter aber auch die Errichter sowie Begünstigten der Strukturen selber – bis Ende 2015 im Klaren über die Auswirkungen des AIA sein. Dabei gilt es zu berücksichtigen, dass je nach Sachverhalt die kontoführende Bank oder die Struktur selber verpflichtet ist, unter dem AIA zu melden und dass sich dabei die zu meldenden Daten wesentlich unterscheiden können.

Definitiv keine Alternative für betroffene Personen, die noch nicht steuerkonform sind, ist die Flucht in andere Finanzplätze. Denn einerseits werden diese den AIA in den nächsten Jahren auch einführen. Anderseits können „Abschleicher“ insbesondere von Gruppenanfragen erfasst werden. Dabei ist zu beachten, dass das OECD-Amtshilfeübereinkommen, welches auch von Liechtenstein unterzeichnet wurde, grundsätzlich rückwirkende Gruppenanfragen zulässt. Ebenfalls sieht das AIA-Abkommen zwischen Liechtenstein und der EU die Einführung der Amtshilfe (inklusive Gruppenanfragen) gemäss dem OECD Standard im Verhältnis zu allen EU Staaten vor.

Noch nicht steuerehrliche Personen sollten sich vor diesem Hintergrund baldmöglichst mit der Einreichung einer Selbstanzeige befassen.

So kontaktieren Sie uns