Spital 4.0: Digitalisierung ist Chefsache | KPMG | CH
Spital 4.0: Digitalisierung ist Chefsache

Spital 4.0: Digitalisierung ist Chefsache

Spital 4.0: Digitalisierung ist Chefsache

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7. November 2017

Die Digitalisierung in den Spitälern erhält mit der Einführung des Elektronischen Patientendossiers einen enormen Schub. Sie ist für Spital- und Klinikdirektoren eine Chance, ihr Geschäftsmodell zu überdenken und den damit verbundenen kulturellen Wandel voranzutreiben.

Auf der Basis des Bundesgesetzes über das elektronische Patientendossier (EPDG) wird die Schweiz ab 2020 einen systematischen Austausch von elektronischen Patientendaten einführen.

Dies bringt Druck ins System. Kaum ein Spital- oder Klinikdirektor hat sich bisher mit der folgenden Frage auseinandergesetzt. Wie bewältigen wir diese neue digitale Herausforderung? Dabei ist die Versuchung gross, kurzentschlossen den Chief Information Officer (CIO) mit der Ausarbeitung eines entsprechenden Digitalisierungskonzepts zu beauftragen.

Doch ist es damit getan? Nein. Auch wenn die gesetzliche Vorgabe zur Einführung innert 3 Jahren besteht, ist übertriebener Aktivismus fehl am Platz. Einerseits ist die Gefahr von Fehlinvestitionen zu gross und andererseits das (Spar-) Potenzial, das sich mit unkoordinierten Insellösungen beheben lässt, zu gering. Auch die Zielsetzung der Qualitätssteigerung, welche mit der Einführung des EPD einhergeht, lässt sich nur bedingt erreichen.

Digitalisierung beginnt mit einer fundierten Analyse

Laut Stephan Sigrist, CEO von W.I.R.E., ist Digitalisierung nicht als Teilproblem der Informatikabteilung zu verstehen, sondern als ein digitaler Prozess, der das ganze Unternehmen erfasst. Deshalb gilt es zuerst eine fundierte Analyse und Auslegeordnung vorzunehmen. Wo liegen die Schnittstellen im Wertschöpfungsprozess? Welche prozessualen und mentalen Silos müssen aufgebrochen werden, um den digitalen Informationsfluss in der Horizontalen – quer über alle Bereiche und Hierarchien hinweg – zu gewährleisten? Wie kann eine qualitativ bessere und kostengünstigere Versorgung des Patienten herbeigeführt werden?

Weg vom Silo hin zur interprofessionellen Kooperation

Das Aufbrechen von Silos ist nicht zum Nulltarif zu haben. Die Klinikleitung muss sich in erster Linie dafür engagieren. Idealerweise führt eine interprofessionelle Kooperation zu mehr Transparenz, wenn es um um den Informations- und Entscheidungsfluss geht. Diese Art des kulturellen Wandels soll weg vom hierarchischen Top-Down-Ansatz hin zur hybriden, expertenorientierten, interprofessionellen Kooperation zwischen allen Akteuren im Gesundheitswesen führen. Hausärzte, Spitalärzte, Pflegende, Heime, Spitex und Apotheker würden sich auf Augenhöhe begegnen.

Dieser Ansatz in Richtung einer integrierten Versorgung stellt die grosse Herausforderung für die Klinikleitungen in den kommenden Jahren dar. Diese Herausforderung gilt es durch den CEO und Spitalleitung zu managen, um so den Wandel aktiv zu gestalten.

Fehlende Gesamtstrategie zum Spital 4.0

Der heutige Entwicklungsstand der Digitalisierung in den rund 320 Spitälern und Kliniken in der Schweiz ist sehr heterogen. Fast allen ist jedoch eines gemeinsam: Es fehlt eine Gesamtstrategie zur Entwicklung des Spitals 4.0. Das heisst, es mangelt an einer umfassenden Digitalstrategie, die sich an der Gesamtstrategie, der Vision und dem Leitbild des Spitals orientiert. Diese Digitalisierungsstrategie muss Umsetzungsmassnahmen für alle Bereiche umfassen. Unsere Erfahrung zeigt, dass die folgenden fünf Schritte zum Erfolg führen.

  1. Digitalisierung ist Chefsache: Eine vom ganzen Unternehmen mitgetragene Digitalisierungsstrategie kann nicht an eine Abteilung wie die IT delegiert werden. Vielmehr ist sie als Abbild der übergeordneten Gesamtstrategie anzusehen, die von der Geschäftsleitung formuliert ist. An ihr ist es auch zu entscheiden, wohin die Budget- und Personalressourcen fliessen sollen, wenn es um die Umsetzung geht.
  2. Das Big Picture im Auge behalten: Digitale Projekte müssen im Gesamtkontext der Unternehmensentwicklung betrachtet werden. Dabei müssen alle Unternehmensbereiche miteinbezogen sein: von der Formulierung des Angebotsportfolios und damit verbundener digitaler Dienstleistungen über das Zuweisermanagement bis hin zur Optimierung in der OPS- oder der Bettenbelegung.
  3. Kommunikation als Schlüsselfaktor: Transformationsprozesse solcher Dimensionen gelingen nur, wenn Widerstände und Ängste der Mitarbeiter reduziert werden können. Zudem müssen auch Zusatzbelastungen für die Organisation und alle Beteiligten möglichst gering gehalten werden. Deshalb ist es essenziell, von Anfang an die betroffenen Führungskräfte und Mitarbeitenden zu Beteiligten zu machen und ihnen den Nutzen der Transformation sowie ihren individuellen Beitrag sichtbar zu machen.
  4. Erreichbare, etappierte Ziele formulieren: Die Umsetzung einer Digitalisierungsstrategie ist für ein Spital oder eine Klinik eine umfassende Arbeit. Deshalb empfiehlt es sich, eine Roadmap mit realistischen und kontrollierbaren Meilensteinen festzulegen.
  5. Externe Expertise einholen: Starten Sie mit einem Digital Readiness Assessment: Die Hektik des Tagesgeschäfts lässt oftmals keine fundierte Analyse zu. Unabhängige Experten und ein “Digital Readiness Assessment” können aufzeigen, wo ein bestimmtes Spital im Vergleich zu den Wettbewerbern steht und wo besonderer Handlungsbedarf besteht.

Allzu oft wird die Digitalisierungsstrategie an die IT-Verantwortlichen delegiert. Doch dies greift eindeutig zu kurz: Will ein Spital die ersten Schritte in die digitale Welt meistern, gilt es, zuerst ein klares Bild der Gesamtstrategie zu haben. Matchentscheidend für den Erfolg ist aber auch das engagierte Commitment von VR, CEO und Geschäftsleitung.

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