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«Betrug ist immer noch der Klassiker»

«Betrug ist immer noch der Klassiker»

Andrea Höhener spricht im Interview über die dominierenden Deliktarten in der Wirtschaftskriminalität, Unterschiede nach Branchen sowie die Zusammenarbeit mit Unternehmen.

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Andrea Höhener, Chefin der Ermittlungsabteilung Wirtschaftskriminalität der Kantonspolizei Zürich

Andrea Höhener, Chefin der Ermittlungsabteilung Wirtschaftskriminalität der Kantonspolizei Zürich

Wie stark ist die Schweiz von Wirtschaftskriminalität betroffen?

Wir bearbeiten hier in Zürich jährlich etwa 100 Fälle. Seit geraumer Zeit stellen wir fest, dass international operierende Straftäter vermehrt ihre inkriminierten Vermögenswerte in der Schweiz via den Parabankensektor in den legalen Geldkreislauf einschleusen. Um diesem Phänomen entgegenzuwirken, führt die Ermittlungsabteilung Wirtschaftskriminalität der Kantonspolizei Zürich mit Hilfe von in- und ausländischen Partnerorganisationen gezielt Grossverfahren gegen organisierte Geldwäschereibanden durch. Zu beachten ist, dass die Wirtschaftskriminalität ein sehr hohes Schadenspotential aufweist, das sich jährlich gesamtschweizerisch im Milliardenbereich bewegt.

Gibt es Unterschiede zwischen Branchen und/oder Unternehmenstypen?

Wenn man die Wirtschaftskriminalität generell anschaut, d.h. die ganze Palette, dann nein. Wirtschaftskriminalität kann überall auftauchen. Bei gewissen Phänomenen, wie bspw. der Konkursreiterei, lassen sich Tendenzen feststellen – bei der Konkursreiterei die Gastro- und Baubranche.

Welche Deliktformen prägen das Bild?

Der Betrug ist immer noch der „Klassiker“ unter den Wirtschaftsdelikten. Konkursdelikte begegnen uns ebenfalls in grosser Anzahl, dies jedoch insbesondere deshalb, weil die Bekämpfung des Konkursmissbrauchs in der laufenden Legislaturperiode ein Regierungsschwerpunkt in Zürich darstellt und wir die Ermittlungen in diesem Bereich intensiviert haben. Zunehmend verschieben sich die Deliktsformen, auch in Bezug auf den Betrug, von analogen Modi Operandi in den digitalen Bereich. Diesbezüglich machen wir seit einiger Zeit unsere Mitarbeitenden auch in digitalen Ermittlungsansätzen und -vorgehen fit.

Wie sieht ein klassisches Täterprofil aus?

Der Begriff „White Collar Crime“ kommt nicht von ungefähr… Oft ist zu beobachten, dass neben den eigentlichen „Betrügern von Berufs wegen“ ein exorbitanter Lebensstandard ausschlaggebend ist für bspw. den Griff in die Unternehmenskasse. Gerät jemand erst einmal in diese Spirale, kann dies eine beachtliche kriminelle Energie freisetzen.

Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit Unternehmen?

Die Ermittlungsabteilung Wirtschaftskriminalität der Kantonspolizei Zürich ist grundsätzlich an einer Vernetzung mit der Privatwirtschaft interessiert. Es ist wichtig, ein gegenseitiges Verständnis der Arbeitsweise zu entwickeln, weshalb wir bestrebt sind, einen regelmässigen Knowhow-Austausch zu pflegen. Unsere Mitarbeitenden und ich besuchen regelmässig Referate und Seminare der Privatwirtschaft im Sinne von Weiterbildungen und sind auch oft als Referenten für privatwirtschaftliche Veranstalter tätig. In Ermittlungen kann es vorkommen, dass uns geschädigte Unternehmen bei Datenerhebungen unterstützen.

Welche Fähigkeiten müssen Forensiker mit Fokus Wirtschaftskriminalität mitbringen?

Unsere Mitarbeitenden sind langjährige, erfahrene Polizisten/-innen mit einem Flair für wirtschaftliche Zusammenhänge und Zahlen. Auch Kreativität und Hartnäckigkeit sind gefragte Eigenschaften. Das spezialisierte polizeifremde, juristische sowie betriebs- und volkswirtschaftliche Wissen erlangen unsere Ermittler/-innen durch Aus- und Weiterbildungen an Fach- und Hochschulen im In- und Ausland. Die meisten Wirtschaftsermittler verfügen ausserdem über vertiefte Projektmanagement-Kenntnisse, da in grossen, international geführten Wirtschaftsstrafverfahren die Ermittlungen wie Projekte geführt werden. Unterstützt werden wir weiter durch ein in die Abteilung integriertes Team von zivilen Spezialisten mit reichlich Praxiserfahrung (dazu gehören zum Beispiel diplomierte Wirtschaftsprüfer, Buchhaltungs- oder Finanzspezialisten) sowie durch ein Team von Vermögensabschöpfern, das ebenfalls Bestandteil der Ermittlungsabteilung Wirtschaftskriminalität ist.

Was motiviert Sie persönlich für Ihren beruflichen Alltag?

Die Gewissheit, zusammen mit meinen engagierten Mitarbeitenden durch fortschrittliche und konsequente Verbrechensaufklärung wesentlich zur Stabilität und Stärkung des schweizerischen Wirtschafts- und Finanzstandorts beizutragen.

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